Vorwürfe gegen westliche Geheimdienste Iran droht nach Anschlag mit Vergeltung

Das iranische Regime beschuldigt die USA, Großbritannien und auch Pakistan, den schweren Anschlag auf Revolutionsgardisten unterstützt zu haben. Nun droht Teheran mit Racheaktionen: Die Drahtzieher des Attentats mit Dutzenden Toten müssten bestraft werden.

Iranische Revolutionsgarde: Die Islamische Republik beschuldigt den Westen der Terrorhilfe
REUTERS

Iranische Revolutionsgarde: Die Islamische Republik beschuldigt den Westen der Terrorhilfe


Teheran - Nach dem Selbstmordanschlag im Südosten Irans mit mehr als 40 Todesopfern hat der Leiter der Revolutionsgarden die USA, Großbritannien und Pakistan einer Verbindung zu den sunnitischen Extremisten bezichtigt. "Die Attentäter wurden auch von britischen und US-amerikanische Geheimdiensten unterstützt", sagte der Chef der paramilitärischen Einheit, Mohammed Ali Dschafari, am Montag der heimischen Nachrichtenagentur Irna.

Die sunnitische Rebellenorganisation Dschundallah (Soldaten Gottes), die für den Anschlag verantwortlich gemacht wird, habe das Ziel, die Sicherheit in Iran zu untergraben. Die Organisation agiere auf Anweisung der Geheimdienste der USA, Großbritanniens und Pakistans, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Irna den General. Zuvor hatte bereits Heereschef Mohammed Pakpur dem Westen Terrorhilfe vorgeworfen.

Dschundallah werde "zweifelsfrei" von den Geheimdiensten unterstützt. "Unglücklicherweise" stünde auch Pakistan hinter der Rebellengruppe, dafür gebe es neue Beweise, sagte Dschafari. Er kündigte eine vernichtende Reaktion an. Man werde die Planer des Anschlags mit Vergeltungsmaßnahmen bestrafen.

Druck auf Pakistan

Der Attentäter hatte bei dem Anschlag am Sonntag mindestens 42 Menschen mit in den Tod gerissen, darunter fünf ranghohe Kommandeure der Revolutionsgarden. Der Anschlag ereignete sich in der unruhigen Provinz Sistan-Balutschistan an der Grenze zu Pakistan. Die Revolutionsgarden hatten dort ein Treffen mit Stammesführern geplant, um für Geschlossenheit zwischen Sunniten und Schiiten zu werben. Dem iranischen Staatsfernsehen zufolge sollen einige der getöteten Kommandeure und Gardisten am Montag in Zahedan beerdigt werden. Eine zweite Bestattung ist für Dienstag geplant.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, die Drahtzieher des Anschlags versteckten sich in Pakistan. Er forderte die Festnahme der Verdächtigen. Die Regierung in Teheran werde die Auslieferung von Abdolmalek Rigi, dem mutmaßlichen Anführer der Rebellengruppe, beantragen, kündigte Mohammed Ali Dschafari an. Das iranische Außenministerium hatte bereits am Sonntag den Verantwortlichen der pakistanischen Botschaft einbestellt.

Russlands Präsident Dmitrij Medwedew sicherte Iran die Unterstützung seines Landes zu. "Der Kampf gegen die Bedrohung durch Terrorismus und Extremismus verlangt die Zusammenarbeit aller Länder", sagte Medwedew in Moskau. "Wir sind bereit, mit der Islamischen Republik Irans zu kooperieren, um diesen Bedrohungen entgegenzutreten."

amz/AFP/Reuters/AP



Forum - Wie sieht die Zukunft Irans aus?
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paparatzi, 27.08.2009
1.
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Ohne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
mbockstette 27.08.2009
2. Chamenei weist Vorwürfe gegen das Ausland zurück
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
"Bislang hieß es in Iran, fremde Mächte steckten hinter den Protesten gegen Präsident Ahmadinedschad. Von dieser Position weicht Ajatollah Ali Chamenei nun ab. Der geistliche Führer des Landes sieht keine Anzeichen für Aktivitäten des Auslands - und droht den Bassidsch-Milizen mit Strafverfolgung". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html
BillBrook 27.08.2009
3.
Zitat von paparatziOhne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
Aber wie sollen da jemals wieder irgendwelche Wahlen stattfinden?
Leto_II., 27.08.2009
4.
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Die Gegensätze scheinen ja auch zwischen Regierung und Staatsführung zu bestehen. Ahmadinedschad hat von seinem Chef eine Ohrfeige kassiert, innen- und aussenpolitisch: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html Wollen die beiden sich schon gegenseitig demontieren?
Leto_II., 27.08.2009
5.
Vielleicht wird ihm Ahmadinedschad zu mächtig oder er will den Klerus beruhigen. Rafsanjani hat erst kürzlich Chamenei den Rücken gestärkt und diese demontiert nun Ahmadinedschad.
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