Waffenkontrollen Irak will Inspektoren bespitzeln

Der Irak ist offenbar nicht bereit, seine Wissenschaftler von Waffeninspektoren der Uno befragen zu lassen, ohne dass irakische Regierungsbeobachter dabei sind. Uno-Chefinspektor Hans Blix fordert nun eine neue Resolution des Sicherheitsrats.


New York - Blix informierte den Sicherheitsrats der Vereinten Nationen über den Stand der Verhandlungen mit dem Irak. Er führte aus, dass mit dem Irak zwar Einigkeit über die meisten praktischen Voraussetzungen für Inspektionen erzielt wurden, doch sei Bagdad nicht bereit, der Forderung nach Befragung von irakischen Wissenschaftlern ohne Anwesenheit von Regierungsbeobachtern zu entsprechen.

"Worauf wir jetzt warten, sind nicht so sehr weitere Klarstellungen (des Irak), die wir gerne hätten, sondern eine neue Resolution des Sicherheitsrats", sagte Blix am Dienstag nach der Unterrichtung des Uno-Sicherheitsrats.

"Wir haben jetzt fast vier Jahre gewartet, also haben wir ein wenig Geduld", sagte Blix weiter. Er rechne damit, dass zehn Tage nach einer Ratsresolution Teams in den Irak aufbrechen könnten. Der im Rat umstrittene Resolutionsentwurf der USA enthält indes Regelungen, die eine Wartezeit von 30 Tagen bedeuten könnten.

Die USA und Großbritannien bemühen sich im Sicherheitsrat um eine neue, schärfere Resolution, die zur Durchsetzung der Waffeninspektionen auch militärische Gewalt androhen soll. Die übrigen ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats mit Vetorecht - Frankreich, Russland und China - haben sich skeptisch geäußert. Frankreich dringt nach wie vor auf ein abgestuftes Vorgehen. In einer ersten Resolution sollen die Regeln für neue Waffeninspektionen abgesteckt werden; nur wenn Irak dem zuwider handelt, soll der Rat eine zweite Resolution mit der Ermächtigung zu militärischer Gewalt beschließen.

In Großbritannien hat die öffentliche Zustimmung zu einem Irak-Angriff nach den Bombenanschlägen von Bali zugenommen. Nach einer am Mittwoch von der linksliberalen Zeitung "The Guardian" veröffentlichten Umfrage sind nun 42 Prozent der Briten für ein Vorgehen gegen Saddam Hussein - zehn Prozentpunkte mehr als noch vor einer Woche. Der Anteil der erklärten Gegner einer Militärintervention sank von 41 auf 37 Prozent.

35 Prozent der 1008 Befragten sagten dagegen, das Terrornetzwerk al-Qaida solle statt des Iraks Gegenstand der internationalen Bekämpfung sein. Vor einem Einsatz britischer Soldaten müssen nach Ansicht von 85 Prozent die Vereinten Nationen zustimmen. 81 Prozent forderten eine vorherige Zustimmung des britischen Unterhauses.



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