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Feuerpause in Syrien: "Diese Ruhe hat etwas Befremdliches"

Waffenpause in Syrien: Unbeschwerte Stunden Fotos
DPA

In weiten Teilen Syriens erobern die Menschen die Straßen zurück. Sie nutzen die vereinbarte Waffenruhe für ein bisschen Normalität. Im Norden gab es jedoch offenbar wieder Artilleriefeuer und Luftangriffe.

Nach fast fünf Jahren Bürgerkrieg trauen sich die Menschen in Syrien jetzt vielerorts vor die Türen ihrer Häuser. Sie nutzen die seit Freitagabend geltende Waffenruhe - denn sie wird offenbar weitgehend eingehalten.

Reporter von Nachrichtenagenturen berichten aus Aleppo und Damaskus, dass sich viele Syrer nun wieder draußen aufhalten. Laut einer AFP-Korrespondentin herrscht in der Innenstadt von Damaskus außergewöhnlich reger Betrieb.

"Diese Ruhe hat etwas Befremdliches." So beschreibt der 45-jährige Bäcker Abu Omar aus Aleppo die Lage. "Wir sind es gewohnt, mit dem Lärm von Luftangriffen und Artillerie einzuschlafen und wach zu werden."

Die Feuerpause hatte am späten Freitagabend um 23 Uhr Ortszeit (22 Uhr MEZ) begonnen. Ausgenommen vom Waffenstillstand sind Gebiete, in denen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und die Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida, operieren.

Sieben Dörfer angegriffen

Offenbar wird die Vereinbarung aber nicht überall eingehalten. Mehrere Dörfer im Norden und im Zentrum Syriens sollen am Sonntagmorgen nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte aus der Luft angegriffen worden sein. In der Provinz Aleppo sei dabei ein Mensch getötet worden, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Er konnte nicht sagen, ob die Luftangriffe von syrischen oder russischen Kampfflugzeugen ausgingen.

Nach den Auskünften Rahmans liegt nur eines der angegriffenen sieben Dörfer im Einflussbereich der Nusra-Front, die anderen werden demnach von der syrischen Opposition kontrolliert.

Die meisten Menschen starben bei einem IS-Angriff. Die Dschihadisten attackierten die Kurdenmiliz YPG in der Grenzstadt Tel Abjad. Dabei wurden den Menschenrechtlern zufolge mindestens 70 IS-Anhänger, 20 Kämpfer der Kurden und ihrer Verbündeten sowie zehn weitere Menschen getötet.

25 zivile Todesopfer gab es demnach an anderen Orten des Landes durch Mörserbeschuss und Schießereien, zwei Menschen starben in der belagerten Stadt Daraja nahe der Hauptstadt Damaskus, weil dort Essen und Medizin fehlen. Mehr als 40 Kämpfer starben bei vereinzelten Gefechten in verschiedenen Landesteilen. Zudem sei ein Gefangener in einem staatlichen Gefängnis zu Tode gequält worden, berichteten die Menschenrechtsbeobachter.

Die Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Russen zählten neun Brüche der Waffenruhe

Von russischer Seite heißt es, die Waffenruhe sei in den vergangenen 24 Stunden neun Mal gebrochen worden. Das gab das russische Koordinationszentrum in Syrien, das die Feuerpause überwacht, am Sonntag bekannt. Insgesamt werde der Waffenstillstand in dem Land aber eingehalten.

Der fünf Jahren dauernde Bürgerkrieg hat bislang mindestens 250.000 Menschen das Leben gekostet. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung floh vor den Kämpfen.

Die USA und Russland hatten sich Anfang der Woche auf die Feuerpause geeinigt. Die syrische Regierung von Baschar al-Assad, das in der saudischen Hauptstadt Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Regimegegner und rund hundert Milizen haben der Waffenruhe zugestimmt.

Die Waffenruhe soll den Weg ebnen für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche am 7. März. Dieses Datum hatte Uno-Sondervermittler Mistura am Freitag dem Weltsicherheitsrat kurz vor Inkrafttreten der Feuerpause mitgeteilt. Bedingung sei allerdings, dass die Waffenruhe weitgehend eingehalten werde.

ler/AFP/Reuters

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1. Mein Kommentar zum Thema
bertholdalfredrosswag 28.02.2016
Natürlich gibt es da nur einen Wunsch, dass die Verständigung der verfeindeten Parteien gelingt. Hätten die USA das schon vor fünf Jahren angestrebt statt die Opposition mit Waffen und Geld zu unterstützen, hätte das ganze Elend nicht zustande kommen müssen. Zuerst ist in Syrien die Säkularität zu verteidigen und aus Gründen der Vernunft unabdingbar. Wenn extreme Islamisten das zu ihrem Machtvorteil mit Gewalt ändern wollen und Assad sich dem nicht beugte könnte ich sein Verhalten begreifen. Das muss jetzt verhandelt werden und es kann nur eine Vernunft geben die darin zum Ausdruck kommt dass die Säkularität auf jeden Fall erhalten bleiben muss. Wer das verhindern will ist ein anmaßender Terrorist. Entweder er bekehrt sich zur Menschlichen Vernunft oder muss als brutaler Egoist eliminiert werden. Ich fürchte nur, dass die USA da im geheimen anderer Ansicht sind und lieber einer moslemischen Diktatur in den Sattel helfen die sich dann ihnen auch verpflichtet, ihren Geschäftsinteressen entgegen zu kommen.
2. Es wäe gut, wenn wieder Sekularismus herrschen würde
niktim 28.02.2016
Zitat von bertholdalfredrosswagNatürlich gibt es da nur einen Wunsch, dass die Verständigung der verfeindeten Parteien gelingt. Hätten die USA das schon vor fünf Jahren angestrebt statt die Opposition mit Waffen und Geld zu unterstützen, hätte das ganze Elend nicht zustande kommen müssen. Zuerst ist in Syrien die Säkularität zu verteidigen und aus Gründen der Vernunft unabdingbar. Wenn extreme Islamisten das zu ihrem Machtvorteil mit Gewalt ändern wollen und Assad sich dem nicht beugte könnte ich sein Verhalten begreifen. Das muss jetzt verhandelt werden und es kann nur eine Vernunft geben die darin zum Ausdruck kommt dass die Säkularität auf jeden Fall erhalten bleiben muss. Wer das verhindern will ist ein anmaßender Terrorist. Entweder er bekehrt sich zur Menschlichen Vernunft oder muss als brutaler Egoist eliminiert werden. Ich fürchte nur, dass die USA da im geheimen anderer Ansicht sind und lieber einer moslemischen Diktatur in den Sattel helfen die sich dann ihnen auch verpflichtet, ihren Geschäftsinteressen entgegen zu kommen.
Die bewaffneten Rebellen und Terroristen werden einen sekulären Staat nicht zulassen. Zu dieser Problematik äüßerte sich mal Herr Laschet , der stellvertretende Vorsitzende der CDU. Es sagte am 26.10. bei Phönix folgendes! “…endlich diplomatische Anstrengungen unternommen (er meinte Russland), um den syrischen Bürgerkrieg zu beenden. Da hat man 3-4 Jahre nur zugeschaut und nichts gemacht. Ja, ich glaub besonders der Westen und da war viel Illusion im Spiel und man glaubte, dass jede arabische Opposition arabischer Frühling war. Ich habe Anfang 2013 etwas länger geschrieben, was die Christen uns vor Ort gesagt haben. In diesem alten assadschen Staat, Assad war ein Diktator ohne Zweifel, aber in diesem Staat gab es das alle Religionen ihren Raum und Rechte hatten nirgendwo in der arabischen Welt konnten sie so ihre Religion leben wie in Syrien. Dann haben wir gesagt toll Opposition und jedes Dorf, wo die Opposition gewonnen hatte , hat die Scharia als erstes eingeführt. Das war Al Nusra, verbunden mit Al Kaida und dem IS, der von Katar und Saudi Arabien finanziert wird. Das war die Lage. Seitdem haben wir diesen Krieg…“ Auch die ach so gemäßigten Rebellen wollen einen islamistischen Staat, keinen sekulären!!!
3.
Ausländer78 28.02.2016
Zitat: "Die meisten Menschen starben bei einem IS-Angriff. Die Dschihadisten attackierten die Kurdenmiliz YPG in der Grenzstadt Tel Abjad." Warum wird nicht erwähnt,dass diese Stadt an die TÜRKISCHE Grenze liegt? Und wie sind die IS-terroristen in diese Stadt gekommen? Es gibt nur ein Weg-aus Türkei
4. Im Interesse der Menschen
Wolfgang Heubach 28.02.2016
Die Feuerpause gibt einen kleinen Funken Hoffnung. Im Interesse der Menschen wäre es wichtig, wenn dadurch eine politisch-diplomatische Lösung auf den Weg gebracht werden könnte. Insofern stehen nicht nur Russland, sondern auch die USA mit der Türkei und Saudi-Arabien in einer besonderen Verantwortung und Verpflichtung.
5. wo bleibt die Neutralität?
mundi 28.02.2016
Zitat von Wolfgang HeubachDie Feuerpause gibt einen kleinen Funken Hoffnung. Im Interesse der Menschen wäre es wichtig, wenn dadurch eine politisch-diplomatische Lösung auf den Weg gebracht werden könnte. Insofern stehen nicht nur Russland, sondern auch die USA mit der Türkei und Saudi-Arabien in einer besonderen Verantwortung und Verpflichtung.
Wenn in einem fremden Land Bürgerkrieg herrscht, so haben Länder wie Deutschland aber auch die EU zunächst Neutralität zu wahren. Dies war von Anfang an nicht so. Nicht in Afghanistan, nicht in der Ukraine, nicht in Libyen und auch nicht in Syrien. Deshalb gehören die sogenannten Kriegsflüchtlinge, egal ob IS- oder Assadanhänger, zunächst in ein Internierungslager. Integrationskurse für das Geld der Steuerzahler sind sinnlos. "besonderen Verantwortung und Verpflichtung" gibt nur dann, wenn es militärische Strategie oder um Bodenschätze geht.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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