Waffenschieber Wiktor But: Das private Filmarchiv des "Händler des Todes"

Von Thomas Heise

Wiktor But war lange einer der geheimnisumwittertsten Waffenhändler der Welt. Nicolas Cage spielte ihn im Film "Händler des Todes". SPIEGEL TV Magazin ist es jetzt gelungen, anhand von exklusivem Foto- und Filmmaterial das verborgene Leben des Wiktor But zu beleuchten.

Hamburg - Als Wiktor But am Nachmittag des 21. Januar 2011 den Verhandlungssaal des New Yorker Bundesgerichts betritt, gilt erhöhte Sicherheit. Fernsehkameras sind verboten, fotografieren ebenso. Ermittler der amerikanischen Drogenbehörde DEA hatten But rund zwei Jahre zuvor in Thailand eine Falle gestellt und ihn festgenommen. Dem 44-jährigen Russen wird Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, Geldwäsche und Verschwörung zum Mord an US-Bürgern vorgeworfen. Sollte But eines Tages sein Wissen preisgeben, könnte es für Regierungen und Warlords auf der ganzen Welt gefährlich werden.

Es war die Gier, die ihn unvorsichtig werden ließ. Der verlockende Gewinn von ein paar Millionen Dollar aus einem letzten großen Waffendeal. Die kolumbianische Rebellenorganisation FARC hatte über einen Kontaktmann bei dem Russen in Moskau nachgefragt, ob er liefern könne und ob man sich nicht treffen wolle. Als But hörte, dass es um ein Volumen von zwölf Millionen Dollar geht, wird er schwach. Er trifft sich schließlich im März 2008 mit einem Kommandanten und einem Offizier der FARC in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Dumm nur, dass die angeblichen FARC-Rebellen DEA-Agenten sind und nur eines wollen: Wiktor But.

Von all dem ahnt der "Händler des Todes" nichts. Im Konferenzraum des Sofitels kommt es zum Showdown. Zuständig für die Operation war Special-Agent Michael Braun: "Als er in diesem Konferenzraum auftaucht, gab es schon keine Zweifel mehr. Als er da saß und sein Maul aufmacht, den Deal mit den V-Männern zu verhandeln, gibt es gar keine Zweifel mehr. Der Rest war dann das Sahnehäubchen obendrauf", erklärt er SPIEGEL TV. Die angeblichen FARC-Leute stellen eines gleich zu Anfang klar und erklären: "Wir kämpfen gegen die kolumbianische Armee und gegen die Vereinigten Staaten."

But glaubte fest an die Ideale der untergegangenen Sowjetunion

But tappt ahnungslos in Falle. Er findet ihre Haltung offensichtlich sympathisch: auch er kämpfe gegen Amerika, das seien auch seine Feinde, kein Problem, wenn die FARC US-Piloten abschießt. Zwei Stunden lang wird verhandelt, über die Lage in der Welt im allgemeinen und den Kommunismus im besonderen geredet. Dann schlägt die thailändische Polizei zu und verhaftet But. In einem verdeckt gedrehten Interview im Gefängnis gibt er sich harmlos: "Ja, wir haben Waffen transportiert. Für die französische Militärbasis in Istres. Wir haben mehr als einhundertzwanzig Flüge mit den Antonows organisiert. Damals war es legal. Erst jetzt gilt es als ungesetzlich."

Aber er war wohl mehr als nur ein Spediteur.

Auf SPIEGEL TV exklusiv vorliegenden Aufnahmen sieht man But zum Beispiel in einem Militärcamp in Ruanda. Die Bilder sind eine kleine Sensation, denn bisher ist völlig unbekannt, dass But auch in diesem afrikanischen Staat aktiv war. Paramilitärs trainieren für den Ernstfall, als But die Szenerie betritt. "Wir üben gerade Nahkampf", meldet ihm ein russischer Offizier. "Wieviele von denen taugen was?", fragt But. "So vierzig bis fünfzig", gibt der Offizier zurück. Die Soldaten tragen sogar Schutzkleidung gegen chemische Angriffe.

Außerdem sieht man But bei Verhandlungen mit Afrikanern. Es geht um den Abbau und die Verarbeitung von Gold, Coltan und sogenannten "Blutdiamanten".

But lobt die Ideale der untergegangenen Sowjetunion, wie ein anderer Filmausschnitt zeigt: Auf einem Treffen ehemaliger Rotarmisten lässt But im Februar 2008 "das Heldentum und die Tradition der Waffenbrüderschaft über Generationen hinweg" hochleben. Einen Monat später wird er in Thailand verhaftet.

Als But im November 2010 in die USA überstellt wird, verkündet der zuständige Staatsanwalt: "Heute, im Bundesgericht hier in Manhattan, begegnet Wiktor But nun der amerikanischen Justiz. Der sogenannte "Händler des Todes" ist jetzt unser Gefangener".

Der Prozessbeginn ist für den 12. September 2011 datiert.


SPIEGEL TV Magazin, Sonntag den 30.01.2011 um 22.15 Uhr RTL

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1. Ich frag mich bei
hilfloser 30.01.2011
solchen Typen immer: Was für ein abenteuerliches Leben die leben. Was sind das für Leute? Was geht in deren Köpfen vor? Ich hab Schiß die Steuer um 400 Km "Wegegeld" zu bescheißen und der vertickt Millionen von Waffen in alle Krisenherde dieser Welt; stellt Kontakte her, trifft sich mit Dispoten, Massenmördern, Drogenbaronen und verkauft denen Waffen wie der Bäcker seine Vollkornbrote. Natürlich gehört der weggesperrt und die Amerikaner werden ihn wohl eine Strafe aufbrummen zwischen 250 und 400 Jahren. Aber irgendwie finde ich solche Gestalten und deren Lebenswege auch "phantastisch". Wahrscheinlich liegst daran das ich selbst so ein Langweiler bin.
2. Der Film
freeagent 30.01.2011
"Lords of War" ist vielschichtiger. Wenn der Spiegel schon den Anfang des Films mit in seine Reportage aufnimmt, dass sollte er auch den Schluss mit aufnehmen. Ansonsten wird die Geschichte zu schwarz-weiß.
3. Einer weg, eine neuer kommt
iron mace 30.01.2011
Ein anderer wird an seine Stelle treten, und weiter Waffen verkaufen, weil der mensch nunmal so ist wie er ist. Böse, barbarisch, und egoistisch, jederzeit bereit für entsprechenden Gewinn Opfer in kauf zu nehmen. Waffen sind dabei noch ehrlich, die wahren Schurken sitzen in Vorstandsetagen , Parlamenten und an den Börsen diese Welt.
4. Verhaften und gehorsam an die USA ausliefern ...
Elektrikern 30.01.2011
...so wird es auch Assange in Schweden ergehen.
5. Waffenhandel
titurel 30.01.2011
Sind nicht die USA und Rußland, gefolgt von Deutschland die größten Waffenhändler der Welt? Natürlich hege ich keine Sympathien für Leute wie Herrn But. Fraglich ist nur, ob der ganz legale Waffenhandel auch nur um einen Deut besser ist. Da habe ich jedenfalls meine Zweifel.
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