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Vorwahlen der US-Republikaner: Gingrich zwingt Romney in den Zweikampf

Aus South Carolina berichten und

Es ist ein Triumph für Newt Gingrich: Er gewinnt die republikanischen Vorwahlen in South Carolina, lässt Favorit Romney mehr als 12 Prozentpunkte hinter sich. Plötzlich ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur völlig offen. Es könnte ein langer Zweikampf werden.

REUTERS

Beinahe kommt es in allerletzter Minute noch zum ungeplanten Showdown. Zum potentiellen Zusammenstoß, auf unsicherem Terrain, fernab der TV-Studios und Debattenhallen.

Dieses Territorium ist "Tommy's Country Ham House", ein Coffeeshop in Greenville, South Carolina. Kein Kandidat kommt daran vorbei, der Laden ist ein Wallfahrtsort für Wahlkämpfer. "Der Weg ins Weiße Haus", weiß die Lokalpostille "Taylors-Wade Hampton Patch", "führt durchs Ham House." Das wissen auch Newt Gingrich und Mitt Romney. Also sorgen sie dafür, dass sie "Tommy's" am Samstag schnell noch besuchen, Stunden nur vor Schließung der Wahllokale.

Dummerweise haben ihre Vorhuttruppen dafür die identische Uhrzeit avisiert: 10.45 Uhr.

Und so drängen sich bei "Tommy's" Hunderte Anhänger beider Seiten und scheinbar ebenso viele Reporter, in froher Erwartung eines Eklats zwischen den Rivalen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. "We want Mitt!", skandieren die einen. "Newt! Newt!", brüllen die anderen. High Noon im Ham House.

Wo ist Mitt?

Doch Romney macht einen Rückzieher. Er erscheint schon um 10 Uhr, hält eine fahrige Rede ohne Mikrofon, die keiner hören kann, und verschwindet dann schnell wieder, um Gingrich ja nicht über den Weg zu laufen. Der kommt um Punkt 10.45 Uhr, schnappt sich das Mikrofon und fragt frech: "Wo ist Mitt?" Wo ist Mitt? Diese Frage stellen sich bald auch noch andere. Die Szene im Ham House ist nicht nur bezeichnend für diese Vorwahl, bei der in den letzten Tagen nichts lief, wie es eigentlich laufen sollte. Sie ist vor allem auch ein Omen für das Ergebnis am Samstagabend.

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US-Vorwahlen: Triumph für den Rechtsaußen
Als die Wahllokale schließen, brauchen die TV-Networks nur Sekunden, um den Ex-Sprecher des US-Repräsentantenhauses zum Gewinner der Vorwahl von South Carolina auszurufen. Nichts ist unmöglich: Der Bibelstaat erhebt den seitenspringenden, doppelt geschiedenen, demagogischen Rebell Gingrich zum Sieger über den aalglatten Multi-Millionär Romney. Je länger die Nacht dauert, desto klarer wird das. Am Ende hängt Gingrich den Rivalen mit rund 40 zu 28 Prozent ab - ein vernichtender Schlag der Rechtsaußen-Basis gegen die Romney-treue Parteispitze.

Langer Weg statt Durchmarsch

Drei Staaten, drei Sieger: Rick Santorum (Iowa), Mitt Romney (New Hampshire), Newt Gingrich (South Carolina). Plötzlich ist wieder alles offen. Dabei sollte es ein Durchmarsch für Romney werden, so hatten es sich zumindest dessen Strategen erhofft. Den Kontrahenten sollte noch vor Florida - Vorwahl am 31. Januar - die Puste ausgehen. Daraus ist nichts geworden. "Wir haben einen laaaangen Weg vor uns", sagt nun ein reichlich zerknitterter Romney.

Gingrich dagegen: im Rampenlicht. Ein Mann, der im Sommer schon abgeschrieben schien, dessen Wahlkampfteam implodierte. Der sich im Herbst zurückarbeitete, bis an die Spitze. Und kurz vor dem Iowa-Caucus erneut zerlegt wurde - unter anderem durch die Kampagne eines Romney ergebenen "Super-PAC's", einer mächtigen Spendergruppe.

Doch in South Carolina haben die Basis-Fundamentalisten dem Partei-Establishment eine schallende Ohrfeige verpasst: Sie wollen Romney nicht. Was sie wollen, ist einer, der auf den Putz haut, poltert - und Rechtsaußen nicht scheut. Wie Gingrich denn vorhabe, "Obama die Nase blutig zu schlagen", erkundigte sich ein Wähler am Mittwoch beim Kandidaten. "Ich will nicht seine Nase blutig schlagen", antwortete Gingrich, ohne die Miene zu verziehen. "Ich will ihn K.o. schlagen."

Gingrich spricht niedere Instinkte an. Er keilt gegen Medien, wenn kritische Fragen gestellt werden, und gegen die "Eliten in Washington und New York". Er dämonisiert Arme. Er flirtet mit Rassismus. Er sendet Codewörter nach rechts. Schwarze sollten sich um Jobs kümmern statt um Essensmarken, sagt er. Darin steckt untergründig viel, das er gar nicht erst aussprechen muss - und das die Vorurteile so vieler Weißer bestätigt.

"Jetzt ziehen wir nach Florida"

"Ich artikuliere", triumphiert er in seiner Siegesrede am Samstagabend, "die tiefsten Werte des amerikanischen Volks." MSNBC-Moderator Chris Matthews sagt: "Er trifft alle erogenen Zonen." Gingrich ist die Sarah Palin von 2012 - nur zungenfertiger und belesener. Sein Publikum reagiert genauso, wie auch Palins Publikum reagierte, bis hin zu den patriotischen Sprechchören: "USA! USA! USA!" Das ist die Stimmung bei Gingrichs Anhängern am Samstagabend, in einem Hotel-Ballsaal in South Carolinas Hauptstadt Columbia.

"Dies ist der wichtigste Wahlkampf zu unseren Lebzeiten", deklamiert Gingrich, ein alle vier Jahre beliebter Mobilisierungsslogan, mit dem auch Palin 2008 die Massen aufpeitschte. "Jetzt ziehen wir nach Florida - und darüber hinaus." Dieses Szenario wollte Mitt Romney vermeiden. Unbedingt. Trotzdem muss er sich an diesem Abend auf seiner Wahlparty mühen, wie ein Sieger zu reden. Eine "großartige Nacht" sei das, sagt er, "danke, vielen Dank". Seine Worte suchen die bitterböse Schlappe zu verdecken, doch in seinem Gesicht zeichnet sie sich unbarmherzig ab: Tiefe Augenringe, aufgesetztes Lächeln. Seine Leute animieren die Anhänger jetzt zu einer La-Ola-Welle.

Es ist ein tiefer Fall. Vor wenigen Tagen noch lag der als moderat geltende Ex-Massachusetts-Gouverneur zweistellig vor Gingrich. Jetzt ist es genau umgekehrt. Romney ist daran nicht unschuldig. Bei zwei TV-Debatten in South Carolina ist er aus der Spur geraten. Er verhedderte sich in der Diskussion um seine Einkommensverhältnisse, die er erst im April offenlegen will; er geriet zunehmend in die Defensive wegen seiner Vergangenheit bei der Investmentfirma Bain Capital. Gingrich ist es, der Romney in dieser Sache seit zwei Wochen vor sich hertreibt. Und Romney lässt sich treiben.

Romney knöpft sich Gingrich vor

Die Quittung hat er jetzt bekommen. Wie groß der Ärger des einst so siegessicheren Mannes ist, zeigt sich, nachdem er seine Niederlage in dem Südstaat eingestanden hat. Romney knöpft sich Gingrich vor. Er tut das, indem er ihn auf eine Stufe mit Präsident Obama stellt - die Höchststrafe für Republikaner.

Obama habe weder Erfahrung in der Geschäftswelt noch in einem US-Staat, sagt also Romney, der Geschäftsmann und Ex-Gouverneur. "Und unsere Partei kann nicht zum Sieg geführt werden von einem, der ebenfalls keine Erfahrung hat in Business und Staat." Obama habe die Nation gespalten, führe einen Klassenkrieg und attackiere den freien Markt. "Wir können diesen Präsidenten nicht schlagen mit einem, der bei diesem Anschlag auf das freie Unternehmertum mitgewirkt hat." Das geht voll gegen Gingrich. Wer seinen Erfolg als Geschäftsmann attackiere, sagt Romney, der attackiere die Träume der Menschen auf eine bessere Zukunft.

Als Romney durch ist mit seiner Rede in Columbia, drehen sie bei Gingrich um die Ecke die Musik auf. "Another One Bites the Dust" von Queen schallt durch den stickigen Raum - zu Deutsch: Der nächste beißt ins Gras. Leicht denkbar, gegen wen wiederum das jetzt geht.

Jedenfalls nicht gegen Rick Santorum. Der Hardcore-Katholik, der sich mit Gingrich einen Kampf um die Stimmen der Konservativen in South Carolina geliefert hat und nun mit 17 Prozent vor Ron Paul gelandet ist, wird auf der Wahlparty des Siegers mit ausschließlich freundlichen Worten bedacht: Santorum habe "enorme Courage" gezeigt, lobt Gingrich. "VP! VP!", rufen da die Leute. VP steht für Vizepräsident, für ein Team Gingrich-Santorum gegen Obama und Vize Joe Biden. Soweit aber ist es noch lange nicht.

Klar ist seit Samstagabend nur: Die US-Vorwahlen haben sich zum Zweikampf gewandelt. Romney oder Gingrich - das ist jetzt die Frage. Santorum kann Gingrich die Rolle des Anti-Romney kaum mehr streitig machen. Einen Beleg dafür liefern in South Carolina ausgerechnet die Evangelikalen, deren über hundert diverse Anführer Santorum kurz vor der Wahl noch wärmstens empfohlen hatten. Gewirkt hat das nicht. Santorum holt in dieser Gruppe nur knapp 20, Gingrich aber gut 40 Prozent.

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1.
bullybeats 22.01.2012
Zitat von sysopEs ist ein Triumph für Newt Gingrich: Er gewinnt die republikanischen Vorwahlen in South Carolina, lässt Favorit Romney mehr als 12 Prozentpunkte hinter sich. Plötzlich ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur völlig offen. Es könnte ein langer Zweikampf werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810608,00.html
Mich schauert es bei dem Gedanken dass eine dieser Gestalten tatsaechlich unser naechster Praesident werden koennte.
2. Völlig offen? Nein.
Stelzi 22.01.2012
Gingrich hat eigentlich nur Glück, ass die einfältigen GOPler in SC ihm noch etwas Aufschub gewähren. So oder so, Mr. Bigotry hätte nie auch nur den Hauch einer Chance gegen Obama. Da sind zu viele Skandale die ihm nachhängen. Romney würde zwar über seine finanziellen Vergangenheitn und Gegenwart stolpern, sowie seine Wankelmütigkeit, aber zumindest hat er Geld und ist nicht in erster Linie auf Spenden angewiesen. Schon das wird ein Problem für Gingrich sein, wie es schon bis zum jetzigen Zeitpunkt eines war: diesen arroganten Heuchler mögen einfach nicht genug Leute um an ihn ihr Geld zu verschwenden.
3. "Nur weiter so ihr Republikaner"
116 22.01.2012
Zitat von bullybeatsMich schauert es bei dem Gedanken dass eine dieser Gestalten tatsaechlich unser naechster Praesident werden koennte.
Sollen sich die unsäglichen Republikaner nur selbst dezimieren. Dann kann Herr Obama beruhigt in die Wahl gehen. Mir wird angst und bange, wenn ich mir vorstelle, dass ein so - leider- einflussreiches Land von einem der zur Disposition stehenden republikanischen Blindgänger regiert wird. Was erwartet der Amerikaner eigentlich? Jahrelange verheerende Bushregierung. Was der Mann verzapft hat, ist nicht in 4 Jahren wieder gutzumachen. Und ohne finanzielle Einschnitte und Abstriche kommt kein Land aus einer Krise. Ich hoffe, Herr Obama bekommt weitere 4 Jahre Zeit, das Land auf einen guten Weg zu bringen.
4. .
nanama 22.01.2012
Hmm...wieso lese ich eigentlich nicht Walker Bush, oder Leroy Gingrich, oder John Sanctorum oder Ernest Paul bei Ihren Beitraegen? Oder moegen Sie nur die Zweitnamen von Romney und Obama? Apropos, vielen Dank fuer Ihre Beitraege, die sind immer wieder fuer einen Lacher gut.
5. danke newt!
jokra 22.01.2012
das mr. gingrich gewonnen hat ist eine sehr gute nachricht, da das wichtigste bei den derzeitigen vorwahlen ist das romney nicht kandidat der republikaner wird. bei ihm ist die gefahr eben doch zu groß das sehr weit "in der mitte"(rechts) stehende unzufriedene liberale auf ihn hereinfallen könnten. diese gefahr sehe ich bei den "oldschool-libertären" gingrich, paul und santorum als kandidaten nicht. unter dem gesichtspunkt das die occupy-bewegung die obama administration hoffentlich weiter in die richtige richtung(nämlich nach links) drängt, könnte man für die zweite amtszeit obamas tatsächlich hoffnung auf besserung haben...
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Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.

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