Wahl-Chaos im Irak Millionen Stimmzettel werden von Hand neu ausgezählt

Fast einen Monat nach der Wahl im Irak werden elf Millionen Stimmzettel neu ausgezählt. Offenbar sollen auch zahlreiche Stimmen annulliert und die Wahlkommission ausgewechselt werden.

Leiter der ursprünglichen Wahlkommission, Riyadh al-Badran, Ende Mai in Bagdad
AFP

Leiter der ursprünglichen Wahlkommission, Riyadh al-Badran, Ende Mai in Bagdad


Die Parlamentswahl im Irak wird landesweit neu und von Hand ausgezählt. Außerdem könnte eine große Zahl von Stimmen von innerirakischen Flüchtlingen und Auslandsirakern wegfallen.

Fast einen Monat nach dem Urnengang vom 12. Mai hat das Parlament als Reaktion auf Berichte über schwere Wahlrechtsverstöße die Neuauszählung beschlossen, sagten zwei Abgeordnete der Nachrichtenagentur Reuters.

Demnach änderten die scheidenden Abgeordneten offenbar das Wahlrecht dahingehend, dass die Stimmen aus dem Ausland und der von Flüchtlingen in einigen Provinzen für ungültig erklärt werden. Bei der außerordentlichen Sitzung sollen 173 der 328 Abgeordneten für die Neuauszählung der knapp elf Millionen Stimmen gestimmt haben, meldet die Nachrichtenagentur AFP.

Bereits Ende Mai Ergebnisse aus 1000 Wahllokalen annulliert

Ende Mai hatte die Wahlkommission wegen Unregelmäßigkeiten bereits die Ergebnisse aus mehr als 1000 Wahllokalen annulliert. Eine von mehreren Parteien geforderte umfassendere Annullierung lehnte sie jedoch ab. Nun soll die Wahlkommission offenbar durch eine neue ersetzt werden, die aus neun Richtern bestehen soll, meldet AFP.

Ministerpräsident Haider al-Abadi hatte am Dienstag unter Hinweis auf einen Untersuchungsbericht von "gefährlichen Verstößen" gegen das Wahlrecht gesprochen. Bei der Wahl hatte überraschend die Liste des schiitischen Klerikers Muktada al-Sadr die meisten Stimmen gewonnen. Die Regierungsbildung im Irak gestaltet sich nach der Abstimmung wie erwartet schwierig. Ein neues Kabinett soll eigentlich innerhalb von 90 Tagen gebildet werden.

cht/Reuters/AFP/dpa



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