Waffenruhe im Libanon-Krieg Plötzlich trat Stille ein

Von einer Minute zur anderen wurde es plötzlich ganz leise im Kriegsgebiet. Um 7 Uhr deutscher Zeit ließen die Kontrahenten entsprechend der vereinbarten Uno-Resolution die Waffen schweigen. In den Stunden zuvor hatten sich Israel und die Hisbollah noch mit größter Härte bekämpft.


Beirut/Jerusalem - Die heute früh nach gut fünf Wochen heftiger Kämpfe in Kraft getretene Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah wird libanesischen Sicherheitskreisen zufolge eingehalten. Mit dem offiziellen Beginn des Waffenstillstands um 7 Uhr MESZ habe es keine Kampfhandlungen mehr im Südlibanon gegeben, heißt es. Plötzlich sei es vollkommen still im Süden des Landes gewesen. Ein oder zwei Minuten vor der Frist habe Israel noch Luftangriffe geflogen und das Gebiet beschossen. Auch die Hisbollah halte sich an die Waffenruhe.

Waffenruhe: Israelische Soldaten verlassen heute früh den Libanon
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Waffenruhe: Israelische Soldaten verlassen heute früh den Libanon

Ein israelischer Militärsprecher erklärte, die Truppen seien angewiesen worden, auf Kampfhandlungen zu verzichten. Sie würden aber dennoch alles tun, um Angriffe von Seiten der Hisbollah zu verhindern. Außerdem werde die Luft- und Seeblockade gegen den Libanon aufrechterhalten, hieß es. Erst müsse sichergestellt sein, dass der Schmuggel von Waffen gestoppt werden könne. Die Waffenruhe war von den Vereinten Nationen in einer Resolution gefordert worden. Sie sieht auch die Entsendung von 15.000 Friedenssoldaten vor, die den Waffenstillstand sichern sollen.

Die israelische Regierung erklärte sich am Morgen bereit, sich umgehend aus dem Libanon zurückzuziehen. Voraussetzung sei jedoch, dass kein Machtvakuum hinterlassen werde, welches von der Hisbollah ausgenutzt werden könne, sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums Mark Regev im ZDF-"Morgenmagazin". Sein Land werde daher erst dann seine Truppen abziehen, wenn diese durch internationale Kräfte und die libanesische Armee ersetzt würden.

Kurz nach dem Inkrafttreten des Waffenstillstands in der Region sicherte Regev zu, Israel werde die Uno-Resolution "strikt" einhalten. Er hoffe, auch der Libanon werde seinen Teil dazu beitragen. Die Hisbollah dürfe nicht in die Lage versetzt werden, den Waffenstillstand zu torpedieren, forderte Regev, der von einem "sehr schwierigen Krieg" sprach.

Die israelische und die libanesische Regierung hatten am Wochenende einer "Einstellung der Feindseligkeiten" zugestimmt. Grundlage ist die in der Nacht zu Samstag im Uno- Sicherheitsrat verabschiedeten Resolution 1701. Grundlage ist die in der Nacht zu Samstag im Uno- Sicherheitsrat verabschiedeten Resolution 1701. Die Hisbollah wurde darin aufgefordert, den Beschuss israelischen Gebiets einzustellen. Israel soll seine "offensiven Militäroperationen" beenden und sich aus dem Südlibanon zurückziehen.

In den frühen Morgenstunden hatten israelische Kampfflugzeuge noch ein Dorf in der Nähe der Hisbollah- Hochburg Baalbek und ein Büro der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) am Rand eines palästinensischen Flüchtlingslagers in Sidon beschossen. Über mögliche Opfer ist bisher nichts bekannt. Gestern Abend wurden nach Angaben des libanesischen Zivilschutzes bei der Bombardierung eines Dorfs in der Nähe von Baalbek mindestens sieben Menschen getötet.

Bei dem Angriff in Brital seien rund 20 Menschen verletzt worden, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes. Drei Häuser seien zerstört worden, unter den Trümmern würden weitere Opfer vermutet. Brital liegt etwa 15 Kilometer von Baalbek entfernt. In einem der getroffenen Häuser sei ein Büro der Hisbollah-Miliz untergebracht gewesen, erklärten Anwohner.

Über Beirut warfen israelische Kampfflugzeuge heute Flugblätter ab, in denen vor weiteren Angriffen gegen Israel gewarnt wurde. Die Streitkräfte würden "mit der notwendigen Gewalt gegen jeden terroristischen Akt" vorgehen, hieß es. Die Hisbollah habe der Bevölkerung Zerstörung, Vertreibung und Tod gebracht. "Werdet ihr diesen Preis noch einmal zahlen können?" war auf einem Flugblatt zu lesen.

Schwere Gefechte kosteten gestern im Südlibanon fünf israelische Soldaten das Leben. Die Hisbollah feuerte mehr als 250 Raketen auf den Norden Israels ab, so viele wie noch nie an einem Tag seit Beginn der israelischen Offensive am 12. Juli. Ein Mann wurde nach Angaben von Rettungskräften getötet, als ein Geschoss in einem Haus einschlug. 53 Menschen seien verletzt worden, zwei von ihnen schwer.

Seit Beginn des militärischen Konflikts mit Israel vor einem Monat feuerte die Hisbollah mehr als 4000 Raketen auf israelisches Territorium, wie der israelische Militärrundfunk am Sonntag berichtete. Seit Beginn des Konflikts sind im Libanon mindestens 1082 Menschen getötet worden, die Mehrzahl davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 144 Menschen, die meisten davon Soldaten.

ler/AP/dpa/Reuters/ddp

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