US-Waffen-Debatte: Barack, der Ballermann
Schießt er? Oder schießt er nicht? Barack Obama hat sich kürzlich als Hobbyschütze geoutet und damit seine Gegner erzürnt. Sie halten das überraschende Bekenntnis für verlogen - und für einen Schachzug im Kampf um neue Waffengesetze. Nun hat das Weiße Haus mit einem Beweisbild reagiert.
Washington - Eine Friedenstaube beim Tontaubenschießen - das ist ja wohl ein schlechter Witz, oder? US-Präsident Barack Obama, der derzeit für schärfere Waffengesetze kämpft, sorgte in der vergangenen Woche mit einem Interview für Aufsehen, das in dem Politikmagazin "The New Republic" erschien. Befragt von Chris Hughes, einem Mitbegründer von Facebook und Unterstützer Obamas, gab der Präsident zu Protokoll, dass er ein begeisterter Sportschütze sei, der seinem Hobby "all the time" nachgehe, sehr häufig.
Um seine überraschende Aussage zu belegen, hat das Weiße Haus an diesem Samstag nun ein Bild des Präsidenten veröffentlicht. Es trägt als Datum den 4. August 2012, wurde demnach also an Obamas 51. Geburtstag gemacht und zeigt den US-Präsidenten mit Ohrenschützern, Schutzbrille und einem Gewehr, das er offenbar gerade abgefeuert hat: Um den Lauf herum sind Rauchschwaden zu sehen.
Doch warum sieht sich das Weiße Haus überhaupt veranlasst, mit der - etwas verzweifelt wirkenden - Veröffentlichung eines Bildes die Behauptung des Präsidenten stützen zu wollen? Seit dem Attentat von Newtown setzt sich Obama vehement für einschärferes Waffenrecht ein, nachdem er die Jahre zuvor dem politisch heiklen Thema aus dem Weg gegangen war. Nun aber hat er versprochen, seinen Teil tun zu wollen, um die "epidemische Gewalt" zu bekämpfen; am kommenden Montag etwa wird er in Minnesota eine Rede zum Thema halten.
Wer war mit Obama schießen?
Viele Beobachter nahmen Obamas Liebesbekenntnis zum "Skeet Shooting", Tontaubenschießen, nicht ernst und warfen ihm mehr oder minder direkt vor, sich aus rein taktischen Gründen das Hobby angedichtet zu haben, um der Waffenlobby im Land ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen zu können. Die Logik: Wer ein leidenschaftlicher Sportschütze ist, kann ja grundsätzlich nichts gegen Waffen haben.
Die mächtigen Waffenlobbyisten von der NRA betrieben ihrerseits zuletzt eine aggressive Kampagne; in Briefen und Rundschreiben an Mitglieder oder Sympathisanten wird die Auseinandersetzung als "Kampf des Jahrhunderts" beschrieben und Obamas Wiederwahl als "Beginn eines vier Jahre andauernden Alptraums". Zuletzt drohte ein NRA-Mann auf YouTube gar mit Bürgerkrieg.
Und so entwickelte sich die Frage, ob Obama schießt oder nicht schießt, zu einem brisanten Politikum. Die "Fact Checker"-Kolumne der "Washington Post" kam zu dem Ergebnis, dass sich Obama bis dato offenbar wirklich nie zu dieser Leidenschaft bekannt hatte; weder in früheren Reden noch in anderen Interviews hatte er sich als Hobbyschütze zu erkennen gegeben. Und auch kein Freund oder Gast des Präsidenten trat in die Öffentlichkeit, um dessen Faible fürs Tontaubenschießen zu bezeugen - so schreibt es jetzt die "New York Times".
Dort ist ebenfalls zu lesen, wie der ultrakonservative Nachrichtensender Fox News sich auf die Suche nach Zeugen machte und eine - anonym zitierte - Quelle fand, die aussagte, Obama habe zwar an Schießwettbewerben auf dem Präsidentensitz Camp David teilgenommen, aber eben nicht "all the time", wie er es behauptet hatte.
Ein bisschen Ballern reicht den konservativen Waffenfreunden also nicht, so die unterschwellige Botschaft des Fox-Berichts. Und tatsächlich stellt sich die Frage, ob Obama überhaupt eine Chance hat, sich glaubwürdig als maßvoller Waffenfreund zu inszenieren. Jon Stewart, Gastgeber der populären "Daily Show", bezweifelt das jedenfalls und sieht schon den Versuch zum Scheitern verurteilt: "Mr. Präsident, warum tun Sie das?"
tdo
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- Samstag, 02.02.2013 – 20:49 Uhr
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