Verfassungsreferendum in Ägypten: Demonstranten bewerfen sich mit Steinen

Bei Protesten in Alexandria sind mehr als dreißig Menschen verletzt worden. Befürworter und Gegner des Entwurfs für eine neue ägyptische Verfassung zündeten Autos an und bewarfen sich vor einer Moschee mit Steinen. Am Samstag geht das Referendum in die entscheidende Runde.

Ausschreitungen in Alexandria: Straßenschlachten und brennende Autos Zur Großansicht
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Ausschreitungen in Alexandria: Straßenschlachten und brennende Autos

Kairo - Die Kluft zwischen Islamisten und säkularen Ägyptern wächst: Vor der zweiten Runde der Abstimmung über den Entwurf für eine neue Verfassung hat es erneut Zusammenstöße gegeben. Tausende islamistische Befürworter des Entwurfs und hunderte ihrer Gegner gingen nach dem Freitagsgebet vor einer Moschee in der Küstenstadt aufeinander los und bewarfen sich mit Steinen.

Laut Augenzeugenberichten aus Alexandria zündeten Demonstranten Autos und Busse an und schleuderten Gegenstände. Laut Gesundheitsbehörden wurden mehr als 30 Menschen verletzt. Einige von ihnen hatten Zeugen zufolge Kopfverletzungen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.

Die Proteste verdeutlichen die tiefe Spaltung der ägyptischen Gesellschaft: Am Samstag findet in 17 von 27 Provinzen das Referendum über den umstrittenen Entwurf für eine neue Verfassung statt. Am vergangenen Samstag hatten schon die Menschen in den zehn anderen Landesteilen abgestimmt.

Bei der ersten Runde zeichnete sich eine knappe Mehrheit für den Entwurf ab, der durch eine von Islamisten dominierte Versammlung ausgearbeitet worden war. Präsident Mohammed Mursi und seine Anhänger der Muslimbruderschaft wollen mit der Verabschiedung des Textes die Übergangsphase seit dem Sturz des Präsidenten Husni Mubarak im Februar 2011 beenden.

Die liberale und linke Opposition kritisiert jedoch, dass durch die vielfach vagen Bestimmungen des Entwurfs die Bürgerrechte nicht ausreichend garantiert seien und der weiteren Islamisierung der Gesetzgebung der Weg bereitet werde. Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei sagte dem 3sat-Magazin "Kulturzeit", er verlange vom Westen "eine moralische Unterstützung unseres Volkes, das um seine Freiheit kämpft".

Bei Protesten gegen den Text gab es bereits wiederholt gewaltsame Auseinandersetzungen. Schon in der vergangenen Woche war es in der Nähe des Gotteshauses in Alexandria zu Krawallen gekommen, nachdem ein ultrakonservativer Geistlicher in seiner Predigt dazu aufgerufen hatte, für den Entwurf zu stimmen.

Daraufhin eskalierten die Proteste von Gegnern und Befürwortern Mursis. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden verletzt, mehrere Autos gingen in Flammen auf. Anhänger der Muslimbruderschaft hatten daraufhin zu neuerlichen Großkundgebungen aufgerufen.

usp/AFP/dpa

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