Waffenschmuggel: US-Behörden heben mutmaßlichen russischen Agentenring aus

Von , Moskau

Sie sollen Technik für moderne Waffensysteme nach Russland geschmuggelt haben: In Texas haben US-Behörden einen Schmugglerring gesprengt. Moskau dementiert, dass es sich bei den Tätern um Geheimdienstmitarbeiter handelt.

Auf ihrer Internetseite präsentierte sich die Firma Arc Technologies mit Sitz in Houston, Texas, ganz friedlich als "höchsten ethischen Standards" verpflichteter Hersteller von Ampelanlagen. Wenn aber stimmt, was US-Strafverfolger behaupten, ging das Unternehmen in Wahrheit deutlich brisanteren Geschäften nach, dem heimlichen Export amerikanischer Hightech nach Russland. Dort wurde die Elektronik dringend benötigt: für den Bau moderner Waffensysteme.

Nach Erkenntnissen der US-Behörden soll der Schmugglerring im Auftrag russischer Regierungsstellen Exportzertifikate gefälscht, amerikanische Exportrichtlinien unterlaufen und über Jahre hinweg russische Waffenhersteller und Geheimdienste mit dringend benötigten Elektronikkomponenten versorgt haben.

Alexander Fischenko, Chef von Arc Technologies und mutmaßlicher Kopf des russischen Schmugglernetzwerks, sei als "nicht registrierter Agent der russischen Regierung innerhalb der Vereinigten Staaten tätig gewesen", hieß es in einer Stellungnahme des FBI. Fischenko, der seit 2003 neben der russischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, soll Mikroelektronik im Wert von 50 Millionen Dollar illegal nach Russland geschleust haben. Die Technik sei für den Einsatz in einem "umfangreichen Bereich militärischer Systeme, einschließlich von Radar- und Überwachungssystemen" sowie Waffenleitsytemen geeignet, so das FBI.

Die Angeklagten hätten ein "ausgeklügeltes Netz von Lügen gesponnen, um die Richtlinien zu umgehen, die unsere nationale Sicherheit schützen", so die mit dem Fall betraute Staatsanwältin Loretta E. Lynch.

Russland hält die Vorwürfe für rein "krimineller Natur"

Der Fall weckt Erinnerungen an den 2010 in den USA enttarnten russischen Spionagering um Anna Chapman. Zu den Festgenommenen zählten damals auch sogenannte "deep cover"-Agenten, die Jahre unter falscher Identität in Amerika lebten. Im vergangenen Jahr dann flog ein in Deutschland lebendes Agentenpaar auf. Die Bundesanwaltschaft erhob Ende September Anklage gegen Andreas und Heidrun A..

Fischenko und zehn weitere Angeklagte nutzten allerdings offenbar keine Tarnidentitäten. Sie stammen aus der ehemaligen Sowjetunion und machten aus ihren engen Kontakten nach Russland keinen Hehl. So reisten Fischenko und seine Kompagnons regelmäßig nach Moskau. Das FBI klassifiziert die Gruppe zudem nicht als Spionagering, sondern als "Beschaffungsnetzwerk".

Der Fall wirft zum einen ein Schlaglicht auf die Methoden, die der Kreml anwendet, um an westliche Technologien zu gelangen. Zum anderen deutet das erhebliche Volumen von 50 Millionen Dollar darauf hin, dass Russlands einst gefürchtete Waffenschmieden auf Lieferungen ausländischer Komponenten im Hightech-Bereich angewiesen sind.

Russlands Außenministerium protestierte am Donnerstag dagegen, von Washington nicht umgehend über die Verhaftung informiert worden zu sein. Moskau "beobachte die Situation der verhafteten Russen", so Sprecher Alexander Lukaschewitsch. Die Vorwürfe gegen Fischenko und die anderen seien zudem "krimineller Natur", hätten aber nichts mit "nachrichtendienstlicher Arbeit" zu tun. Kenner der russischen Rüstungsbranche dagegen berichten, dass die Vorwürfe in Amerika "wohl einen Funken Wahrheit enthalten dürften".

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Ja, ja...
donnerfalke 04.10.2012
Die werden dann gegen mutmaßliche US-Spione ausgetauscht, war auch letztes Mal so bloß schreien die Medien hier laut über russische Agenten, über US-Agenten gibt es kein Wort.
2. Da müssen die Russen wirklich jemanden erwischt haben
WernerT 04.10.2012
Dass die USA ein seit 10 Jahren LEGAL agierendes Unternehmen zum Agentenring deklarieren. Oder kriegt Obama kalte Füsse und lenkt ab und markiert den starken Mann, nur das hat 2010 (Wahljahr) nicht geklappt
3. Den Stahl gießen können sie
Augustusrex 04.10.2012
schon noch, aber bei den Komponenten für Steuer- und andere Elektronik sind sie nach wie vor auf illegalen Import angewiesen.
4.
lando@ 04.10.2012
"immer wieder das gleiche spiel" der eine rüstet auf der andere rüstet daraufhin noch mehr auf und so weiter und so weiter...bis ein aufrüster aufm knopf drückt. agent ist gleich agent unwichtig aus welchen land und führen nur ihren dienst aus zum wohle... - geistesblitz: angenommen die agenten (usa@rußland) würden sich zusammentun und ihr internes wissen dazu verwenden die aufrüster zu mehr vertrauen zu bewegen, so eine art "agentengewerkschaft usa @ rußland" ;)
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