Vorwahlen in Wisconsin und Hawaii Obama holt zehnten Sieg in Folge - Clinton-Wähler laufen über

Zehn zu null: Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat auch die Vorwahlen in Wisconsin und Hawaii mit großem Vorsprung gewonnen. Besonders bitter für Clinton: Ihre Stammwähler - Frauen und Gewerkschafter - laufen zu Obama über.


Washington - Hillary Clinton hat vergeblich versucht, die Siegesserie ihres Rivalen Barack Obama zu stoppen: Obama schlug Clinton im Bundesstaat Wisconsin überraschend klar mit einem Vorsprung von mehr als fünfzehn Prozentpunkten. Auch in Hawaii setzte sich Obama spektakulär durch: Prognosen des Fernsehsenders CNN zufolge liegt Obama mit 74 Prozent der Stimmen deutlich vor Clinton, die nur 26 Prozent der Stimmen erhielt. Der Senator hatte bereits alle acht Vorwahlen der vergangenen zwei Wochen für sich entschieden.

Demokrat Obama: "Jetzt hat es Clinton schwer."
REUTERS

Demokrat Obama: "Jetzt hat es Clinton schwer."

In Wisconsin errang Obama 58 Prozent der Stimmen, die Ex-First-Lady Clinton lediglich 41 Prozent. Der Sieg Obamas in Wisconsin ist nach Ansicht von Wahlexperten besonders bemerkenswert, da im Mittelwest-Staat Wisconsin das Wählerklientel Clintons vorherrscht. "Hier leben viele weiße Arbeiter, die nicht viel verdienen und es gibt nur wenig Schwarze", meinte ein Kommentator im US-Fernsehen. "Jetzt hat es Clinton sehr schwer".

Obamas Vorwahl-Siege in Wisconsin und Hawaii waren Nummer neun und zehn in Folge. Davon hatte er in Lousiana, Nebraska, Washington, Maine, im District of Columbia (Hauptstadt Washington D.C), Maryland, Virginia und Missouri gewonnen. Ihre bisher wichtigsten Siege errang Hillary Clinton am 5. Februar, als sie sich in New York und Kalifornien gegen Obama durchsetzte.

In Wisconsin gelang es Obama, auch in diejenigen Wählergruppen einzudringen, die bislang Clinton bevorzugt hatten. So erhielt er nach Ergebnissen von Wählernachfragen mehr Stimmen der weißen Wähler als Clinton. Bei den Frauen konnte er mit seiner Rivalin gleichziehen.

Der Sieg im Bundesstaat Hawaii kam nicht überraschend: Für Obama war die Wahl im Inselstaat ein Heimspiel; er ist dort geboren. Obama hat bislang 1301 Delegiertenstimmen gesammelt, bei Clinton sind es 1239. Für die Wahl zum Präsidentschaftskandidaten sind mindestens 2025 Stimmen erforderlich.

Obama heizt an, Clinton beschwört

Doch das Rennen bei den Demokraten ist noch lange nicht gelaufen. Beide Kandidaten werden bis zum Nominierungsparteitag der Demokraten im August darum kämpfen, genügend Delegierten-Stimmen zu erhalten. Die Vorwahlen alleine werden das Rennen voraussichtlich nicht entscheiden. Für eine Mehrheit brauchen sowohl Obama als auch Clinton die Unterstützung der sogenannten "Superdelegierten" - der Inhaber politischer Ämter. Clinton muss nach Einschätzung von Beobachtern allerdings die nächsten Vorwahlen in Texas und Ohio für sich entscheiden, wenn sie überhaupt noch Chancen auf eine Nominierung haben will.

Obama stahl Clinton auch bei den Fernsehsendern die Schau: Nahezu alle Sender brachen die Übertragung einer Ansprache Clintons ab, als Obama mit einer Rede vor seine Anhäger trat.

"Wir müssen eine andere Richtung einschlagen, wir müssen ein neues Kapitel aufschlagen", sagte der 46- jährige Obama vor jubelnden Anhängern in Houston. Falls er im Herbst zum Präsidenten gewählt werde, wolle er die US-Truppen "noch im Jahr 2009 aus dem Irak nach Hause bringen". Allerdings warnte er, der von ihm angestrebte politische Wandel werde nicht leicht sein. "Aber der Wandel ist möglich."

Clinton übte nach ihrer Niederlage in Wisconsin scharfe Kritik an ihrem Rivalen Obama: Es gehe darum, "einen Präsidenten zu bestimmen, der nicht nur auf Worte, sondern auf Arbeit vertraut", sagte Clinton auf einer Wahlveranstaltung in Youngstown, Ohio. Die schönsten Worte seien nutzlos, wenn sie nicht zu Taten führten.

Ebenfalls abgehaltene Vorwahlen im Bundesstaat Washington spielten für die Demokraten keine Rolle: Dort entschieden sich die Delegierten bereits Anfang Februar bei einem Caucus für Obama.

McCain behauptet sich erneut

Weniger umkämpft war das Rennen auf republikanischer Seite: Der landesweite Favorit John McCain siegte ein weiteres Mal über seinen Rivalen Mike Huckabee, der damit jetzt so gut wie keine Chancen mehr hat. Bei den Republikanern stimmten in Wisconsin 54 Prozent der Wähler für McCain, lediglich 38 für Huckabee. McCain konnte auch die Vorwahlen im Bundesstaat Washington für sich entscheiden, berichtete CNN auf der Basis von Wählerbefragungen.

McCain äußerte sich überzeugt, dass er seine Partei in die Präsidentenwahl führen wird. "Ich verspreche Euch, ich werde den Wahlkampf mit Entschlossenheit und Stärke führen", sagte der 71-Jährige. Als einer der wichtigsten Aufgaben nannte er "den Krieg gegen muslimische Extremisten"

In Anspielung an Obama sagte McCain: "Ich werde jeden Augenblick an jedem Tag in diesem Wahlkampf darum kämpfen um sicherzustellen, dass die Amerikaner nicht von einem eloquenten, aber inhaltsleeren Aufruf zum Wandel getäuscht werden." Den Appell zum Wandel hat Obama in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gestellt.

Nach der Wahl in Wisconsin hatte McCain 918 Delegiertenstimmen erreicht, Huckabee 217 Stimmen. Für die Präsidentschaftskandidatur sind mindestens 1191 Stimmen auf dem Nominierungsparteitag Anfang September erforderlich.

Harter Vorwahlkampf bei den Demokraten

Der Endspurt der Vorwahlen in Wisconsin und Hawaii war von scharfen gegenseitigen Vorwürfen der Kandidaten geprägt. Clinton hielt ihrem Rivalen vor, es mangele ihm an politischer Substanz. "Es gibt einen Unterschied zwischen schönen Reden und politischen Lösungen", sagte sie auf ihrer Abschlusskundgebung in Madison. Obama sagte bei einer Kundgebung im Nachbarstaat Ohio: "Ich entschuldige mich nicht dafür, dass ich bei den Leuten Begeisterung erzeuge."

Beide Seiten warfen sich zudem Ideenklau vor: Clintons Wahlkampfteam kritisierte, dass Obama am Wochenende in einer Rede Passagen aus einer Ansprache des Gouverneurs von Massachusetts, eines Obama-Unterstützers, aus dem vorletzten Jahr verwendet habe, ohne die Quelle zu nennen. Obama räumte dies als Fehler ein und beschuldigte Clinton zugleich, Passagen aus seinen eigenen Reden kopiert zu haben.

amz/dpa/AP



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