Vorwahlen in Amerika: Romney siegt im Klassenkampf

Aus New Hampshire berichten und

Mitt Romney feiert seinen zweiten Sieg. Der Anwärter auf die US-Präsidentschaft hat nach Iowa auch die Republikaner-Vorwahlen in New Hampshire für sich entschieden. Seine Konkurrenten hoffen jetzt auf das konservativere South Carolina. Es ist wohl ihre letzte Chance.

Amerika wacht mit einem verärgerten Sieger auf. Dabei hat Mitt Romney am Vorabend bei den Vorwahlen gut 16 Prozentpunkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Ron Paul herausgeholt. Er hat damit jenes Ergebnis überboten, das John McCain, der republikanische Sieger von 2008, erreicht hatte. Ja, Romney ist sogar der erste Republikaner seit 1976, der sowohl im konservativen Iowa als auch im liberaleren New Hampshire siegen konnte.

Und doch ist da dieser Ärger.

Es ist der Ärger über seine Kontrahenten, der seine Siegesrede überschattet. Präsident Barack Obama, sagt Romney, klage das freie Unternehmertum an. Und in den letzten Tagen hätten sich dem Amtsinhaber "einige verzweifelte Republikaner" an die Seite gestellt. "Das ist ein großer Fehler für unsere Partei und unsere Nation", sagt Romney. "Buh", rufen seine Anhänger auf der Wahlparty in Manchester, New Hampshire.

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Vorwahlen in New Hampshire: Romneys zweiter Sieg
Der Verweis gilt Newt Gingrich, Jon Huntsman und Rick Perry. Diese drei haben Romney in den letzten 48 Stunden massiv attackiert wegen seiner Vergangenheit bei der Investmentfirma Bain Capital. "Aasgeier" seien Firmen wie Bain, sagte Perry. Huntsman bemerkte, ihm selbst jedenfalls mache es mehr Spaß, Jobs zu schaffen als zu vernichten. Und Gingrich unterstellte Romneys Ex-Firma Perversion des Kapitalismus. Es herrscht Klassenkampf unter Republikanern.

Romneys jahrelanger Feldzug

Hinzu kommt: Plötzlich pumpen Anti-Romney-Republikaner, darunter ein Casino-Mogul, Gingrichs Kampagne auf. Für die Schlacht in South Carolina, wo am 21. Januar abgestimmt wird, steht eine formell unabhängige Spendergruppe namens "Winning our Future" mit 3,4 Millionen Dollar bereit, um Spitzenreiter Romney mit TV-Spots und einem eigens produzierten 27-Minuten-Film über seine Vergangenheit als vermeintlich herzlosem Investment-Hai zu attackieren. Starker Polit-Tobak.

All das hat Romney bereits geschadet. Ohne Frage. Lag er bis vor einigen Tagen in Umfragen noch 30 Prozentpunkte vor seinen Kontrahenten, so ist der Vorsprung nun auf die Hälfte zusammengeschmolzen. Ausgerechnet hier in New Hampshire, wo er ein Ferienhaus hat; und in dessen Nachbarstaat Massachusetts er einst als Gouverneur regierte. Wahrlich, die republikanische Basis liegt ihm nicht zu Füßen - dabei bewirbt sich Romney nach 2008 bereits zum zweiten Mal als Präsidentschaftskandidat.

Keine Leichtigkeit, nirgends. Romney erinnere vielmehr an Hannibals jahrelangen Feldzug gegen Rom, kommentiert die "New York Times".

Dennoch: Gingrich und Co. werden den Mann nicht stoppen können. In New Hampshire wollten sie ihm den Schwung nehmen, um ihn im konservativeren South Carolina aufzuhalten. Pustekuchen. Rick Santorum, Darling der Erzkonservativen und Shooting-Star von Iowa, ist vorerst die Luft ausgegangen. Sowohl er als auch Gingrich kommen nur auf jeweils knapp unter zehn Prozent der Stimmen. Unklar ist, welcher der beiden das konservative Lager jetzt anführt.

"Wer ist Obamas Boy? Jonny!"

Anders ist die Gefühlslage bei Ron Paul und Jon Huntsman. Während sich der radikal-liberale Polit-Opa Paul von kreischenden Anhängern ("Ron-Paul-Revolution!") für seinen zweiten Platz feiern lässt - den er auch der Tatsache zu verdanken hat, dass in New Hampshire nicht nur registrierte Republikaner, sondern zudem unabhängige Wähler über deren Kandidaten abstimmen dürfen - tritt Huntsman in einer Art Westernbar auf.

Dort fließen Guinness und jede Menge Wein. Als Huntsman die enge Lokalität in der Innenstadt von Manchester buchte, hat er offenbar kaum damit gerechnet, an diesem Abend so gut abzuschneiden. Schließlich dümpelte er stets ganz am Ende des Bewerberfelds. Jetzt aber hat er rund 17 Prozent eingefahren, ein Achtungserfolg für Obamas Ex-Botschafter in China.

Die Sensation aber ist ihm nicht geglückt: Das wäre der Überraschungssieg in diesem Neuengland-Staat gewesen, den er seit Monaten beackert hat wie keiner seiner Konkurrenten. "Ladies and Gentlemen", ruft Huntsman dennoch, "ich glaube, wir sind auf der Jagd." Er sagt "in the hunt", eine Anspielung auf seinen Nachnamen - Jon, der Jäger. "Ich würde sagen, ein dritter Platz ist ein Fahrschein. Hallo, South Carolina!"

Trotz alledem: Weder Paul noch Huntsman werden eine Chance haben, Romney von der Präsidentschaftskandidatur abzuhalten. Allein, sie können die Entscheidung hinauszögern. Pauls Anhängerschaft ist zwar laut, aber begrenzt. Und Huntsman hat weder die Organisation noch die Finanzen, um gegen Romney und dessen Hochglanz-Kampagne durchhalten zu können. Als sich Huntsman am Dienstagmittag vor einem Wahllokal in Manchester zeigt, umringen den Aufsteiger zwar unzählige Kamerateams und Anhänger, doch auch Romney hat seine Leute losgeschickt: "Wer ist Obamas Boy? Jonny!", skandieren sie wieder und wieder in Anspielung auf Huntsmans Zeit als Botschafter. "Das Land zuerst!", halten die Huntsman-Fans dagegen.

Hoffen auf South Carolina

Besonders bitter ist der Wahlabend für die Rechtsaußen-Kandidaten. Dass Santorum und Gingrich auch gemeinsam auf nur rund 20 Prozent kommen, dürfte jene Sozialkonservativen in den Reihen der Republikaner besorgen, die seit Monaten nach dem Anti-Romney suchen. So herrscht auf Santorums Wahlparty Tristesse. Nur wenige Anhänger sind gekommen, Chicken Wings und Ketchup am Buffet können sich die Reporter untereinander aufteilen. Weil man hier CNN ausgerechnet auf eine Großleinwand direkt hinter das für Santorum vorbereitete Rednerpult projiziert, erscheint Sieger Romney live und in übermenschlicher Größe auf Santorums Wahlparty und hinter dessen Pult - lange bevor der Gastgeber selbst auftaucht.

Aber Santorum will nicht aufgeben: "Wir gehen jetzt nach South Carolina", ruft er am späten Abend in den Saal. Ein paar Kilometer weiter sagt auch Gingrich: "Diese Kampagne wird weitergehen in South Carolina." Die beiden Kandidaten liegen laut Umfragen in dem Südstaat bei jeweils gut 20 Prozent, Romney bei über 30 Prozent.

Und Rick Perry, der Texas-Gouverneur? Er kommt schließlich nicht mal auf ein Prozent der Stimmen in New Hampshire. Eine Wahlparty hat er sich gleich ganz gespart, stattdessen tourt er bereits durch South Carolina.

Denn dieser Staat, sagt Perry, "macht Präsidenten". Also auf nach South Carolina.

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insgesamt 31 Beiträge
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1.
ryul 11.01.2012
Zitat von sysopMitt Romney ist der Sieger, aber kein Überflieger.*Der Anwärter auf die US-Präsidentschaft*hat nach Iowa auch die Republikaner-Vorwahlen in New Hampshire für sich entschieden. Seine Konkurrenten hoffen jetzt auf das konservativere South Carolina. Es ist wohl ihre letzte Chance. Vorwahlen in Amerika: Romney siegt im Klassenkampf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808406,00.html)
Na da freut sich aber unser liebes Hetzblatt SPON aber, was? Romney wird hier hochgejubelt, als wenn er der neue Obama wäre.
2. Hyänen
micha-mille 11.01.2012
Sollen sie sich mal alle gegenseitig zerfleischen. Prima. :-) Wenn die Reste weggekehrt sind, haben es die Demokraten hoffentlich leichter.
3. .
h.hass 11.01.2012
Na super: Die Wall Street will den Präsidenten stellen. Wessen Interessen wird der wohl vertreten? Wenn die Amis so jemanden zum Präsi wählen, dann schaufeln sie sich ihr eigenes Grab.
4. .........
DasReptil 11.01.2012
Zitat von ryulNa da freut sich aber unser liebes Hetzblatt SPON aber, was? Romney wird hier hochgejubelt, als wenn er der neue Obama wäre.
Ist er ja im Prinzip auch. Beide sind stramme Neocons und haben im Prinzip die selbe politische Agenda, an schaue sich nur mal Romneycare, den Vorläufer bzw. Iddengeber von Obamacare an.
5. ...
cato. 11.01.2012
Zitat von h.hassNa super: Die Wall Street will den Präsidenten stellen. Wessen Interessen wird der wohl vertreten? Wenn die Amis so jemanden zum Präsi wählen, dann schaufeln sie sich ihr eigenes Grab.
Die Wall Street stellt bereits den Präsidenten und wird wohl dieses Mal wieder Obama unterstützen ...
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Republikanische Präsidentschaftsbewerber

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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