Bürgerkrieg: Libanon stoppt Waffenschmuggel nach Syrien

Maschinengewehre, Raketenwerfer und Sprengstoff: Die Armee des Libanon konnte einen brisanten Waffenschmuggel in das Bürgerkriegsland Syrien verhindern. Das Kriegsgerät stammte wohl aus Libyen. Offenbar war es für die Rebellen bestimmt.

Waffenfrachter gestoppt: Libanon unterbindet Schmuggel nach Syrien Fotos
AFP

Beirut/Damaskus - Die libanesische Armee hat am Samstag drei offenbar für Syrien bestimmte Container mit Kriegswaffen beschlagnahmt. Sie befanden sich auf einem Schiff, das im Hafen der libanesischen Stadt Selaata 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Beirut gestoppt wurde. Die heikle Fracht bestand aus Maschinengewehren, Granaten, Raketen, Raketenwerfern und Sprengstoff.

Die unter der Flagge Sierra Leones fahrende "Lutfallah II" war in Libyen aufgebrochen und wurde nach einem Zwischenstopp im ägyptischen Alexandria in dem libanesischen Hafen gestoppt. Der Kapitän und zehn weitere Besatzungsmitglieder wurden vom militärischen Geheimdienst verhört, sagte der libanesische Militärstaatsanwalt Sakr Sakr. Von Tripoli wurden die Container in Richtung Beirut gebracht. Adressat der Lieferung waren nach Agenturberichten offenbar die syrischen Rebellen.

In Syrien gibt es seit mehr als einem Jahr Massenproteste gegen Staatschef Baschar al-Assad, die der Machthaber blutig niederschlagen lässt. Nach Angaben der Opposition wurden bislang mehr als 11.000 Menschen getötet.

Syrische Staatszeitung greift Uno-Generalsekretär Ban an

Trotz einer seit gut zwei Wochen geltenden Waffenruhe gab es am Samstag erneut Kämpfe zwischen der Armee und Deserteuren. Mehrere Menschen sollen laut Aktivisten nahe Damaskus getötet worden sein. Ob es sich dabei um Deserteure der syrischen Armee oder - wie aus anderer Quelle berichtet - um Rebellen und Zivilisten gehandelt hat, blieb unklar. Ähnliche Kämpfe habe es in der Küstenregion von Latakia gegeben, von wo zunächst keine Berichte über Opfer vorlagen.

Die syrische Führung hat unterdessen Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon scharf attackiert und ihm eine Mitschuld an dem gewaltsamen Konflikt in Syrien gegeben. Ban konzentriere seine Kritik auf die Regierung und fördere damit die Angriffe der Aufständischen. Das verschärfe den Konflikt, hieß es in einem Leitartikel der staatlichen Zeitung "Tischrin".

Ban hatte am Freitag erklärt, das Vorgehen Assads gegen die Protestbewegung habe ein "untragbares Niveau" erreicht. Bei einem Selbstmordanschlag und drei weiteren Explosionen in Damaskus waren am Freitag mindestens elf Menschen ums Leben gekommen.

Im Bemühen um eine Beilegung des gewaltsamen Konflikts in Syrien hatte der Uno-Sicherheitsrat am vergangenen Samstag grünes Licht zur Entsendung von bis 300 unbewaffneten Beobachtern in das Land gegeben.

Am Freitag wurde der norwegische Generalmajor Robert Mood von Ban an die Spitze der Beobachtermission berufen. Mood werde neben seiner Funktion als Berater des Sondergesandten Kofi Annan auch als Chef-Militärbeobachter in Syrien fungieren, teilte Uno-Sprecher Eduardo del Buey am Abend in New York mit.

cht/AFP/dapd

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