TV-Debatte der US-Republikaner "Böse Typen" und "Lügner"

Vor den Vorwahlen in South Carolina werden die Attacken unter den Kontrahenten der Republikaner schärfer. Eine TV-Debatte war geprägt von Beleidigungen, allen voran Donald Trump teilte gegen seine Mitstreiter aus.

Donald Trump in Greenville: Buhrufe aus dem Publikum
REUTERS

Donald Trump in Greenville: Buhrufe aus dem Publikum


Die republikanischen Präsidentschaftsanwärter haben sich in ihrer neunten TV-Debatte am Samstag den bislang härtesten Schlagabtausch geliefert. In Greenville, South Carolina, attackierte der umstrittene Milliardär Donald Trump vor allem seinen Kontrahenten Jeb Bush und dessen Bruder George W. Bush. Dessen Irakkrieg sei "ein dicker, fetter Fehler" gewesen, rief Trump.

Jeb Bush konterte: "Während Donald Trump eine Reality-TV-Show schuf, baute mein Bruder einen Sicherheitsapparat auf, um uns alle zu schützen." Doch Trump keilte zurück: "Das World Trade Center stürzte während der Regentschaft Ihres Bruders ein. Erinnern Sie sich daran." Jeb Bush warf Trump daraufhin vor, er beziehe seine außenpolitischen Kenntnisse "aus dem Fernsehen". Das Publikum buhte Trump immer wieder aus, die Bushs sind in South Carolina populär. In einer Woche finden hier die Vorwahlen statt.

"Böser Typ"

Bisher konnte Jeb Bush kaum punkten, ihm galten bei der Debatte am Samstag die meisten Attacken Trumps. Am Montag will George W. Bush seinem Bruder Jeb erstmals öffentlich Schützenhilfe in dessen Wahlkampf geben.

Trump führt in Umfragen die Riege der republikanischen Anwärter an, zuletzt hatte er die Vorwahl in New Hampshire gewonnen. Das scheint sein ohnehin sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein noch weiter aufzublähen: Er zeigte sich in der Debatte enorm angriffslustig. Er unterbrach seine Kontrahenten häufig und nannte sie immer wieder "Lügner", Ted Cruz gar als "schlimmsten aller Lügner" und "bösen Typen". Bei vielen Beobachtern dürfte nach der Debatte die Skepsis nicht kleiner geworden sein, ob Trump mit diesem Temperament als Präsident geeignet ist.

"Ich glaube, wir verlieren so die Wahl"

Die Mitbewerber hatten mit Trumps verbalen Sturm zu kämpfen - und nicht nur sie: Die Debatte entglitt den Moderatoren immer wieder. "Donald, die Erwachsenen lernen, dass man sich nicht unterbrechen soll", suchte sich Ted Cruz zu wehren. Auch Marco Rubio attackierte Trump gelegentlich. John Kasich, Gouverneur in Ohio, rief die Runde dazu auf, sich zu beruhigen. "Ich glaube, wir verlieren so die Wahl an Hillary Clinton."

Bush kritisierte seinerseits Trump, der gesagt hatte, Russland müsse in Syrien eine Rolle spielen. Russland, sagte Bush, attackiere nicht den "Islamischen Staat", sondern helfe dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad.

Zu Trumps Tiraden gegen seinen Bruder sagte Jeb: "Ich habe es satt, dass er es auf meine Familie abgesehen hat." Später provozierte Bush Trump, der besser nicht damit herumprahlen solle, dass er viermal bankrott gegangen war. "Eine weitere Lüge", konterte Trump. "Ich war niemals bankrott."

bim/AP/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 70 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 14.02.2016
1. Je haerter...
....desto beliebter wird Trump beim Waehler. Der US Waehler hat die Nase voll, von den weichgespuelten political correctness Typen...deshalb hat Jeb Bush wohl keine Chance....sollte dann bei den Demokraten auch noch Sanders Kandidat werden...wird der naechste Prasident wohl Trump heissen...wie so oft wird es dann nicht so schlimm kommen wie viele glauben....Hunde die bellen beissen meist nicht...Herr Trump wird sich im Amt maessigen und wer weiss...vielleicht sogar Dinge anstossen die unter Obama und Co. nicht moeglich waren. Der rausgekehrte Rassismus wird schnell abflauen...das ist nur Wahlkampftaktik...
bombobabier 14.02.2016
2.
Als Immobilientycoon und Multimilliardär muss Trump soviel Dreck am Stecken haben, dass vom Stecken überhaupt nichts mehr zu sehen ist. Erstaunlich, warum er geschont wird. Allein seine Weiberaffären würden jeden anderen Kandidaten weit im Vorfeld der Wahlen zu Fall bringen. Trump zeigt, dass bedingungsloser Angriff die beste Verteidigung ist. Seine Gegener kommen gar nicht dazu, selbst anzugreifen, weil sie sich unter Trumps Trommelfeuer wegducken müssen. Insgeheim lieben Amerikaner solche Männer. Die Gefahr, dass Trump tatsächlich Präsident wird, wächst.
klyton68 14.02.2016
3. George W will Schützenhilfe geben?
Dann darf Jeb Bush sich schon mal verabschieden. Na immerhin populär in South Carolina. Die Stimmen des Ku Klux Klan dort sollten sicher sein. Als Beobachter kann man sich über die Amerikaner und ihre Republikaner nur wundern. Aber ich wunder mich auch über D.
rainer60 14.02.2016
4. trump wahrheiten
trump war natuerlich noch nie persoenlich bankrott. er laesst allerdings regelmaessig firmen die ihm gehoeren bankrott gehen zum Nachteile derer die fuer ihn gearbeitet oder geliefert haben.
Spiegelleserin57 14.02.2016
5. Da zeigt sich der wahre Charakter!
Schlammschlachten gehören zum amerikanischen Wahlkampf dazu. Es stellt sich die Frage ob der Wähler von so einem Kandidaten später in der Welt repräsentiert werden will. Man wird sich in der Welt schon an die Beleidigungen erinnern. Daran sollten die Kandidaten denken .Sie sind nicht alleine auf der Welt und eine Vormachtstellung steht wohl auch in Frage!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.