SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Juni 2012, 19:29 Uhr

Helikopter für Syrien

Russischer Waffenfrachter dreht ab

Der russische Frachter "MV Alaed", der offenbar Waffen für Syrien an Bord hat, ist auf dem Weg zurück nach Russland. Das sagte der britische Außenminister William Hague. Das Schiff lag zuletzt vor der Küste Schottlands - und sorgte für scharfe Reaktionen bei den Briten.

London - Der russische Frachter, auf dem Waffen für das syrische Regime vermutet werden, ist offenbar vor der Küste Schottlands abgedreht - und auf dem Weg zurück nach Russland. Der britische Außenminister William Hague sagte in London, das Schiff sei umgekehrt, nachdem die Versicherung die Haftung entzogen hatte. Der Frachter sei "offenbar zurück Richtung Russland unterwegs", sagte Hague.

Der unter russischer Flagge fahrenden "MV Alaed" wurde zuvor die Versicherung durch eine britische Gesellschaft gekündigt, weil sie eine Waffenlieferung für Syrien an Bord haben soll. Der britische Schiffsversicherer Standard Club sah sich zu diesem Schritt veranlasst, nachdem er einen Hinweis von Sicherheitsexperten erhalten hatte.

Der Frachter lag zuletzt vor der Inselgruppe der Hebriden vor Schottland.

Außenminister Hague machte die Position der Regierung im britischen Parlament klar: Es bestehe ein Waffenembargo der Europäischen Union gegen Syrien. "Wir raten jedem anderen davon ab, Waffen nach Syrien zu liefern. Wir haben darüber speziell mit Russland diskutiert", sagte Hague.

Laut einem Bericht des "Telegraph" werden auf der "Alaed" russische Waffen vermutet, unter anderem Kampfhubschrauber vom Typ Mi25. Sie waren in Kaliningrad an Bord gebracht worden. Das ursprüngliche Ziel der Lieferung war demnach Syrien.

Die von der EU verhängten Sanktionen gegen die syrische Regierung betreffen auch die Versicherungswirtschaft. Dadurch soll sichergestellt werden, dass keine Geschäfte mit dem Regime von Machthaber Baschar al-Assad geführt werden.

Das Schiff der russischen Reederei Femco war in der Nordsee unterwegs und dem Bericht zufolge auf dem Weg ins Mittelmeer. Wahrscheinlich sei sein Ziel der syrische Hafen von Tartus gewesen, berichtete der "Telegraph". Dort unterhält Russland auch eine Marinebasis. Die "MV Alaed" habe nahe der niederländischen Küste einen abrupten Kurswechsel vorgenommen und sei dann Richtung Schottland gesteuert.

Die USA hatten Russland in der vergangenen Woche die Lieferung von Kampfhubschraubern nach Syrien vorgeworfen. Moskau wies dies jedoch zurück und beschuldigte seinerseits Washington, die syrischen Rebellen mit Waffen zu versorgen.

Am Montag meldete die Nachrichtenagentur Interfax zudem, dass Russland die Entsendung zweier Kriegsschiffe nach Tartus vorbereite.

In Syrien lässt Präsident Assad seit Mitte März 2011 einen Aufstand gegen seine Regierung blutig niederschlagen. Bislang wurden dabei nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 14.000 Menschen getötet.

fab/AP/Reuters

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH