Vorwürfe der US-Regierung: Pakistaner missbrauchen Bushs Milliarden-Militärhilfe

Sandalen im Schnee, Munitionsmangel, Gewehre aus dem Ersten Weltkrieg: Fünf Milliarden Dollar Militärhilfe hat die US-Regierung nach Pakistan gepumpt - doch große Teile sind offenbar in den falschen Taschen gelandet. Mit dem Geld wurden angeblich Waffensysteme ausgebaut, die Indien bedrohen.

Hamburg/Washington - Vertreter aus höchsten US-Regierungskreisen sind ungehalten über Pakistan. Die großzügige Militärhilfe der USA an das Land erreicht nach Informationen der "New York Times" oft nicht den Adressaten. Ein Großteil der mehr als fünf Milliarden Dollar, mit denen die Regierung von US-Präsident George W. Bush den Kampf der pakistanischen Armee gegen den Terrorismus unterstützten, fließe in dunkle Kanäle oder werde zur Finanzierung anderer Programme eingesetzt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf US-Regierungs- und Militärvertreter.

Pakistanischer Grenzposten im afghanischen Grenzgebiet Waziristan: "Ich frage mich, ob die Amerikaner nicht übers Ohr gehauen wurden"
Getty Images

Pakistanischer Grenzposten im afghanischen Grenzgebiet Waziristan: "Ich frage mich, ob die Amerikaner nicht übers Ohr gehauen wurden"

Statt in die Ausrüstung der Soldaten in den Grenzgebieten zu Afghanistan sei das Geld unter anderem in den Bau von Waffen gesteckt worden, die nun Indien bedrohen, berichtete ein ranghoher US-Militärvertreter der "New York Times". Bei einem Besuch in den Stammesregionen entlang der Grenze sei er dann auf Soldaten gestoßen, die trotz des Schnees Sandalen sowie Helme aus dem Ersten Weltkrieg trugen und kaum Munition für ihre alten Kalaschnikows hatten.

Der Zeitung zufolge ist es wenig verwunderlich, dass die pakistanische Armee im Kampf gegen die in den Stammesregionen verschanzten al-Qaida- und Taliban-Kämpfer kaum Erfolge aufzuweisen habe. Gegner von Pakistans umstrittenem Präsidenten Pervez Musharraf werfen dem Staatsoberhaupt der Zeitung zufolge vor, er habe Gelder auch dazu benutzt, seinen Regierungsapparat zu modernisieren.

Den pakistanischen und US-Vertretern zufolge gibt es keine klare Strategie, wie die Militärhilfe der Regierung Bush verwendet werden soll. Ein europäischer Diplomat sagte der "New York Times", die USA hätten ihre Geldspritzen kontrollierter einsetzen müssen. "Ich frage mich, ob die Amerikaner nicht übers Ohr gehauen wurden", sagte er.

Pakistan weist die Vorwürfe zurück

Pakistan weist die Vorwürfe zurück. Stattdessen wirft man den USA vor, diese würden ihren Versprechungen nicht nachkommen: Neue Helikopter, bessere Flugzeuge und andere militärische Ausrüstung würden zu spät oder gar nicht geliefert. "Es gibt eine Menge an Ausrüstung, die wir sehr gerne haben möchten", sagte Major-General Waheed Arshad, Sprecher des pakistanischen Militärs, laut "New York Times". "Es hat viele Verzögerungen gegeben, die den Kampf gegen die Extremisten verschleppt haben."

Mit fünf Milliarden Dollar seit 2002 haben die USA zu den Kosten der pakistanischen Armee für den Anti-Terror-Krieg entlang der pakistanisch-afghanischen Grenze beigetragen. Weitere 300 Millionen Dollar sollen in das Training und die Ausrüstung der Soldaten fließen. Laut dem Blatt macht die Hilfe rund ein Viertel des pakistanischen Verteidigungshaushalts aus.

Vergangene Woche hatte der US-Kongress Restriktionen für diese 300 Millionen Dollar beschlossen. Einen Posten von 50 Millionen Dollar will man so lange zurückbehalten, bis demokratische Reformen in Pakistan umgesetzt werden. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte US-Präsident George W. Bush Pakistan zum Verbündeten im Kampf gegen den Terror auserkoren - kurz darauf flossen die ersten Militärhilfen. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Zweifel daran gegeben, wie ernst Pakistan den Kampf gegen die fundamentalistischen Extremisten nimmt.

Das Land wurde in den vergangenen Jahren von einer Gewaltwelle überzogen. Die Zahl der Toten durch den letzten Selbstmordanschlag im Nordwesten Pakistans ist unterdessen auf neun gestiegen. Nach Angaben der Armee starben bei dem Anschlag auf einen Militärkonvoi im Swat-Tal fünf Zivilisten und vier Soldaten. 23 Menschen seien bei dem gestrigen Attentat verletzt worden. Die Armee hatte im November eine Offensive in dem Tal gestartet, um Anhänger eines radikalen islamischen Predigers zu vertreiben.

flo/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback