Afghanistan Von der Leyen zu Truppenbesuch eingetroffen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist am Mittwochmorgen in Afghanistan gelandet. Der Kampfeinsatz der Bundeswehr am Hindukusch ist bald Geschichte - wie soll es dann dort weitergehen?

Aus Masar-i-Scharif berichtet


Um 6.45 Uhr Ortszeit landete der Airbus A-340 auf dem Rollfeld in Masar-i-Sharif, schon früh am Mittwochmorgen schlug Ursula von der Leyen die Hitze Afghanistans entgegen. Mitten in einer Zeit mehrerer weltpolitischer Krisen ist die Verteidigungsministerin zu einem länger geplanten Aufenthalt am Hindukusch eingetroffen.

Auf dem Programm ihres Besuchs stehen Gespräche mit deutschen Soldaten und dem Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Bernd Schütt, ein Besuch der afghanischen Sicherheitskräfte und politische Gespräche in Kabul.

Gerade die beiden letzten Punkte zeigen, worum es von der Leyen bei dieser Reise geht: Es soll demonstriert werden, dass die Verantwortung für die Sicherheit des Landes bald vollends in afghanische Hände übergeben wird. Ende des Jahres ist der Kampfeinsatz der Bundeswehr abgeschlossen, seit Monaten läuft der Abzug, schweres Bundeswehrgerät wird aus dem Land geschafft, die Zahl der Bundeswehrsoldaten verringert sich kontinuierlich.

Folgeauftrag der Bundeswehr rückt näher

Doch auch nach 2014 sollen bis zu 800 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert bleiben und im Rahmen der Mission "Resolute Support" bei Ausbildung und Training der afghanischen Sicherheitskräfte helfen. Der Folgeauftrag rückt in unmittelbare Nähe - die Reise von der Leyens steht auch in diesem Zeichen.

Die Verteidigungsministerin ahnt, dass der Erfolg der gesamten Mission nicht nur vom Engagement der internationalen Truppen abhängt. In den vergangenen Wochen schien es eher die afghanische Innenpolitik zu sein, die ein Scheitern der gesamten Planungen zur Folge haben könnte.

Denn Voraussetzung für die Ausbildungsmission ist es, dass die afghanische Regierung das Sicherheitsabkommen für die internationalen Truppen unterzeichnet. Doch dazu bedarf es erst einmal einer neuen Regierung.

Seit den ersten Präsidentschaftswahlen im April zieht sich der Prozess. Auch zwischen den beiden letzten verbliebenen Bewerbern um die Nachfolge Hamid Karzais - Ashraf Ghani und Abdullah Abdullah - gab es bis zuletzt Unstimmigkeiten und Vorwürfe der Manipulation. Erst nach Vermittlungsgesprächen des US-Außenministers John Kerry scheint sich die Lage zu beruhigen.

Nach MH17-Abschuss: Neue Flugroute nach Afghanistan

Die Voraussetzungen für den Besuch der Verteidigungsministerin sind damit wieder etwas günstiger, die politische Lage im Land weniger fragil. So oder so wird von der Leyen in den kommenden zwei Tagen auch am Hindukusch über alle möglichen globalen Konflikte reden müssen. Ukraine, Israel und Irak zum Beispiel. Der Afghanistan-Konflikt ist plötzlich auch für die deutsche Sicherheitspolitik nicht mehr die größte Herausforderung.

Einmal hat von der Leyen dies auf dem Hinweg bereits gespürt: Statt über die Ukraine zu fliegen, wählte die Flugbereitschaft eine Route, die das Krisengebiet in Osteuropa nördlich umflog. Die Folgen waren überschaubar: Die Flugzeit verschob sich um eine Viertelstunde nach hinten.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marthaimschnee 23.07.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist am Morgen in Afghanistan gelandet. Der Kampfeinsatz der Bundeswehr am Hindukusch ist bald Geschichte - wie soll es dann dort weitergehen? http://www.spiegel.de/politik/ausland/von-der-leyen-in-afghanistan-wie-weiter-nach-bundeswehr-abzug-a-982431.html
Gerüchten zufolge haben die Taliban umgehend Protest bei der UNO eingelegt, eine so schreckliche Waffe wie von der Leyen an die Front zu verlegen, verstoße eklatant gegen die Genfer Konvention.
Meckerliese 23.07.2014
2.
Wie es dort weitergeht? Wie gehabt. Die Taliban werden das Land wieder in Besitz nehmen - genau wie nach dem Abzug der Russen. Millionen Euro und tausende Menschenleben geopfert für nichts. Die werden wieder vom Mohnanbau leben wie im Mittelalter und basta. Das hat jeder normaldenkende Mensch vorhergesehen bloss unsere blinden Politiker nicht. Aber wir haben ja Geld im Überfluss für solche Fälle.
ratxi 23.07.2014
3.
Zitat von sysopREUTERSVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist am Morgen in Afghanistan gelandet. Der Kampfeinsatz der Bundeswehr am Hindukusch ist bald Geschichte - wie soll es dann dort weitergehen? http://www.spiegel.de/politik/ausland/von-der-leyen-in-afghanistan-wie-weiter-nach-bundeswehr-abzug-a-982431.html
Wie soll es dann dort weitergehen? Hm, ja... Vielleicht so, wie in anderen Ländern auch, die selbst für sich verantwortlich sind.
seneca55 23.07.2014
4. VdL ahnt, dass Resolute Support schiefgeht?
Es ist gut, dass die Ministerin bei ihrer Truppe in AFG ist; denn bis jetzt gibt es keinerlei Basis für die Ausbildungsmission Resolute Support, an der 800 BW-Soldaten ab 1.Jan.2015 teilnehmen sollen. Seit 1 Jahr weigert sich der AFG.präsident Karzai das Truppenabkommen zu unterzeichnen und wann ein neuer Präsident vereidigt ist, der es ordentlich zeichnen kann, steht in den Sternen. Da die NATO-Staaten und Japan aber den Sold der afg. Armee und Polizei in Toto zahlen, muss aber schnellstens Klarheit her, ob überhaupt und wann die Ausbildungsmission startet und nicht stattdessen ein 2. Kalifat wie in IRAK nach Abzug der Amis begründet wird. Das einzige was in Afghanistan wirklich funktioniert, ist die Drogenwirtschaft - vielleicht sollt die Ministerin noch Karzais Bruder treffen, um entscheidende Infos über die Situation zu erhalten? Good luck, Röschen!
fatherted98 23.07.2014
5. Wie es dort weitergeht?
...ganz einfach...die afg. Regierung wird sich schnellstmöglich mit den Taliban und regionalen Kriegsherren einigen...Kabul bleibt sicher unter Kontrolle der Regierung...der Rest des Landes fällt in archaische Stammesfehden und Sharia Terror zurück...so einfach ist das...da braucht man weder Prophet noch Experte zu sein um das vorauszusehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.