Waffendealer But Spediteur des Todes

Er soll für die Taliban geflogen sein und al-Qaida bewaffnet haben: Wiktor But, berüchtigtster Waffenhändler der Welt, plünderte einst die Arsenale der Roten Armee und belieferte die Krisenregionen in Asien und Afrika. Jetzt will ihn Thailand an die USA ausliefern.

REUTERS

Von , Moskau


Wenn der Mann, den Russlands Medien den "Piraten der Lüfte" nennen und die Uno "Händler des Todes", über das Geheimnis seines Reichtums berichtet, dann wird es blumig. "Alles", pflegt Wiktor But dann zu sagen, "begann mit Gladiolen. Mein erstes Geld habe ich mit der Lieferung von Blumen am Persischen Golf verdient."

Internationale Rüstungsexperten, Menschenrechtler und US-Ermittler neigen zu einer völlig anderen Auffassung, wie But zu seinem Vermögen kam: Der 43-Jährige habe große Mengen Waffen aus dem Ostblock verschoben: Gewehre, schwere Waffen, sogar komplette Kampfjets soll But illegal verkauft haben, bevorzugt in die Krisenregionen Afrikas und Asiens.

Im Jahr 2000 bat der Uno-Sicherheitsrat eine Gruppe von Experten, die Einhaltung des Waffenembargos in Angola zu überprüfen, wo seit über 30 Jahren Bürgerkrieg tobte. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass die Guerillatruppe Unita trotz Handelsbann regelmäßig Nachschub erreichte - und dass es But war, der die Arsenale auffüllte.

Der ehemalige sowjetischen Leutnant hatte bereits in den neunziger Jahren ein kleines Luftfahrtimperium mit mindestens 28 Maschinen errichtet, meist Frachtmaschinen der Typen Iljuschin und Antonow aus dem Bestand des untergegangenen kommunistischen Regimes. Im Emirat Schardscha habe seine Fluglinie für das zweitgrößte Frachtaufkommen gesorgt, brüstete sich But einmal, gleich nach der Lufthansa. Der Flughafen am Golf diente But zeitweise als wichtiges Drehkreuz.

Im Jahr 2000 soll But russischen Medien zufolge mindestens 38 Deals mit Kämpfern in Asien und Afrika abgeschlossen haben. Allein der Unita habe er demnach Waffen im Wert von 15 Millionen Dollar geliefert, darunter Boden-Luft-Raketen, lenkbare Panzerabwehrsysteme und Artilleriegeschosse. Brüssel schrieb ihn kurz darauf international zur Fahndung auf, wegen Diamantenschmuggels und Geldwäsche.

Zu den guten Kunden zählte auch Liberias Diktator Taylor

Doch auch in Asien war But offenbar aktiv. Laut CNN hat der Russe Waffen an al-Qaida und an die Taliban verkauft. Zu seinen Kunden soll Charles Taylor, Ex-Präsident und Kriegsherr in Liberia, zählen, der sich derzeit in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten muss. But befriedigte offenbar aber auch die Nachfrage von Taylors Gegnern nach Kalaschnikows.

"Soweit ich weiß, hatte But keine prinzipiellen Vorlieben", sagte Alexander Schatilow vom Moskauer Institut für politische Konjunktur schon 2007. "Wie ein typischer Glücksritter verkaufte er Waffen an beide feindlichen Lager."

Und was sagt der Angeklagte selbst zu den Vorwürfen? Washington suche einen Sündenbock für seine "verfehlte Außenpolitik in Zentralafrika", behauptet But. Die Vorwürfe seien "fabriziert, und zwar unprofessionell", und überhaupt "Stoff wie aus einem Actionfilm in Hollywood", sagte er der Moskauer Tageszeitung "Kommersant".

Tatsächlich drehte Regisseur Andrew Niccol 2004 seinen Film "Lord of War - Händler des Todes" nach Versatzstücken aus der Biografie des Russen. Jeder zwölfte Mensch auf der Welt besitze eine Waffe, erklärt Hauptdarsteller Nicolas Cage alias Waffenhändler "Juri Orlow" in der ersten Szene und fragt gleich hinterher: "Wie bewaffnet man die anderen elf?"

In Russland konnte sich But frei bewegen - trotz Haftbefehls

Ein thailändisches Gericht hat am Freitag die Auslieferung des Waffenhändlers an die USA angeordnet.

But war im März 2008 von US-Agenten in Bangkok gefasst worden. Die Agenten hatten sich als Vertreter der kolumbianischen FARC-Rebellen ausgegeben und vorgegaukelt, Waffen kaufen zu wollen. But ging nach Angaben der Ermittler auf das Geschäft ein. Das US-Außenministerium hatte nach eigenen Angaben den thailändischen Botschafter in Washington einberufen und deutlich gemacht, dass der Fall But für die USA "höchste Priorität" habe.

In den USA droht But jetzt lebenslange Haft. Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte, die Entscheidung Thailands sei "traurig" und nur "auf sehr starken Druck von außen zustande gekommen". Vor zwei Jahren schon schwor Lawrows Behörde, der Fall sei für Moskau erst erledigt, wenn "Herr But wieder zu Hause ist".

2002 erklärte Russlands Interpolvertreter Moskaus Tatenlosigkeit mit der "Gewissheit, dass But nicht auf russischem Territorium ist". Nur eine halbe Stunde zuvor hatte der Radiosender Echo Moskau ein Interview mit dem international Gesuchten ausgestrahlt, in dem er prahlte, er habe "keine Probleme gehabt, sich in Moskau und Russland frei zu bewegen", und "hoffe, dass dies auch so bleibt".

Auch andere Waffenhändler mit Wurzeln in der Ex-Sowjetunion fühlen sich offenbar in Moskau wohl. Arkadi Gaydamak, russisch-israelischer Geschäftsmann, kandidierte zwar in Jerusalem für den Posten des Bürgermeister. Nachdem ein französisches Gericht ihn aber wegen illegaler Waffenlieferungen im Wert von 800 Millionen Dollar an angolanische Bürgerkriegsparteien zu sechs Jahren Haft verurteilt hatte, kehrte Gaydamak in seine Geburtsstadt zurück. Russland hat kein Auslieferungsabkommen mit Frankreich.

Halb schaudernd, halb bewundern meldete die russische Zeitung "Argumente der Woche", der bis zu zehn Milliarden Dollar schwere globale Markt für illegale Waffenlieferungen werde "beherrscht von unseren Leuten".

Seine Frau hält ihn für einen Poeten

Vor allem in den neunziger Jahren deckten sich die "Waffenoligarchen" in den reich gefüllten Arsenalen Russlands und anderer Ostblockstaaten ein, indem sie Armeeangehörige schmierten. Nicht selten zündeten sie die schlecht bewachten Depots anschließend an, um Spuren zu verwischen, davon ist der Moskauer Rüstungsexperte Ruslan Puchow vom Zentrum für Strategische und Technologische Analyse überzeugt. Allein auf Russlands Militärbasen seien 750 Eisenbahnwaggons mit Waffen verbrannt.

Buts Frau Alla dagegen mag an die Schuld ihres Mannes nicht glauben, er habe in Afrika lediglich "Strauße, Soldaten der Uno und Vieh" verfrachtet. Zudem sei der Gatte "romantisch und gefühlvoll. Er liest sehr viel und schreibt Gedichte. Er ist ein Poet und kein Waffenhändler".



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Seite 1
heinz.mann 20.08.2010
1. Interessant ist....
Zitat von sysopEr soll für die Taliban geflogen sein und*al-Qaida bewaffnet haben: Wiktor But, berüchtigtster Waffenhändler der Welt, plünderte einst die Arsenale der Roten Armee und belieferte die Krisenregionen in Asien und Afrika. Jetzt will ihn Thailand an die USA ausgeliefern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712987,00.html
seine Verbindung in die USA: Eine Zeit lang soll eine seiner Firmen Blauhelme in den Sudan geflogen haben. Brisanter jedoch ist, dass Bout offenbar im Auftrag Washingtons, nach der Invasion durch die USA, Waffen in den Irak geliefert hat. Ferner habe er mit dem privaten amerikanischen Militärdienstleister KBR, einer Tochterfirma von Halliburton, geschäftet. Vorsitzender von Halliburton war der spätere Vizepräsident der USA, Dick Cheney. Nun setzen die Anwälte des Russen alles daran, den Fall Viktor Bout auf das politische Parkett zu hieven. Bout habe ein völlig legales Air-Cargo-Geschäft betrieben. Seine Frau schildert ihn als sensiblen Menschen, ein kultivierter Philanthroph. Er sei hereingelegt worden, sagte Bout dem Gericht. Seine Festnahme sei politisch motiviert gewesen.
Hubert Rudnick, 20.08.2010
2. Waffenhänler
Zitat von sysopEr soll für die Taliban geflogen sein und*al-Qaida bewaffnet haben: Wiktor But, berüchtigtster Waffenhändler der Welt, plünderte einst die Arsenale der Roten Armee und belieferte die Krisenregionen in Asien und Afrika. Jetzt will ihn Thailand an die USA ausgeliefern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712987,00.html
-------------------------------------------------------- Nun haben sie mal wieder einen schmutzigen Waffenhändler gefasst und werden an ihm all ihre Wut auslassen, dabei ist dieser Mann doch auch nicht schlechter, als all diejenigen, die diese todbringenden Waffen entwickeln und produzieren. HR
Benjowi 20.08.2010
3. Pharisäer am Werk!
Es trifft in dem Fall sicher nicht den Falschen, doch nachdem die USA -vertreten von einem gewissen Richard Ch., jahrelang in großem Stil an einen gewissen Saddam H. oder auch an gewisse Warlords in Afghanistan Waffen der schmutzigsten Art verkauft haben, ist die Jagd auf den Russen sicher etwas, das mit ausgeprägtem Pharisäertum zu tun hat.
sgift 20.08.2010
4. Ach ja
Der wichtigste Satz ist mitten im Text "Soweit ich weiß, hatte But keine prinzipiellen Vorlieben" - was uebersetzt nichts anderes heisst als das er eben nicht nur Waffen an Regime verkauft hat, die die USA gerade unterstuetzen wollen. Und das duerfte dann auch der eigentliche Grund fuer die ganze Verhaftung sein. Als wuerden sich die USA neuerdings fuer einfache Waffenhaendler interessieren ..
grashalm, 20.08.2010
5. E-Stuhl sitzen, mit Selbstauslöser
Zitat von sysopEr soll für die Taliban geflogen sein und*al-Qaida bewaffnet haben: Wiktor But, berüchtigtster Waffenhändler der Welt, plünderte einst die Arsenale der Roten Armee und belieferte die Krisenregionen in Asien und Afrika. Jetzt will ihn Thailand an die USA ausgeliefern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712987,00.html
damit es niemand merken soll benutzen diktatorische Machthaber annonyme Waffenhändler, und bezahlen diese Händler mit dem Geld, dass der arbeitenden, nicht ins Bild gesetzten, unter politischer Geiselhaft stehenden Bevölkerung abgenommen wird. die offiziellen Waffenhersteller, welche an andere verkaufen sind gesinnungsmässig genau gleich verbrecherisch. emotional betitelt, nicht aber abgeschlachtet
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