Verteidigungsministerin von der Leyen Angriff der Cyber-Krieger

Bei ihrer Reise ins Baltikum lässt sich Verteidigungsministerin von der Leyen in die Szenarien der digitalen Kriegsführung einweihen. Die CDU-Politikerin wittert die Chance, ein Zukunftsthema zu besetzen.

Von der Leyen (vor dem Logo des Nato-Cyberabwehrzentrums in Tallinn): Sorge vor digitalen Attacken
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Von der Leyen (vor dem Logo des Nato-Cyberabwehrzentrums in Tallinn): Sorge vor digitalen Attacken

Aus Tallinn berichtet


Zu Hause ist es momentan wieder etwas ungemütlich. Die Gewehre der Bundeswehr schießen neben das Ziel, der Hersteller stellt sich gegen die Kritik, alles ist unübersichtlich. Eine unangenehme Lage für Ursula von der Leyen. Und eine gute Zeit für eine Auslandsreise, um die Probleme daheim zumindest für kurze Zeit hinter sich zu lassen.

Traditionelle Gewehre spielen dabei glücklicherweise keine Rolle, auch wenn die Angst in den baltischen Staaten vor dem großen Nachbarn Russland wegen der Ukraine-Krise plötzlich wieder ganz real ist. Natürlich gehört es da zur Pflicht der deutschen Verteidigungsministerin, den Balten ihre volle Solidarität und Unterstützung zuzusichern. Aber von der Leyen geht es bei ihrem Trip ins Baltikum auch um etwas ganz anderes: um die Kriegsführung von morgen, um ausländische Hacker, die auf Regierungscomputer zugreifen wollen. Um neue, digitale Konflikte, den Angriff der Cyber-Krieger.

Zwei Tage verbringt die Verteidigungsministerin in Estland, Lettland und Litauen, das Thema Cyber Defence steht ganz oben auf der Tagesordnung. In Estland hat die Nato ein Cyber Defence Centre eingerichtet. Zudem fürchtet das Land, Russland könnte das Land mithilfe digitaler Methoden attackieren. 2007 kam es bereits zu einer derartigen Attacke.

Unerwartete Aktualität hat das Thema zudem erst vor wenigen Tagen gewonnen, als der französische Fernsehsender TV5 Monde für Stunden durch einen Cyberangriff lahmgelegt wurde. Belgische Medien wurden zuletzt innerhalb kurzer Zeit ebenfalls zweimal zum Ziel von Cyberattacken. Und auch die Bundesregierung kennt das Phänomen nur zu gut: 2014 wurde sie täglich 15- bis 20-mal aus dem Netz "hochwertig" angegriffen. Das wird ein großes Thema. Entsprechend elektrisiert ist Ursula von der Leyen.

Simulation des digitalen Großangriffs

Los geht es am Dienstagmorgen bei einem Besuch des Cyber Defence Centres in Tallinn. 14 Länder haben Fachleute entsandt, um gemeinsam Mittel und Strategien gegen Angriffe zu finden. Es ist der wichtigste Nato-Thinktank in diesem Bereich. In einem Computerraum starren ein Dutzend Männer, teilweise in Uniform, auf Bildschirme. Die Computer-Experten stecken gerade mitten in den Vorbereitungen für kommende Woche: In einem gigantischen Experiment mit 1200 angeschlossenen Rechnern soll ein digitaler Großangriff simuliert werden.

Wie das genau ablaufen soll, erläutert der Ministerin der Chef des Zentrums. Ein rotes Team greift zwei blaue virtuell an, die versuchen sich gegen die Attacke zur Wehr zu setzen. Statt Panzerbildern blickt von der Leyen in diesem Kriegsszenario auf kleinteiligste Folien mit Computer-Nummern. Ein digitaler Konflikt eben. Da gibt es keine schönen Bilder.

Von der Leyen interessiert sich trotzdem auffällig dafür. Man ahnt, dass sie für sich eine politische Chance wittert. Cyber-Kriege, das klingt nach einem modernen Thema, das ist ihr Ding. "Das wird unseren Alltag bestimmen", sagt sie in Tallinn. Die Ministerin rechnet damit, dass das Wort Cyber irgendwann nicht mehr aus dem Wortschatz eines Militärs wegzudenken ist.

Im Bendlerblock sind parallel zur Reise bereits Planungen angestoßen worden, wie Referate verschoben werden können, damit es nicht nur bei Ankündigungen bleibt. Und von der Leyens Leute beginnen, im Ausland nach geeigneten Experten für das Thema zu suchen.

Am Dienstagabend fliegt von der Leyen nach dem Estland-Aufenthalt über Lettland weiter nach Litauen. Am Mittwoch geht es schließlich wieder zurück in die Heimat. Das Problemgewehr G36 und seine eigenartige Historie müssen noch anständig erklärt werden. Die alten Sorgen eben, aus der analogen Welt.

insgesamt 22 Beiträge
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edmond_d._berggraf-christ 14.04.2015
1. Die Gefahren durch die elektronische Kriegführung sind beträchtlich
Der Hauptgrund, warum die elektronische Kriegsführung so gefährlich ist, besteht wohl darin, daß die militärischen Koryphäen wieder einmal die alte Warnung des Carl von Clausewitz vor den zusammengesetzten Dingen im Kriege, die immer den einfachen weichen müssen, mißachtet haben und deshalb viele unsinnige Schwachstellen und Achillesversen in der Kriegsmaschine entstanden sind; dazu gehört zum Beispiel die Idee Bomben und Raketen mittels Navigationssatteliten zu steuern, was nicht nur deshalb bedenklich ist, weil diese ganz rustikal abgeschossen werden können (woran die Chinesen übrigens gerade ebenso fleißig wie erfolgreich arbeiten), sondern diese auch vom Feind gestört oder sogar übernommen werden können; ähnlich verhält es sich bei den Lenkwaffen, auch diese können auf solche Weise unschädlich oder sogar gegen einen selbst vom Feind eingesetzt werden; und gegen diese Möglichkeiten ist die Störung oder Ausspähung der Kommunikation recht harmlos, obwohl man zuerst an diese denkt.
graetz777 14.04.2015
2. Klar wie Ihre Lösung aussehen wird:
Jeder ausländische Cyberangreifer bekommt einfach ein Stoppschild angezeigt und die IP wird den Feldjägern mittels einer Excel-Tabelle übermittelt.
Der Thannhäuser 14.04.2015
3.
Ich habe irgendwo auf dem Dachboden noch einen C-64, den ich der Bundeswehr gerne zur Verfügung stelle, damit wenigstens irgendein funktionierendes Ausrüstungsteil für den Cyberkrieg da ist. Ist auch schön robust das Teil. Und wenn sich Flinten-Uschi schon informiert, sollte irgendwer ihr vieleicht mal sagen, dass man mit den Angriffen der NSA, des GCHQ und weiterer "Freunde" bereits mittem im Cyberkrieg ist. Denn das Hacken sämtlicher digitalen Infrastruktur in Deutschland bis hin zum Handy der Kanzlerin ist genau das, wovor man sich da schützen will. Aber das ist ja digitales Neuland für unsere Politiker.
Schnapi 14.04.2015
4. ...mensch thannhäuser und graetz
Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund. Man kann diesen Artikel schon aus Prinzip nicht ernst nehmen. Wenn Worte wie 'Cyper-Krieg' und 'Ursula v. d. L.' in einem Zusammenhang genannt werden, weiß man schon, das es nach großem Chaos riecht. Geld spielt mal wieder keine Rolle. Externe Partner werden Millionen dafür bekommen, dass sie in den nächsten 10 Jahren Hardware und Software entwickeln, die man bereits seit 5 Jahren in China kaufen kann. Die Frau hat doch Null Ahnung von digitaler Kriegsführung. Und mit Sicherheit sind die besten Leute schon längst in der Wirtschaft und sitzen nicht mehr im Ministerium. Aua, das wird doch nix. Zurück ins Sozialministerium mit der Frau. Da mag Sie vielleicht Ahnung von haben.
observer2014 14.04.2015
5. Gar nicht lustig.
Die digitalisierte Welt ist verwundbar. Erst recht, wenn Computer oder elektronische Steuerungen von Maschinen, Kraftwerken u. ä. mit dem Internet verbunden sind. Es wäre schön wenn ich mehr von den Schutzmechanismen der Militärs erfahren könnte. Was dort geeignet ist, Cyber-Angriffe jedweder Form abzuwehren, wäre für mich als um seine Privatsphäre besorgter Bürger gerade gut genug. Sieht mir alles wie ein gewaltiges weltweites Arbeitsbeschaffungsprogramm für IT-Fachleute aus. Hilfe, ich habe den falschen Beruf gewählt.
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