Kairo - Im Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen tritt die für die Nacht geplante Waffenruhe offenbar nicht in Kraft. Ein hoher Hamas-Offizieller sagte am Abend, Israel habe noch nicht auf den Vorschlag reagiert: "Wir müssen bis morgen warten". Auch ägyptische Medien meldeten am Abend, Kairo warte noch auf Israels endgültige Antwort auf den Plan für eine Waffenruhe. Eine Reaktion Israels gab es dazu vorerst nicht.
Die radikalislamische Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad hatte ursprünglich für den Abend eine Pressekonferenz mit der Hamas und den ägyptischen Vermittlern angekündigt. Auch das Zweite Israelische Fernsehen hatte berichtet, dass um 20.00 Uhr MEZ in Kairo eine Waffenruhe ausgerufen werden sollte. Doch die Zeit verstrich ohne die entsprechende Ankündigung.
Eine sofortige Waffenruhe scheint nun wieder in die Ferne gerückt zu sein: US-Außenministerin Hillary Clinton, die am Abend in Jerusalem gelandet war, sagte, sie werde "in den kommenden Tagen" mit Israel und Ägypten an einem Waffenstillstand für Gaza arbeiten. Es müsse eine dauerhafte Lösung für Israelis und Palästinenser gefunden werden, um die Gewalt zu beenden.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekräftigte bei dem Treffen mit Clinton seine Position: Er bevorzuge eine diplomatische Lösung für Gaza - aber er werde auch jedes notwendige Mittel ergreifen, um die Raketen zu stoppen.
Am Nachmittag hatte ein hochrangiger Hamas-Sprecher in Kairo bereits eine Einigung verkündet. Daraufhin widersprachen sowohl die Regierung Israels als auch das an den Verhandlungen beteiligte Ägypten. "Der Ball ist noch im Spiel", sagte ein israelischer Sprecher dem Sender CNN. Auch ein Vertreter Ägyptens sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Gespräche liefen noch.
Aus den Verhandlungen wurde bekannt, dass ein Überwachungsmechanismus die Grundlage des Waffenstillstands sein soll, an dem Sicherheitsvertreter Israels, Ägyptens und der USA beteiligt sein sollten. Der Sender berichtete unter Berufung auf Regierungskreise in Jerusalem, die Vereinbarung solle den Einwohnern im Süden Israels zumindest ein bis zwei Jahre Ruhe gewährleisten.
Am Abend noch flog die israelische Luftwaffe neue Angriffe, bei der mindestens 16 Palästinenser getötet wurden. Damit starben insgesamt mehr als 125 Palästinenser bei Angriffen im Gaza-Streifen. Fast tausend Menschen wurden verletzt. Die Angriffe hatten begonnen, als eine 56-köpfige Delegation arabischer Außenminister und Diplomaten auf Solidaritätsbesuch durch Gaza-Stadt fuhr. Dazu gehörten auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, und der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu.
Die Zahl der getöteten Israelis stieg auf fünf. Die israelische Armee bestätigte am Dienstag den Tod eines 18 Jahre alten Soldaten in Eschkol im nordwestlichen Negev durch einen Raketentreffer. Das Verteidigungsministerium gab kurz darauf bekannt, dass zudem ein ziviler Angestellter der Armee durch eine aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Rakete getötet worden sei. Medienberichten zufolge starb auch er in der Region von Eschkol.
Bei den israelischen Bombardements kamen nach palästinensischen Berichten auch zwei Kameramänner einer Fernsehstation der Hamas ums Leben. Die Luftwaffe habe ihr Auto angegriffen, obwohl es als Pressefahrzeug gekennzeichnet gewesen sei, hieß es nach der Attacke. Israel bestätigte nur die Luftangriffe.
fab/dpa/Reuters
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