Waffenschau: Dschihad à la James Bond

Von Yassin Musharbash

Selbstgebaute Raketen, Schalldämpfer Marke Eigenbau und als Höhepunkt: ein ferngesteuertes Auto. In einem Propagandavideo zeigt die irakische Terrorgruppe Ansar al-Islam ihre Waffenschmiede.

Terroristen im Irak: Waffen Marke Eigenbau Fotos

Der Irak ist noch immer weit davon entfernt, ein ruhiges Land zu sein - nach wie vor explodieren täglich Sprengsätze terroristischer Gruppen. Nun, da die US-Armee die meisten ihrer Basen räumt, verschiebt sich der Fokus der Radikalen. Zwar stehen die Institutionen des neuen Irak wie Polizei und Armee schon seit Jahren im Visier der irakischen Dschihadisten, aber bald werden diese der weithin einzige sichtbare Gegner sein - Experten befürchten schon jetzt eine neue Gewaltwelle.

Eine dieser Gruppen, die mit Sprengsätzen, Granaten und Raketen den Irak ins Chaos stürzen will, um einen Gottesstaat nach ihren Vorstellungen herbeizubomben, ist Ansar al-Islam. Vor einigen Tagen veröffentlichte die Truppe eine Vorschau auf ein bald in voller Länge zu sehendes Video mit dem (etwas frei übersetzten) Titel "Waffen ohne Ende".

Die Gruppe zeigt darin ihre Waffenschmieden und stellt eine Ingenieursbrigade vor. Ein vermummter Sprecher tönt, die Gruppe habe es zu wahrer Meisterschaft in der Produktion von Kampfmitteln gebracht und sei in dieser Hinsicht im Grunde autark.

Tatsächlich haben sich die irakischen Dschihadisten stets als teuflisch innovativ herausgestellt - von Beginn des Aufstandes an bauten sie hochkomplexe Sprengsätze, die sie immer weiter verfeinerten. Sogar al-Qaidas Zentrale im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ließ sich irakische Terroristen einfliegen, um ihre Bombenbastler zu schulen, glauben Geheimdienste.

Ferngelenkte Maschinengewehr-Lafette

In der knapp vier Minuten langen Preview präsentieren die Terroristen stolz ihre selbstgebauten Kurzstrecken-Raketen, die sie propagandawirksam in der Wüste abfeuern. Außerdem zeigen sie selbstproduzierte Schalldämpfer, Waffenbastler an Fräs- und Schleifmaschinen, beim Löten von Schaltkreisen und so weiter und so fort. Dramaturgischer Höhepunkt: Die Vorführung eines ferngesteuerten Autos - Dschihad à la James Bond sozusagen. Auch eine aus der Distanz gelenkte Maschinengewehr-Lafette taucht auf.

Die Botschaft ist klar propagandistisch: Wir bauen uns unsere Waffen selbst, sind innovativ, schlagen die Gegenseite mit ihren eigenen Mitteln, sind keine Krieger aus dem Mittelalter. Natürlich kann man sich trotzdem über die krude Robotertechnik lustig machen. "Wir hatten im Zweiten Weltkrieg fortschrittlichere ferngesteuerte Waffen", kommentierte ein westlicher Leser im Technik-Blog "Wired", das ebenfalls über das Video berichtete.

Das mag sein. Aber es ändert nichts daran, dass Ansar al-Islam seit Jahren eine schreckliche Blutspur durch den Irak zieht. Allein in den letzten Tagen bekannten sie sich zu mehreren tödlichen Attacken auf Polizisten und Stammeskämpfer, die gegen al-Qaida und Co. vorgehen. Für diese Art von Krieg und Terror reichen die Fähigkeiten des Bastler leider vollkommen aus.

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