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Vorwürfe gegen FBI: Neue Spekulation über Mord an Malcolm X

Vor 46 Jahren wurde Malcolm X in New York erschossen, nun erscheint eine neue Biografie des legendären Schwarzenführers. Darin beschuldigt der Autor die US-Behörden massiv: FBI und Polizei hätten von den Anschlagsplänen gewusst - und die Tat bewusst nicht verhindert.

Malcolm X (im Jahr 1963): "Es gab die Tendenz, auf einen Anschlag zu warten" Zur Großansicht
AP

Malcolm X (im Jahr 1963): "Es gab die Tendenz, auf einen Anschlag zu warten"

New York - Die Veröffentlichung seines wohl wichtigsten Werks erlebt Manning Marable nicht mehr - der Historiker starb am Freitag an einer Lungenentzündung. Für Schlagzeilen wird "Malcolm X: A Life of Reinvention" trotzdem sorgen, wenn die Biografie des Schwarzenführers am Montag in den USA erscheint. Immerhin erhebt Marable in dem 594 Seiten starken Buch schwere Vorwürfe gegen die US-Behörden.

Die entscheidende Anschuldigung: Laut Marable wussten FBI und die New Yorker Polizeibehörden im Voraus von dem geplanten Attentat auf Malcolm X. Dieser war am 21. Februar 1965 im New Yorker Stadtteil Harlem während einer Rede mit mehr als einem Dutzend Schüssen getötet worden. Trotz der Informationen über die bevorstehende Bluttat hätten die Behörden nichts unternommen, um diese zu verhindern.

"Es gab durchaus die Tendenz, auf einen Anschlag zu warten", zitiert Marable in seiner Biografie einen ehemaligen New Yorker Polizisten, der an der Überwachung von Malcolm X beteiligt war. Man habe den damals 39-Jährigen als Unruhestifter gesehen und sich daher um die Bedrohung seines Lebens nicht weiter gekümmert, heißt es in dem Buch.

Die New Yorker Polizeibehörde dementiert diese Darstellung: "Die Polizei in New York war nicht mitschuldig an dem Attentat auf Malcolm, und es ist absolut falsch, so etwas auch nur anzudeuten", zitiert die "New York Times" den Behördensprecher Paul Browne.

Malcolm X galt als charismatischer Redner und wurde als einer der Führer der radikalen Bewegung Nation of Islam weltweit bekannt. Mit seinen militanten Ansichten war er innerhalb der Schwarzenbewegung ein Gegenspieler des auf Gewaltlosigkeit setzenden Martin Luther King.

Behörden verfolgen die Reiseroute des Malcolm X genau

In der neuen Biografie deutet Marable außerdem die mögliche politische Tragweite des Mordkomplotts an. Der Autor beschreibt eine 24-wöchige Reise nach Afrika und in den Mittleren Osten im Jahr 1964, bei der sich Malcolm X mit zahlreichen afrikanischen Staatsoberhäuptern, aber auch mit chinesischen und kubanischen Diplomaten getroffen haben soll. Diese Aktivitäten hätten die US-Regierung so beunruhigt, dass sogar eine strafrechtliche Verfolgung angedacht gewesen sei, so Marable. Wenig später sei es zu den tödlichen Schüssen gekommen.

Für sein Werk hatte Marable mehr als 6000 Aktenseiten des FBI, des Geheimdienstes CIA und der New Yorker Staatsanwaltschaft gesichtet. Dazu führte er Interviews mit den Vertrauten und dem Sicherheitsteam von Malcolm X ebenso wie mit Augenzeugen des tödlichen Attentats.

Insgesamt arbeitete er rund zwei Jahrzehnte an dem Buch. Drei Tage vor der Veröffentlichung erlag der 60-jährige Marable einer Lungenentzündung. Der Professor der Columbia-Universität hatte seit längerem gesundheitliche Probleme.

Im April 2010 war mit Thomas Hagan der letzte von drei Malcolm-X-Attentätern aus der Haft entlassen worden. Hagan hatte das Verbrechen als Einziger zugegeben, die beiden anderen mutmaßlichen Schützen sind bereits seit den achtziger Jahren wieder frei. Sie beteuerten bis zuletzt ihre Unschuld.

"Ich bedaure meine Beteiligung zutiefst", hatte Hagan laut CNN im März 2010 bei einer Anhörung gesagt. "Das hätte alles nie passieren dürfen."

jok

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1. Oh Wunder
panzerknacker51, 02.04.2011
Welch' eine Nachricht. Das ist doch für die politische Lage dieser Jahre nur typisch und verwundert im Ernst wohl niemanden.
2. Tatsächlich?
niepmann 02.04.2011
Man erzählt, Henry Kissinger, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, hätte den Mord an Salvatore Allende in Chile zu verantworten. Was gibt denn in Sachen Malcolm X zu wundern?
3. ...
jupiter999 02.04.2011
Um glaubwürdig darzulegen das FBI hätte von dem Mordanschlag gewusst und ihn nicht verhindert müsste man erstmal stichhaltig beweisen wer Malcom X denn überhaupt ermordet hat. Das müsste das FBI ja dann angeblich auch wissen und seit Jahrzehnten geheimhalten. Das ist bis heute nicht geklärt obwohl man allgemein davon ausgeht das es wohl seine Ex-Freunde von der Spinnertruppe "Nation of Islam" waren und nicht irgendwelche ominösen Drogenhändler über die man spekulierte und die man weder benennen konnte noch ihnen ernsthaft ein glaubwürdiges Motiv anzudichten schaffte. Das einzig kluge und das letzte das Malcom X in seinem Leben tat war die NoI zu verlassen. Rassenhass anzuprangern während er selbst Mitglied einer "Kirche" war die Rassenhass gegen Juden und generell alle Weissen auf der Welt zur Grundlage ihres Glaubens machte ... Eine Art von Bürgerrechtler wie ihn die Welt definitv niemals brauchte.
4. ...man munkelt...
toeng15 02.04.2011
Zitat von niepmannMan erzählt, Henry Kissinger, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, hätte den Mord an Salvatore Allende in Chile zu verantworten. Was gibt denn in Sachen Malcolm X zu wundern?
...es geht auch aktueller: man munkelt, Mr. Obama, ebenfalls Friedensnobelpreisträger, hätte den Tod von tausenden Afghanen, Irakis und Libyern zu verantworten?
5. Freiheit
nr6527 02.04.2011
Zitat von sysopVor 45 Jahren wurde Malcolm X in New York erschossen, nun erscheint eine neue Biografie des legendären Schwarzenführers. Darin beschuldigt der Autor die US-Behörden massiv: FBI und Polizei hätten von den Anschlagsplänen gewusst - und die Tat*bewusst nicht verhindert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754716,00.html
Das FBI und die CIA als Organisationen des Imperiums sind eine Plage der Menschheit, sie sind das Gegenteil von Freiheit und Demokratie.
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