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Währungs-Krisengipfel: Europa kommt der Eisernen Kanzlerin entgegen

Aus Brüssel berichtet

Mit Macht kämpfte Angela Merkel für eine neue Euro-Krisenarchitektur - nun hat sie beim Brüsseler Gipfel ihre Kernforderung durchgesetzt. Eine gezielte Änderung der EU-Verträge zum Schutz der Währung wird geprüft. Doch der Preis für den Sieg ist hoch, die Stimmung gegenüber den Deutschen ist schlecht wie selten.

Das Drehbuch dieses EU-Gipfels war aus Sicht der Bundesregierung schon lange geschrieben. Die Eiserne Euro-Kanzlerin Angela Merkel erscheint darin natürlich nicht wie eine leichtfertige Pokerspielerin. Sondern wie eine weitsichtige Schachgroßmeisterin. Mit zwei geschickten Bauernopfern setzt sie alle anderen matt.

Schon als der zweitägige Brüsseler Gipfel an diesem Donnerstag begann, sah es aus, als würde Merkels Kalkül aufgehen. Ein europäischer Regierungschef nach dem anderen erklärte bei der Ankunft vor dem EU-Ratsgebäude, die deutsche Forderung nach einem permanenten Krisenmechanismus für die Euro-Zone mittragen zu wollen. Auch mit der von Deutschland geforderten Änderung der EU-Verträge zu diesem Zweck habe man kein Problem - solange bloß kein Stimmrechtsentzug für überschuldete Mitgliedstaaten eingeführt werde, sagten unter anderem Merkels Kollegen aus Schweden, Finnland und Griechenland.

Die 25 Telefonate, die die Kanzlerin in den vergangenen Tagen mit ihren EU-Partnern geführt hatte, zeigten offensichtlich Wirkung. Die europäischen Spitzenpolitiker zogen sich zurück, um zu beraten, und gegen 1.30 Uhr in der Nacht kam die Bestätigung von Merkel. Die EU wird eine begrenzte Änderung ihrer grundlegenden Verträge prüfen, um eine stabile Absicherung des Euro darin zu verankern. "Alle sind sich einig, dass dazu eine begrenzte Vertragsänderung notwendig ist", sagte die Kanzlerin. "Wir haben unsere wesentlichen Punkte vorangebracht."

  • Bis zum nächsten Gipfel im Dezember sollen Einzelheiten der Vertragsänderungen ausgearbeitet werden. Ratspräsident Herman Van Rompuy wurde beauftragt, eine Vertragsänderung rechtlich zu bewerten. Vor allem muss entschieden werden, ob man einen vollen Ratifizierungsprozess inklusive Volksabstimmungen in einzelnen Ländern riskieren will - oder ob es auch ohne geht.
  • Zu den Vereinbarungen gehört Merkel zufolge auch die Einbeziehung privater Gläubiger, wenn Schuldenkrisen Staaten erschüttern. Sie sollen mitzahlen.
  • Der gesamte Krisenmechanismus werde nur eingesetzt, wenn die Euro-Zone als Ganzes in Gefahr sei, sagte die Kanzlerin.
  • Das Verbot gegenseitiger Schuldenübernahme zwischen Staaten bleibt Merkel zufolge damit eine zentrale Hürde für bilaterale Rettungsaktionen.

Merkel musste an anderen Stellen zurückstecken. Die Forderung, hartnäckigen Schuldensündern in Europa das Stimmrecht in der EU zu entziehen, war nicht komplett durchzusetzen. Sie soll "geprüft" werden, war zu erfahren, aber selbst konservative Kollegen der Deutschen und die EU-Kommission hätten die Idee verworfen, sagten Diplomaten. "Der Stimmrechtentzug und dessen Behandlung sind auf die lange Bank geschoben", sagte Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker am Freitagmorgen.

Dazu kommt, dass sich Merkel schon in der vergangenen Woche beim Zweiergipfel in Deauville dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gebeugt und die Forderung nach automatischen Sanktionen für Defizitsünder aufgegeben hat.

Ein fest verankerter Krisenmechanismus wäre fundamental für den Euro

Die Bundesregierung wird diese beiden Niederlagen als Bauernopfer verkaufen - hingenommen für den großen Preis der Vertragsänderung. Diese Sichtweise hat eine gewisse Berechtigung: Ein permanenter Krisenmechanismus, verankert im EU-Vertrag und daher verfassungsrechtlich unbedenklich, ist von fundamentaler Bedeutung für die Euro-Zone.

Kritiker hielten Merkel lange entgegen, eine Änderung der EU-Verträge sei quasi unmöglich. Der Lissabon-Vertrag, erst kürzlich in Kraft getreten, habe zehn Jahre bis zur Ratifizierung gebraucht. Van Rompuy soll nun klären, unter welchen Voraussetzungen wie große Änderungen möglich sind, ohne dass es zu kompliziert wird. "Wir sprechen nicht darüber, den Vertrag komplett aufzumachen", sagte er. Es gehe nur um "sehr begrenzte Änderungen".

Was dabei herauskommt, ist ungewiss - für Merkel ist die Entscheidung aber trotzdem ein Triumph. Lange wurde ihr Beharren auf eine Vertragsänderung als utopisch und naiv belächelt, und nun hat sie der EU erneut ihren Stempel aufgedrückt. Die Kanzlerin hat einen großen Schritt zum "rechtlich unangreifbaren Krisenbewältigungsrahmen" getan, für den sie seit Monaten wirbt.

Dieser Rahmen soll in drei Jahren an die Stelle des 440-Milliarden-Euro-Rettungsschirms treten, der im Mai dieses Jahres für die Pleitekandidaten der Euro-Zone gespannt wurde und 2013 ausläuft. Das künftige Regelwerk, eine Art Insolvenzrecht für Euro-Staaten, soll nach dem Wunsch der Kanzlerin sicherstellen, dass bei Schuldenkrisen zunächst private Gläubiger für die Verluste geradestehen müssen - und erst danach die europäischen Steuerzahler.

Der Preis ist hoch

Doch der Preis ist sehr hoch. Wie im Frühjahr, als Merkel sich wochenlang gegen die Rettung Griechenlands sperrte und so Europa gegen sich aufbrachte, hat sie durch den deutsch-französischen Deal von Deauville viel politisches Kapital verspielt. Erst fühlten sich die Nordländer hintergangen, als sie sich auf Frankreichs Seite schlug und die Pläne für automatische Sanktionen preisgab. Dann tobten die kleinen EU-Staaten, weil die Großmächte Deutschland und Frankreich ihnen mit Stimmrechtsentzug drohten.

Was den Partnern besonders übel aufstieß: Merkel erweckte den Eindruck, als seien ihr die Proteste gegen die Pläne egal. Ungerührt verkündete sie am Mittwoch in ihrer Regierungserklärung, es gebe den Krisenmechanismus nur zu deutschen Bedingungen - oder gar nicht. Es war glatte Erpressung, denn sie weiß wie alle Europäer, dass in der Euro-Zone ohne Deutschland nichts läuft.

Die Kanzlerin argumentiert, manchmal müsse ein Politiker eben "mutig und entschlossen" führen, wie sie es in ihrer Regierungserklärung ausdrückte. Bleibt nur die Frage, ob die Schäden am Rande wirklich nötig waren. Das hegemoniale Auftreten erregt Unmut quer durch Europa - und wird die Bundesregierung einholen, wenn sie auf die Unterstützung der Partner angewiesen ist.

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1. Was genau hat Merkel denn nun bekommen
elwu, 29.10.2010
für ihre Aufgabe der harten automatischen Sanktionen? Wenn ich das recht verstehe: das unverbindliche Versprechen, eine Vertragsänderung der EU in Sachen finanzieller Mithaftung von Gläubigern bei Staatspleiten prüfen zu wollen. Was angesichts der Vertragsänderungsmöglichkeitsrealitäten im Euroland ungefähr vergleichbar ist mit dem Heilsversprechen diverser Religionen, da gibt es auch erst im Jenseits was brauchbares. Andererseits waren es Frankreich und Deutschland (unter rotgrün), die 2004/05 die Sanktionsregeln aufgeweicht haben und damit aufzeigten, dass die einen feuchten Staub wert sind. Von daher könnte unterm Strich diese Aktion von Merkel tatsächlich den Status Quo verbessern, was leider nicht viel sagen will.
2. ooo
MarkH, 29.10.2010
Zitat von sysopDie EU ringt beim Gipfel in Brüssel um die Zukunft des Euro - Angela Merkel kämpft für eine neue Krisenarchitektur. Schon zu Beginn zeichnete sich ab, dass die Kanzlerin am Ende wohl einen Teilerfolg vermelden kann.*Aber sie muss einen hohen Preis zahlen: Die Stimmung unter den Europäern ist schlecht wie selten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726014,00.html
Dabei hat Europa einiges gemeinsam ink. Nord/Südgefälle nun Kommunen, die pleite sind und Vatikan &Deutschland mit der miesesten Demographie
3. Unverständinis
Beteigeuze, 29.10.2010
Zitat von sysopDie EU ringt beim Gipfel in Brüssel um die Zukunft des Euro - Angela Merkel kämpft für eine neue Krisenarchitektur. Schon zu Beginn zeichnete sich ab, dass die Kanzlerin am Ende wohl einen Teilerfolg vermelden kann.*Aber sie muss einen hohen Preis zahlen: Die Stimmung unter den Europäern ist schlecht wie selten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726014,00.html
Im Artikel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725734,00.html genauer im 6. Teil: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725734-7,00.html heißt es: "... Denn dem Vertrauen in den Euro hilft es nur wenig, korrekte Statistiken zu haben - wenn Politiker am Ende Sanktionen gegen kriselnde Staaten immer noch politisch blockieren können." In Bezug auf kriselnde Staaten darf und kann nur politisch reagiert werden! Alles andere führte in einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und der EU. Das kann man wollen, aber dann bitteschön hat man zu spezifizieren was an die Stelle dessen zu treten hat. Seid Ihr irre oder was?! Herr Gott im Himmel, laß Hirne regenen!
4. Sed 2.0?
Rodri 29.10.2010
Merkel ist nur eine alte, arrogante Frau. Sie muss entlich lernen, dass nicht alles nach ihrer Nase tanzt. Aber das hat man in der SED natürlich anders gesehen. ;)
5. welcher Teilerfolg?
Olias, 29.10.2010
---Zitat--- Zitat aus dem Artikel: Schon zu Beginn zeichnete sich ab, dass die Kanzlerin am Ende wohl einen *Teilerfolg* vermelden kann. Aber sie muss einen hohen Preis zahlen: (...) ---Zitatende---
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Darum geht es beim EU-Gipfel
Deutschland und Frankreich wollen schärfere Regeln zur Abwehr von Schuldenkrisen. Dafür versuchen Angela Merke und Nicolas Sarkozy, ihre Kollegen zu überreden, den EU-Vertrag zu ändern. Das lehnen viele EU-Staaten nach der zehn Jahre langen Hängepartie um den Vertrag von Lissabon ab. Hier die wesentlichen Streitpunkte - klicken Sie auf die Überschriften:
Das Ziel
Euro-Länder sollen künftig nicht mehr so wie Griechenland im Frühjahr in die Lage geraten, kein Geld mehr am Kapitalmarkt aufnehmen zu können. Die Anleger verlangten immer höhere Zinsen, weil sie dem hochverschuldeten Land nicht länger zutrauten, seine Finanzen in den Griff zu bekommen. Die Euro-Länder sprangen mit Milliarden-Garantien ein.
Der Euro-Schutzschirm
Der Schutzschirm war eine Notlösung, um zu verhindern, dass die Griechenland-Krise auch andere schwache Euro-Staaten wie Portugal oder Irland in den Abgrund reißt. Er besteht aus bilateralen Kreditgarantien der Euro-Staaten über 400 Milliarden Euro (Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität - EFSF), einem Notkreditrahmen der EU über 60 Milliarden (Europäischer Finanzstabilisierungsmechanismus - EFSM) sowie aus Kreditlinien über 250 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds. Er ist auf drei Jahre - bis Ende Juni 2013 - begrenzt. Bisher musste er nicht genutzt werden. Die Finanzmärkte haben sich wieder beruhigt, nachdem die Euro-Länder so füreinander bürgten und die angeschlagenen Länder zugleich strikte Sparprogramme auflegten.
Der neue Krisenmechanismus
Die auf Druck von Deutschland ins Leben gerufene Arbeitsgruppe der EU-Finanzminister vereinbarte im Mai, einen permanenten Mechanismus zur Krisenabwehr zu schaffen. Deutschland forderte ursprünglich ein Verfahren zur "geordneten Insolvenz" von Euro-Staaten, vermied diesen Begriff aber, da dies auf Widerstand stieß. Gemeinsam mit Frankreich fordert die Bundesregierung nun einen "Krisenabwehrrahmen", der auch die privaten Gläubiger von Staatsanleihen im Krisenfall zum Forderungsverzicht verpflichten würde. Dazu soll auch ein von den Euro-Ländern finanzierter Garantierahmen oder Fonds gehören. Die Anleger müssten aber bei der Stabilisierung eines überschuldeten Landes eine größere Last tragen als die Partnerstaaten.
Vertragsänderung
Die EU-Kommission und etliche Euro-Länder halten eine Vertragsänderung für einen derart gestalteten Krisenmechanismus nicht für nötig - Sie fürchten jahrelange Verhandlungen. Die Bundesregierung argumentiert dagegen, schon der zeitlich befristete Schutzschirm gehe ans Limit des EU-Vertrages von Lissabon. Dabei geht es vor allem um Artikel 125 - die so genannte "No-bail-out-Klausel" verbietet es der EU und einzelnen Ländern, Schulden von Mitgliedstaaten zu übernehmen. Für Deutschland war das nur als letztes Mittel - "ultima ratio" - rechtlich vertretbar, weil sonst die Währungsunion zerfallen und dem deutschen Volk Schaden entstanden wäre. Doch das deutsche Grundgesetz lässt nach Überzeugung der Regierung in Berlin keinen Dauermechanismus ohne Notlage zu. Es müssten nur zwei Sätze im Vertrag geändert werden, um ihn wasserdicht zu machen. Sonst könnte Deutschland durch eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht gezwungen werden, aus dem Krisenmechanismus auszusteigen. Eine Euro-Krise riesigen Ausmaßes wäre die Folge.
Stimmrechtsentzug
Auf entschiedenen Widerstand aller anderen Mitgliedstaaten stößt die deutsch-französische Forderung, uneinsichtiges Schludern bei den öffentlichen Finanzen mit einem Entzug des Stimmrechts im EU-Ministerrat zu bestrafen. Das Aussetzen des Stimmrechts wäre schon heute möglich, wenn ein Staat schwerwiegend gegen die Grundwerte der Europäischen Union verstößt.

Schulden in Europa
Gesamtverschuldung in Euro-Land
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Deutschland
Die gesamtstaatlichen Schulden liegen bei mehr als 1,7 Billionen Euro. Das sind mehr als 70 Prozent des BIP. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag 60 Prozent. Die jetzt schon gigantische Summe könnte bis Ende 2013 durch immer neue Kredite bei etwa zwei Billionen Euro liegen.

Allein 2010 lag die Neuverschuldung bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), erlaubt sind laut Maastricht drei Prozent. Um diese Schuldenberge wieder abzubauen, hat die schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2010 ein Sparpaket aufgelegt. Ob dies allerdings ausreicht, ist fraglich. Denn der Bund muss von 2011 an jedes Jahr zehn Milliarden Euro sparen - allein um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten.
Frankreich
Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 7,5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldungsquote bei 77,6 Prozent. In Euro ausgedrückt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite frei werdende Stelle im Öffentlichen Dienst wird nicht besetzt.

Die laufenden Ausgaben für den Staatsbetrieb sollen binnen drei Jahren um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen und so in zwei Jahren fünf Milliarden Euro mehr einnehmen. Eine Rentenreform soll außerdem das riesige Defizit in den Sozialkassen senken. Das Rentenalter in Frankreich liegt derzeit für das allgemeine Rentensystem noch bei 60 Jahren.
Spanien
Das Land hat einen Sparplan vorgelegt, der für die kommenden drei Jahre eine Senkung der Ausgaben um 50 Milliarden Euro vorsieht. Für 2010 und 2011 kündigte Madrid zusätzliche Einsparungen von 15 Milliarden Euro an. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter von Ministern und Beamten gekürzt. Staatliche Investitionen werden zusammengestrichen.

Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,2 Prozent des BIP. Die Gesamtverschuldung des Staates wurde zuletzt vom Finanzministerium auf 55,2 Prozent des BIP beziffert. Laut Eurostat sind es knapp 560 Milliarden Euro.
Portugal
Die Regierung überraschte 2010 mit der Ankündigung von Steuererhöhungen. Einkommensteuern sollen angehoben, Unternehmen mit einer zusätzlichen "Krisensteuer" von 2,5 Prozent auf alle Gewinne belastet werden. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. Die Bezüge der Politiker und der Verwalter öffentlicher Unternehmen sollen um fünf Prozent reduziert werden.

Damit will Portugal sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des BIP auf sieben Prozent reduzieren. Die Gesamtschulden entsprachen 2009 rund 76,8 Prozent des BIP.
Italien
In Italien sind bislang keine größeren Sparpakete auf den Weg gebracht worden, obwohl das Land zu den großen Schuldensündern in der Euro-Zone zählt.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar angekündigt, dass ab 2011 gespart werden soll. Genaueres hat er bislang aber nicht erklärt. Italien hat in absoluten Zahlen einen Gesamtschuldenstand wie Deutschland von mehr als 1,7 Billionen Euro. In Relation zur Wirtschaftskraft ist der Schuldenberg aber weit größer: Er beträgt rund 114 Prozent des BIP.
Irland
Im Haushalt 2010 waren strikte Sparmaßnahmen vorgesehen. So wurden Gehälter im Öffentlichen Dienst um fünf bis 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben wurden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kam es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen.

Irland hat eine Gesamtverschuldung von mehr als hundert Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Land nicht weit von der vorgeschriebenen 60-Prozent-Regel mit Blick auf das BIP. Allerdings lag die Neuverschuldung 2010 bei rund 30 Prozent.
Belgien
Der hohe gesamtstaatliche Schuldenstand von knapp 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukt wird 2011 auf etwa 101 Prozent wachsen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.

Wegen der politischen Krise - das Land stolpert von einer Regierungskoalition zur nächsten - ist Belgien politisch gelähmt. Größere Sparpakete sind nicht in Sicht.
Niederlande
Beim Schuldenberg stehen die Niederlande im Vergleich zu anderen Euro-Staaten gut da. Aber auch dort wird er wachsen - von knapp 61 Prozent des BIP 2009 auf annähernd 70 Prozent 2011.

Doch die Niederländer pochen auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird.
Griechenland
Um eine Staatspleite abzuwenden und den unter Druck geratenen Euro zu verteidigen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen.

2009 beliefen sich die Schulden des Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des BIP. Gegen heftigen Widerstand im eigenen Land hat die Regierung ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt - Renten und Gehälter im Staatsdienst sollen gekürzt, Steuern heraufgesetzt werden.
Slowakei
Die Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei gut 22 Milliarden Euro, das entsprach 35,7 Prozent des BIP. Nur noch Luxemburg hat in der Euro-Zone einen kleineren Schuldenberg. Das Haushaltsdefizit 2009 von 4,3 Milliarden Euro erreichte aber mit 6,8 Prozent vom BIP einen Rekordstand und soll 2010 gesenkt werden.

Ein Sparprogramm der Regierung sieht großflächige Ausgabenkürzungen vor, aber keine Einschnitte bei Pensionen und im Sozialsystem. Kräftige Einsparungen gab es 2009 im Verteidigungsbudget.
Slowenien
Der Gesamtschuldenstand lag zuletzt bei 40 Prozent des BIP, also klar unter den erlaubten 60 Prozent. Problematisch sind jedoch das schleppende Wirtschaftswachstum und die steigende Arbeitslosigkeit. Ende 2009 überschritt die Arbeitslosenquote zehn Prozent.

Mit Konjunkturprogrammen wurde die Wirtschaft gestützt, das Haushaltsdefizit dürfte 2010 bei 6,1 Prozent des BIP liegen, nach 5,5 Prozent 2009. Das Sparprogramm ist noch nicht klar. Experten rechnen mit Kostensenkungen im öffentlichen Sektor, auch liegen in der Privatisierung von Staatsunternehmen noch Reserven.
Österreich
Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt wieder auf Vordermann bringen. Als Ziel will die Regierung bis 2014 das Defizit von 4,7 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Staatseinnahmen sorgen.

Einig ist sich die Koalition aus konservativer ÖVP und sozialdemokratischer SPÖ aber bisher nur bei der Einführung einer Bankensteuer, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. Insgesamt betragen die Schulden Österreichs derzeit etwa 66 Prozent des BIP.
Finnland
Mit einem Gesamtschuldenstand von 75 Milliarden Euro gehört Finnland nicht zu den Problemländern in der EU, was die Staatsfinanzen angeht. Die Regierung in Helsinki hat seit dem Euro-Start eine sparsame Haushaltspolitik geführt.

Auch deshalb stehen drastische Sparprogramme wegen der aktuellen Finanzkrise nicht auf der Tagesordnung. Seit längerem schon will die Regierung das Rentenalter heraufsetzen und die Rentenansprüche senken.

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