Vor Kurden-Referendum Iran hält Manöver an irakischer Grenze ab

Die Lage im Nahen Osten ist kurz vor dem Kurden-Referendum im Irak angespannt. Nach der Türkei führt auch Iran eine militärische Übung durch und hat seinen Luftraum für Zivilflüge in die Region geschlossen.

Iranisches Militär-Manöver (Archivbild)
DPA

Iranisches Militär-Manöver (Archivbild)


Am Montag wollen die Kurden im Irak über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Unmittelbar vor dem Referendum halten die iranischen Revolutionsgarden ein Militärmanöver in der Grenzregion ab. Das bestätigte General Mohammad Pakpour, Kommandant der Bodentruppen, auf der Homepage der Revolutionsgarden sowie im iranischen Staatsfernsehen.

"So Gott will, werden Artillerie, Panzerdivisionen, Drohnen und Kommandoeinheiten eine gut koordinierte Übung durchführen", sagte Pakpour. Auf dem veröffentlichten Filmmaterial wurden Explosionen und Rauchfahnen in der kurdischen Bergregion im Nordwesten von Iran gezeigt.

Zudem entsprach Teheran der Bitte der irakischen Zentralregierung, den Luftraum für Flüge in die Kurdengebiete im Irak zu schließen. Als Grund dafür wurden die "Unwirksamkeit unserer politischen Bemühungen und das Insistieren der kurdischen Machthaber, das Referendum durchzuführen" angegeben.

Die 56 Staaten umfassende Organisation für Islamische Zusammenarbeit äußerten ebenso Bedenken in Bezug auf die Abstimmung wie die USA, Saudi-Arabien und der Uno-Sicherheitsrat, der davor warnte, das Referendum könne eine "potenziell destabilisierende" Wirkung haben.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim bezeichnete die Abstimmung erneut als "illegal und ungültig". Auch die Türkei hält ein Manöver nahe der irakischen Grenze ab und hat die Militärpräsenz am Grenzübergang Habur verstärkt.

mmm/AP/dpa



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Seite 1
gersois 24.09.2017
1.
Da sind sie sich dann einig, die Machthaber in Irak, Iran und Türkei. Den Kurden wird kein eigener Staat zugebilligt. Und die UNO, die sonst ja das Selbstbestimmungsrecht der Völker anerkennt, verteidigt hier jene unsinnigen Staatsgrenzen, die Briten und Franzosen nach dem ersten Weltkrieg aus Willkür, Dummheit und kolonialem Größenwahn gezogen haben.
gelbesvomei 24.09.2017
2. Das sieht nicht gut aus ...
Die Kurden haben es wohl verpasst, sich mit den Russen (und/oder zu gegebener Zeit mit Assad) zu arrangieren. Nur diese Player hätten zumindest KEIN Interesse gehabt kurdische Autonomiebestrebungen abzuwürgen. Die Russen nicht, weil sie zusammen mit den Kurden überall in der Region "einen Fuß in der Tür" hätten und Assad wäre - zum richtigen Zeitpunkt, als er um seine (Rumpf-)Herrschaft noch bangen musste sicher auch für eine Waffenbrüderschaft im Gegenzug zu weitgehender Autonomie bereit gewesen - nun ist es es jedoch wohl zu spät. Assad sitzt auch so wieder fest genug im Sattel und muss keine Zugeständnisse machen und von den Russen kann man jetzt, auf den letzten Metern einer (unter den jetzigen Gegebenheiten) zum Scheitern verurteilten Mission wohl keine Unterstützung erwarten. Das war nicht strategisch gedacht. Und da kann man noch so tapfer kämpfen - am Schluss steht man wohl wieder mit leeren Händen da. Schade. Es ist halt wie im richtigen Leben: Die besten Geschäfte macht man oft mit den schlimmsten Schurken.
HeisseLuft 24.09.2017
3. Um mal diesen phantasievollen Post etwas zu ergänzen
Zitat von gelbesvomeiDie Kurden haben es wohl verpasst, sich mit den Russen (und/oder zu gegebener Zeit mit Assad) zu arrangieren. Nur diese Player hätten zumindest KEIN Interesse gehabt kurdische Autonomiebestrebungen abzuwürgen. Die Russen nicht, weil sie zusammen mit den Kurden überall in der Region "einen Fuß in der Tür" hätten und Assad wäre - zum richtigen Zeitpunkt, als er um seine (Rumpf-)Herrschaft noch bangen musste sicher auch für eine Waffenbrüderschaft im Gegenzug zu weitgehender Autonomie bereit gewesen - nun ist es es jedoch wohl zu spät. Assad sitzt auch so wieder fest genug im Sattel und muss keine Zugeständnisse machen und von den Russen kann man jetzt, auf den letzten Metern einer (unter den jetzigen Gegebenheiten) zum Scheitern verurteilten Mission wohl keine Unterstützung erwarten. Das war nicht strategisch gedacht. Und da kann man noch so tapfer kämpfen - am Schluss steht man wohl wieder mit leeren Händen da. Schade. Es ist halt wie im richtigen Leben: Die besten Geschäfte macht man oft mit den schlimmsten Schurken.
Also Erstens: hier stimmen die *Kurden im Irak ab*. Diese haben politisch herzlich wenig mit Kurden und SDF in Syrien zu tun. Zweitens: Assad hat daher hier nicht die Möglichkeit zu "helfen", selbst wenn er wollte. Drittens: YPG in Syrien hat mehrfach mit Assad zusammengewirkt - genau das wird ihnen erbittert von anderen syrischen Gruppen vorgehalten. Wobei diese sich an die eigene Nase fassen dürfen, denn sie hatten und haben selbst oft genug Kleinkriege mit den syrischen Kurden angefangen. Viertens: die SDF / YPG hat sich mit den Russen arrangiert. Es sind unter anderem russische Sicherungseinheiten, die in Nordsyrien auf SDF-Gebiet dieses gegn die türkische Einflusszone absichern. Fünftens: Die YPG wie die Barzani-Kurden wären allerdings sehr bescheuert, wenn sie nur auf Russland setzen würden. Die USA haben deutlich mehr Möglichkeiten und sind ein bewährter Verbündeter.
mimoun74 24.09.2017
4. Zu Kommentar 2
Schöner Beitrag nur geht es im Artikel um die Kurden im Irak und nicht in Syrien. Die Peschmerger folgen der Familien Barzani/Talabani und sind verfeindet mit der PKK und dem syrischen Ableger PYD/SDF. Bis auf Israel das immer auf Spaltung und Schwächung der islamischen Welt setzt, unterstützt kein wichtiger Staat in der Welt ein unabhängigen kurdischen Staat. Und da der IS so gut wie geschlagen sind braucht man die Kurden nicht mehr, im Gegenteil sie werden dann sogar bekämpft und ihre nun gehaltenen Gebiete wieder unter offizieller staatlicher Kontrolle der Irakischen oder syrischen Zentralregierung gestellt. Das wird nicht friedlich ablaufen. Also ist die Fortsetzung des Bürgerkriegs unabwendbar. Eine Autonomie ist das Maximum was die Kurden erreichen können, mehr wird von allen Nachbarn und den großen internationalen Playern nicht zugelassen. Vorher sollte Pälestina im Westjordanland und Gaza entstehen, aber dafür setzt sich die Linken hier im Westen auch nicht mehr ein.
Lua-Lua 24.09.2017
5. Deutsche Waffen
Militärisch gestärkt durch Tausende LKW schwerer Waffen aus Deutschland und den USA, Moralisch unterstützt von den selben Ländern wollen die Kurden die Grenzen im Nahen Osten verändern. Ob das gelingt werden wir sehen. Die Wahrscheinlichkeit ist wohl eher gering. Die Absicht der Christen wird wohl eher ausgehen, nämlich durch einen inner Moslemischen Konflikt Chaos zu generieren.
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