Waffe aus dem Kalten Krieg USA zerstören ihre letzte große Atombombe 

Es ist das Ende der Monsterwaffen: Die USA haben eine B-53 aus dem Kalten Krieg zerlegt: Es war das letzte Exemplar ihrer ältesten und zerstörerischsten Atombombe. Sie hatte eine 600-mal größere Sprengkraft als die von Hiroshima.

Eine B-53-Atombombe: Letztes Relikt aus dem Kalten Krieg demontiert
REUTERS/ B&W Pantex

Eine B-53-Atombombe: Letztes Relikt aus dem Kalten Krieg demontiert


Amarillo - Ein wichtiges Kapitel aus der Zeit des Kalten Kriegs ist abgeschlossen: Die USA haben die letzte ihrer mächtigen B-53-Atombomben zerstört. Sie wurde in der Fabrik Pantex in Amarillo im Bundesstaat Texas zerlegt, wie ein Vertreter der Nationalen Behörde für nukleare Sicherheit sagte. Bei ihrer Demontage wurden 135 Kilogramm hochangereichertes Uran aus dem Kern der Bombe entfernt, teilte Pantex-Sprecher Greg Cunningham mit.

Nach übereinstimmenden Agenturberichten handelte es sich um die zerstörerischste Waffe in dem gesamten US-Arsenal. Die 4,5 Tonnen schwere Bombe von der Größe eines Kleinbusses wurde 1962 gebaut, im Jahr der Kuba-Krise, als die Spannungen mit der damaligen Sowjetunion ihren Höhepunkt erreichten. Sie hatte eine Sprengkraft von neun Megatonnen. Das ist 600-mal mehr als bei der Atombombe von Hiroshima, wie die Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler (Federation of American Scientists) auf ihrer Web-Seite angibt. Durch die Bombe waren 1945 am Ende des Zweiten Weltkriegs rund 140.000 Menschen sofort oder in den Monaten danach getötet worden. Japan leidet bis heute unter den Folgen der Explosion.

Waffe aus einer anderen Zeit, "für eine andere Welt"

Die Demontage der B-53 sei bedeutsam, weil es sich um die letzte dieser Art von Atomwaffen handele, die auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs gebaut worden seien, sagte Hans Kirstensen vom Verband der US-Wissenschaftler. "Das ist das Ende der Ära dieser Monsterwaffen." Heutige Bomben seien kleiner und präziser.

Nach der Zerlegung der B-53 sei die Welt "ein sichererer Ort", sagte dagegen Thomas D'Agostino, Leiter der Nationalen Behörde für nukleare Sicherheit. Die Atombombe sei eine Waffe gewesen, die "zu einer anderen Zeit für eine andere Welt" entwickelt worden sei. Die B-53 war 1997 ausgemustert worden. Viele der Bomben waren bereits in den achtziger Jahren auseinandergenommen worden.

Der stellvertretende Energieminister Daniel Poneman sprach von einem Meilenstein in den Bemühungen von US-Präsident Barack Obamafür die nukleare Abrüstung. Das Programm zur Zerstörung von Atomwaffen sei dem Zeitplan ein Jahr voraus, sagte er.

Der US-Wissenschaftler Kristensen erklärte dagegen, die US-Regierung dürfe sich mit der Zerstörung der B-53 nicht besonders rühmen. Schließlich seien in den vergangenen sieben Monaten nur zehn aktive Atomsprengköpfe zerstört worden, während das russische Arsenal sogar um 29 angewachsen sei.

Obama hatte sich wiederholt für eine atomwaffenfreie Welt eingesetzt. Er hatte im April 2009 versprochen, das Atomwaffenarsenal zu reduzieren. Im April 2010 hatten sich die USA und Russland mit dem neuen Start-Abrüstungsvertrag zu einer Verkleinerung ihres Atomwaffenarsenals verpflichtet. Das Abkommen begrenzt die Zahl der einsatzfähigen Atomsprengköpfe von bisher 2200 auf 1550 Stück pro Seite. Zugleich darf jedes Land nur noch über 700 Trägersysteme verfügen.

heb/AFP/dapd

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 85 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
deus-Lo-vult 26.10.2011
1. ...
Was nützt es, wenn diese Bombe durch kleinere und effektivere ersetzt wurde und diese NICHT zerstört wurden/werden? Leider gibt es noch viel zu viele dieser Massenvernichtungswaffen weltweit.
tailspin 26.10.2011
2. Nichts wegwerfen
Zitat von sysopEs ist das Ende der Monsterwaffen - die USA haben eine B-53 aus dem Kalten Krieg zerlegt: Es war das letzte Exemplar ihrer ältesten und zerstörerischsten Atombombe. Sie*hatte eine 600 Mal größere Sprengkraft als die Hiroshima-Bombe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794008,00.html
Die Bombe sah auf dem Photo doch noch ganz brauchbar aus. Ich habe diese Verschwendung von Steuergeldern dick.
Mario V., 26.10.2011
3. Sicherer?
Dieses Monster ist hoffnungslos veraltet. Dessen Zerlegung als Abrüstung zu verkaufen ist ja wohl nichts als fadenscheinig. Es geht doch eher um die Modernisierung des Arsenals, siehe auch hier: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,683553,00.html Jetzt haben die USA vielleicht keins von diesen alten Dingern mehr, aber noch genug modernere, um die ganze Welt in Schutt und Asche zu legen. Mehrfach. Ich sehe nicht wo die Welt jetzt sicherer geworden sein soll-
alcudi, 26.10.2011
4. Der Artikel...
ist irreführend und erzeugt den Eindruck, es gäbe nur noch "kleine" Atomwaffen. Tatsächlich gibt es neben den Sprengköpfen noch bis zu 10.000 Atomwaffen (z. B. Granaten), die alle eine Sprengkraft von mindestens der Hiroshima-Bombo haben. Die modernen Sprengköpfe sind so stark, dass schon im 1967er-Bertelsmann-Lexikon aufgeführt war, dass 3-4 reichen, um Deutschland komplett in eine verstrahlte Steinzeit zu bomben. Wie es dann ausschaut, kann man hier sehr gut sehen: http://www.youtube.com/watch?v=eT96sgTwmvo
syd_ 26.10.2011
5. Sind immer noch über 3000 stück ...
Naja ist ja schon ein guter Anfang aber es gibt ja dann immer noch über 3000 A-Bomben auf der Welt. Und da sind die von Indien, Pakistan etc. noch nicht dabei. Ich denke man kann die Welt auch damit noch sehr gut zu Grunde richten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.