Aus Columbus, Ohio, berichtet Sebastian Fischer
Der Super Tuesday ist der Tag, an dem schon so mancher Kandidat den Durchbruch geschafft hat. Zum Beispiel der Republikaner John McCain im Jahr 2008. Oder der Tag, an dem schon viele ihre Hoffnungen begraben mussten. Wie Mitt Romney im selben Jahr. Oder der Tag, der in einem Patt endete - und das Rennen ging weiter. Wie beim Kampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama vor vier Jahren.
Wie auch immer: Super Tuesday heißt Super-Krimi. An diesem Dienstag entscheiden die Republikaner in insgesamt zehn US-Staaten über ihren Präsidentschaftskandidaten. Was noch vor zwei Monaten als leichtes Spiel für den moderaten Multimillionär Mitt Romney galt, hat sich zur schier unberechenbaren Auseinandersetzung entwickelt. Der Erzkonservative Rick Santorum ist Romney auf den Fersen, Urgestein Newt Gingrich hofft auf neuen Aufwind und der Radikalliberale Ron Paul macht eh immer weiter.
An einem einzigen Tag 20 Prozent der Delegierten zu vergeben
Ihre Hoffnungen sind jetzt auf den Super Tuesday gerichtet. Die zehn Vorwahl-Staaten bilden einen Querschnitt der USA: von Alaska bis Georgia im Süden; von Vermont im Nordosten bis Idaho im Nordwesten. Es ist eine Präsidentenwahl im Kleinen: die Zehn Staaten von Amerika.
Besondere Bedeutung hat Ohio, der Industriestaat im Mittleren Westen. Denn dort sind mit 66 nicht nur besonders viele Delegiertenstimmen zu vergeben, sondern Ohio gilt als Swing State bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst: Unklar, ob er am Ende Demokraten oder Republikanern zuneigt. Im Jahr 2008 votierte eine knappe Mehrheit für Barack Obama, 2000 und 2004 siegte noch der Republikaner George W. Bush.
In Ohio werden Präsidenten gemacht. Ein Sieg in der republikanischen Primary am Dienstag wäre daher ein klares Signal für den Herbst: Dieser Kandidat kann Ohio gewinnen.
Es ist ein entsprechend harter Kampf, den sich Romney und Santorum hier liefern. Beide haben Ohio zum Wahlkampfschwerpunkt erkoren, beide sind hier schon seit Tagen rastlos unterwegs, beide liegen sie in Umfragen Kopf an Kopf. Das Rennen ist völlig offen. Gingrich und Paul indes liegen abgeschlagen hinten. Von der Sozialstruktur her ähnelt Ohio Romneys Geburtsstaat Michigan, den er in der vergangenen Woche mit einem Drei-Prozentpunkte-Vorsprung auf Santorum gerade so gewinnen konnte: Auto-, Maschinenbau- und Gummi-Industrie, viele Arbeiter. Anders als dem Multimillionär Romney gelingt es Santorum stets besser, eine Verbindung zu den sogenannten kleinen Leuten herzustellen.
Caucus-Staaten sind Pauls Chance
Die meisten Delegierten am Super Tuesday hat mit 76 Stimmen Georgia zu vergeben. Newt Gingrich gilt hier als der Favorit, von 1979 bis 1999 hat er den Südstaat im US-Repräsentantenhaus vertreten. Einer letzten Umfrage zufolge liegt er mit 38 Prozent vor Romney (24) und Santorum (22). Dennoch ist ein Gingrich-Sieg in Georgia alles andere als ausgemacht, Santorum könnte Gingrich beim Kampf um die Rechtsaußen-Wähler der Tea-Party und die Evangelikalen massiv Konkurrenz machen, den konservativen Stimmenanteil spalten - und Romney damit eine Chance bescheren. Sollte aber Gingrich Georgia nicht gewinnen, stünde seine Kampagne vor dem Aus: "Es ist außerordentlich wichtig, den Heimatstaat zu gewinnen", sagt er selbst.
Polit-Opa Ron Paul wartet noch immer auf seinen ersten Sieg, am Samstag im Westküstenstaat Washington hat es wieder nicht gereicht. Am Super Tuesday setzt er auf jene drei Staaten, die im Caucus-Verfahren wählen: Alaska, Idaho und North Dakota. Anders als bei den Primaries, die als geheime Wahlgänge ablaufen, diskutieren die wahlberechtigten Bürger beim Caucus offen und stimmen am Ende per Hand über die Kandidaten ab. Die Beteiligung ist tendenziell geringer. Das könnte Paul, der auf die engagiertesten Anhänger zurückgreifen kann, zugutekommen.
Dann gibt es jene Staaten, in denen Romney gewissermaßen auf einen Sieg verpflichtet ist. Staaten, in denen keiner seiner Rivalen ernsthaft Wahlkampf getrieben hat. Hier darf Romney auf gar keinen Fall verlieren: Im liberalen Massachusetts hat er von 2002 bis 2007 als Gouverneur regiert, seine Familie lebt in dem kleinen aber feinen Ostküstenstaat. In Vermont liegt Romney derzeit nicht gar so deutlich vorn: Mitte Februar haben sich 34 Prozent der befragten Republikaner für ihn ausgesprochen, 27 Prozent für Rick Santorum.
In Virginia ergibt sich am Super Tuesday die etwas skurrile Situation, dass nur zwei Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen: Romney und Paul. Die anderen haben die Voraussetzungen nicht erfüllen können, alle Proteste halfen nichts. In einer NBC-Umfrage kommt Romney auf 69 Prozent, während Paul abgeschlagen mit 26 Prozent folgt. Bleiben noch die Südstaaten Oklahoma und Tennesse. Beide Staaten gelten zwar als tendenziell konservativ, doch ist hier ein Sieger nur schwer vorherzusagen.
Und spätestens am Mittwoch wird sich dann die Frage stellen, ob einer der Bewerber aufgibt. Anfängliche Durchhalteparolen sollten dabei nicht sonderlich ernst genommen werden. Zum Beispiel Sätze wie diese: "Wir kämpfen weiter. Wir werden das Ding gewinnen." Das ist O-Ton Mitt Romney direkt nach seiner Super-Tuesday-Pleite im Februar 2008. Nur zwei Tage später stieg er damals aus dem Rennen aus.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass am Super Tuesday 40 Prozent der Delegiertenstimmen zu vergeben sind. Tatsächlich sind es 400 von insgesamt 2286 Stimmen - knapp 20 Prozent. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.
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