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Vorwürfe in Schweden: WikiLeaks-Gründer wird international gesucht

Interpol ruft zur Fahndung nach Julian Assange auf: Die Polizeiorganisation hat eine "Red Notice" gegen den WikiLeaks-Gründer erlassen. Demnach soll weltweit nach ihm gesucht werden - wegen der in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe. Er selbst hat sie stets zurückgewiesen.

Lyon - Die internationale Polizeiorganisation Interpol hat gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange eine "Red Notice" erlassen. Assange werde wegen der gegen ihn in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe gesucht. Diese "roten Mitteilungen" bedeuten, dass die 188 Mitgliedsstaaten das Land, aus dem der ursprüngliche Haftbefehl stammt, bei der Suche nach einer beschuldigten Person "mit Blick auf ihre Festnahme und Auslieferung" unterstützen sollen.

Ein Gericht in Stockholm hatte bereits einen internationalen Haftbefehl gegen Assange wegen Vorwürfen der Vergewaltigung und sexueller Belästigung ausgestellt. Die Ermittlungsleiterin bei der schwedischen Staatsanwaltschaft, Marianne Ny, begründete ihren Antrag damit, dass Assange befragt werden müsse. Der Australier hatte die Anschuldigungen stets bestritten und von einer Schmutzkampagne gegen ihn und WikiLeaks gesprochen. Gegen den Haftbefehl hat Assange, dessen Aufenthaltsort nicht bekannt ist, Beschwerde eingelegt.

Die Vorwürfe gegen Assange waren im August bekannt geworden. Daraufhin wurde ein erster Haftbefehl beantragt, nach wenigen Tagen aber wieder zurückgezogen - bis kurz darauf die Ermittlungen in der Sache erneut aufgenommen wurden. Im Oktober entzogen dann die schwedischen Behörden dem Aktivisten die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

Zuletzt erwog Assange, sich in der Schweiz niederzulassen und dort politisches Asyl zu beantragen. Die Schweiz sei neben Island das einzige westliche Land, in dem sich WikiLeaks sicher fühle, sagte er Anfang November im Schweizer Fernsehen. Mitarbeiter der Plattform fühlten sich wegen der Protokolle über die Kriege im Irak und in Afghanistan vom US-Verteidigungsministerium bedroht, erklärte er mehrmals.

Scharfe Attacke auf US-Außenministerin

Anfang der Woche hatte WikiLeaks für Furore gesorgt, als die Plattform rund 250.000 vertrauliche oder geheime Berichte aus US-Botschaften veröffentlichte. Der SPIEGEL und andere internationale Medien analysieren die Depeschen. Weltweit sorgten die Enthüllungen für große Aufregung.

Anders als bei vorherigen Veröffentlichungen hielt sich Assange jetzt mit Auftritten in den Medien zurück. Kurz vor Bekanntwerden der Interpol-Meldung hatte er sich allerdings noch über den Internet-Telefondienst Skype von einem unbekannten Ort aus beim US-Magazin "Time" gemeldet und sich zu den diplomatischen Depeschen geäußert.

In einem 36-minütigen Interview hatte er unter anderem gefordert, US-Außenministerin Hillary Clinton müsse ihr Amt niederlegen, sollte sie US-Vertreter im Ausland zur Spionage aufgefordert haben. Wenn Clinton für die von WikiLeaks aufgedeckten Spionageanweisungen verantwortlich sei, müsse sie dafür auch die Verantwortung übernehmen. "Damit hätten die USA gegen internationale Vereinbarungen verstoßen. Sie sollte zurücktreten."

Hintergrund dieser Äußerungen: Laut den jüngsten Enthüllungen von WikiLeaks haben die USA ihre Diplomaten angewiesen, Uno-Vertreter anderer Länder auszuspähen. Die Anweisungen wurden laut den am Sonntag veröffentlichten geheimen US-Dokumenten an Botschaften in Afrika, im Nahen Osten, in Osteuropa, in Lateinamerika sowie an die US-Vertretung bei den Vereinten Nationen gesandt.

Im Namen von Außenministerin Clinton war laut den WikiLeaks-Dokumenten im Juli vergangenen Jahres unter anderem eine Anordnung an mehr als 30 US-Botschaften und Konsulate verschickt worden. Darin wurden die Diplomaten aufgefordert, technische Informationen über die Kommunikationssysteme von hochrangigen Uno-Vertretern zu sammeln, darunter auch Passwörter für Verschlüsselungen. Auch über Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sollten demnach Informationen gesammelt werden.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel trug in einer früheren Version die Überschrift "Internationaler Haftbefehl gegen WikiLeaks-Gründer"; darin war die Rede von einem internationalen Haftbefehl, der von Interpol ausgestellt wurde. Dies war eine falsche Darstellung der Nachrichtenagentur AFP, die inzwischen berichtigt wurde. Tatsächlich handelt es sich um eine "Red Notice" von Interpol. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

jok/AFP/AP

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insgesamt 499 Beiträge
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1. Wer glaubt da an einen Zufall?
rallsen 01.12.2010
Klar und selbst wenn er in Finnland gefunden werden sollte, ein Flug nach Schweden führt natürlich über die USA... Das ist so billig und offensichtlich: Wer den Mund aufmacht wird Mundtot gemacht.
2. Assange ?....Kachelmann ?....kein Unterschied.
family, 01.12.2010
Zitat von sysopInterpol fahndet nach Julian Assange: Laut der Polizeiorganisation wurde ein internationaler Haftbefehl gegen den WikiLeaks-Gründer erlassen. Demnach wird er werde wegen der gegen ihn in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe gesucht. Er selbst hat den Vorwurf zurückgewiesen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,732141,00.html
Man machsts wie bei Joerg Kachelmann : Ob er schuldig oder unschuldig ist, interessiert da nicht. Es wird nur auf die Zerstoerung dieser Person hingearbeitet.
3.
McBline 01.12.2010
Zitat von sysopInterpol fahndet nach Julian Assange: Laut der Polizeiorganisation wurde ein internationaler Haftbefehl gegen den WikiLeaks-Gründer erlassen. Demnach wird er werde wegen der gegen ihn in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe gesucht. Er selbst hat den Vorwurf zurückgewiesen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,732141,00.html
Natürlich sind es die Vergewaltigungsvorwürfe. Sonst müsste man vermutlich ein Paar Leichen ausgraben - doch Vergewaltigung klingt so viel besser. Ich wundere mich nur warum die vorwürfe immer dann aufgewärmt werden, wenn WikiLeaks etwas schönes über die Amis publiziert?
4. Nun...
intenso1 01.12.2010
Zitat von sysopInterpol fahndet nach Julian Assange: Laut der Polizeiorganisation wurde ein internationaler Haftbefehl gegen den WikiLeaks-Gründer erlassen. Demnach wird er werde wegen der gegen ihn in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe gesucht. Er selbst hat den Vorwurf zurückgewiesen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,732141,00.html
beginnt die vereinte Macht von Politik und .... mit der Jagd. Ob die Vorwürfe stimmen kann ich natürlich nicht einschätzen aber der Zeitliche Zusammenhang mit den bisherigen und angekündigten Veröffentlichungen lässt sich einfach nicht ignorieren.
5. Surprise Surprise
THM, 01.12.2010
Zitat von sysopInterpol fahndet nach Julian Assange: Laut der Polizeiorganisation wurde ein internationaler Haftbefehl gegen den WikiLeaks-Gründer erlassen. Demnach wird er werde wegen der gegen ihn in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe gesucht. Er selbst hat den Vorwurf zurückgewiesen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,732141,00.html
Was für eine Überraschung ;-) War es nicht schon immer Methode der Dienste (und von Politkern) konkurrierenden Organisationen dadurch zu schaden, in dem man bekannte Vertreter der Organisation diskreditiert??? Ein bisschen was bleibt ja immer hängen.... Vergewaltigung ist keine Bagatelle, aber eben auch leicht konstruierbar und schwer zu belegen - siehe Kachelmann. Das Hin und Her um den Haftbefehl in Schweden, und die Ankündigung der Amis, wikileaks mit den üblichen Geheimdienstmethoden unter Druck setzen zu wollen, ist zwar noch kein Beweis für die Haltlosigkeit der Vergewaltigungsvorwürfe, spricht aber für eine hohe Wahrscheinlichkeit einer falschen Anschuldigung. "Im Zweifelsfalle für den Angeklagten" gilt unter diesen Umständen erst Recht. Im übrigen ändern die Vorwürfe gegen Assange nichts an Inhalt und Arbeit von wikileaks. Ich vermute, dass es primär um Störung des wikileak Betriebes und um ein deutliches Signal der Abschreckung an Nachahmer geht. Die Person Assange kann zerstört werden, die Idee "wikileaks" dürfte nach dem jüngsten Coup nicht so schnell mundtot gemacht werden können.
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