Gipfeltreffen: Europa kommt China im Handelsstreit entgegen

Die EU will einen Handelskrieg mit China unbedingt verhindern. Europäische Firmen hatten Peking vorgeworfen, heimische Hersteller unzulässig zu subventionieren. Nun gibt sich die EU-Kommission kurz vor einem Treffen mit Premier Wen Jiabao versöhnlich: Es gebe keine Beweise für ein Verfahren.

Brüssel - Es ist ein Gipfel unter düsteren Vorzeichen: In Brüssel treffen EU-Spitzen und Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao zusammen. Dabei soll es um die Schuldenkrise und internationale Konflikte wie den Bürgerkrieg in Syrien gehen. Ein Thema dürften aber auch die Dumping-Vorwürfe gegen chinesische Konzerne sein - die das Verhältnis der Handelspartner massiv belasten.

Im Vorfeld des Treffens bemühen sich Top-EU-Beamte nun um eine Entschärfung des Konflikts. Die Botschaft: Ein offener Handelsstreit mit China soll unbedingt vermieden werden. Entsprechend versöhnlich klangen die Worte von Karel de Gucht, dem belgischen Vertreter in der EU-Kommission. Man brauche stärkere Beweise, um den Beschwerden europäischer Firmen gegen die chinesischen Handelsgebaren weiter nachgehen zu können. Dies sagte er laut "Financial Times" in einem internen Treffen kurz vor dem Gipfel.

Er bezieht sich auf Vorwürfe gegen die beiden Telekommunikationskonzerne Huawei und ZTE Corp., sie sind führende Hersteller von Mobilfunktechnik. Die Frage ist, ob die Regierung in Peking den Firmen mit Finanzspritzen Vorteile auf den Märkten verschafft hat. Schon lange drängt Brüssel die chinesische Regierung, nicht länger mit Exportkrediten aktiv in die Wirtschaft einzugreifen.

Es ist der zweite brisante Fall binnen weniger Monate. Im Juli hatten 25 europäische Solarfirmen, darunter das deutsche Unternehmen Solarworld, eine Anti-Dumping-Klage gegen die Konkurrenz aus China eingereicht.

China droht offen mit Strafzöllen

Solarworld-Chef Frank Asbeck wirft den Chinesen vor, Produkte zu Schleuderpreisen auf den Markt zu werfen. Zudem stütze die Volksrepublik heimische Firmen mit milliardenschweren staatlichen Krediten - der gleiche Vorwurf wie im Fall der beiden Telefonhersteller.

Im Gegenzug haben chinesische Branchengrößen wie Yingli, Suntech oder Trina mit einem Handelskrieg gedroht. Yingli-Chef Wang Yiyu warnte zuletzt, Strafzölle auf Solarimporte aus der Volksrepublik würden "einen umfassenden Handelskrieg zwischen der EU und China auslösen, der auf beiden Seiten nur zu enormen Verluste führen wird".

Die Klage der europäischen Solarfirmen stößt jedoch nicht nur in China auf Kritik: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte bei ihrem jüngsten Besuch in Peking Verhandlungen statt eines Anti-Dumping-Verfahrens. Einen entsprechenden Vorschlag wollte sie der EU-Kommission machen.

jok

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Wer braucht diese EU...
Gerüchtsvollzieher 20.09.2012
und wofür? Der Bürger wird entmündigt und kurz- bis mittelfristig um sein Geld gebracht und im längst stattfindenden weltweiten Wirtschaftskrieg mit China soll "verhandelt" werden während China schon seit Jahren scharf schiesst. Ich plädiere für eine weisse Fahne mit durchkreuztem Euro als neue Europafahne.
2. Aha, und die unverholenen Subventionen
herr_kowalski 20.09.2012
Zitat von sysopDie EU will einen Handelskrieg mit China unbedingt verhindern. Europäische Firmen hatten Peking vorgeworfen, heimische Hersteller unzulässig zu subventionieren. Nun gibt sich die EU-Kommission kurz vor einem Treffen mit Premier Wen Jiabao versöhnlich: Es gebe keine Beweise für ein Verfahren. Vor Gipfeltreffen: Brüssel entschärft Handelsstreit mit China - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,856890,00.html)
für die europäischen Landwirte beim Export von allen möglichen Erzeugnissen und bei der Erzeugung von Biosprit aus Lebensmitteln ( Mais, Soja usw) ist erlaubt ? Wir zahlen mit unseren Steuern dafür, dass afrikanische Kleinbauern verhungern und Kenia mit Schadstoffen verseucht wird.
3. Peking wird geschont - warum nur?
lostineu 20.09.2012
Es drängt sich also der Verdacht auf, dass die EU das Regime in Peking schonen möchte. Deutsche Exportinteressen (Deutschland ist das einzige EU-Land mit Handelsüberschuss) dürften dabei ebenso eine Rolle spielen wie die Hoffnung, dass China der kriselnden Eurozone beisteht und zum Beispiel Anleihen des Rettungsfonds ESM kauft. Womöglich möchte man es sich auch nicht gleichzeitig mit China und Russland verderben - denn das Verhältnis zwischen Brüssel und Moskau ist auf einem Tiefpunkt. http://lostineurope.posterous.com/moskau-schlagen-peking-schonen
4. Die Schenkelklopfer des Tages
Worldwatch 20.09.2012
Zitat: "... Im Vorfeld des Treffens bemühen sich Top-EU-Beamte nun um eine Entschärfung des Konflikts. Die Botschaft: Ein offener Handelsstreit mit China soll unbedingt vermieden werden. ..." "Top-EU-Beamte bemuehen sich ..." Also, danke Spon, der war klasse! Zwei super Witze in einer kleinen Dreiwortzeile. Aber, worauf ich hinaus wollte, wo sich die Lachmuskeln nun wieder etwas entspannen. Da signalisiert China den "EU&ro"-Krisenclowns in den self-made Desasterraeumen moegliche finanzielle Schuetzenhilfen, und der Kommoediantenstandel in Bruxel und den Hauptstadtkarnevalsvereinen mimen einen Handelsklimbim mit dem Glaeubiger. Wobei, auch das ein super Schenkelklopfer, falls "konfliktscharf" gestellt!
5. ich brauche die EU z.B. ...
alBab 20.09.2012
Zitat von Gerüchtsvollzieherund wofür? Der Bürger wird entmündigt und kurz- bis mittelfristig um sein Geld gebracht und im längst stattfindenden weltweiten Wirtschaftskrieg mit China soll "verhandelt" werden während China schon seit Jahren scharf schiesst. Ich plädiere für eine weisse Fahne mit durchkreuztem Euro als neue Europafahne.
und dies ob der Hoffnung auf weitere Exportüberschüsse für die Republik. Und damit Frank Asbeck weniger in den USA ausweitet und beschäftigt, dafür mehr wieder in Deutschland z.B. Ihre krude Entmündigungstheorie dürften Sie sich ersparen, wenn Sie etwas mehr von den Zusammenhängen verstünden und wüssten, dass es für Deutschland immer noch hervorragend läuft. Und China wird sich mittelfristig an die Spielregeln des europäischen Marktes halten. Zu ihrem Vorteil.
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