Irak Niedrigste Wahlbeteiligung seit dem Sturz von Saddam Hussein

Die IS-Terrormiliz gilt im Irak als militärisch geschlagen. Die Parlamentswahl soll nun eigentlich den Weg in eine bessere Zukunft ebnen. Doch nur wenige Iraker gaben ihre Stimme ab.

Frau bei Wahlen im Irak
DPA

Frau bei Wahlen im Irak


Bei der Parlamentswahl im Irak hat nicht einmal die Hälfte der wahlberechtigten Bürger abgestimmt. Wie die Wahlkommission am Samstagabend in Bagdad mitteilte, lag die Wahlbeteiligung bei 44,5 Prozent - und damit so niedrig wie noch nie seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein im Jahr 2003.

Mehr als 24 Millionen Iraker waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Sie entschieden unter fast 7000 Kandidaten über 329 Sitze im irakischen Parlament. Der Schiit Al-Abadi ging als einer der Favoriten ins Rennen. Der 66-Jährige versuchte im Wahlkampf, mit dem Sieg gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) unter seiner Führung zu punkten. Keine Wahlliste dürfte jedoch ausreichend Sitze gewinnen, um allein eine Regierung zu bilden. Mit ersten Ergebnissen der Wahl wird am Dienstag gerechnet.

Al-Abadi hatte im Dezember den militärischen Sieg über den IS erklärt. Nach den Kämpfen sind große Teile des Iraks zerstört, und der Wiederaufbau kommt nur langsam voran: Der Weltbank zufolge werden dafür in den nächsten Jahren rund 88 Milliarden Dollar (rund 71 Milliarden Euro) benötigt.

Vor vier Jahren hatte die Wahlbeteiligung noch bei rund 60 Prozent gelegen. Vor der Wahl in diesem Jahr hatte es Aufrufe gegeben, die Abstimmung zu boykottieren. Beobachter zufolge sind viele Wähler politikverdrossen und hätten kaum Hoffnung auf Veränderung. Eine Analyse der Wahlen lesen Sie hier:

Größere Zwischenfälle blieben während der Stimmabgabe aus. Rund 900.000 Sicherheitskräfte sollten für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Ministerpräsident Haidar al-Abadi erklärte, die Iraker hätten ihre Stimme in allen Provinzen "frei und sicher" abgeben können. Medien und Beobachter berichteten hingegen, einige Wahllokale hätten zu spät geöffnet. An mehreren Orten sei es zudem zu Ausfällen des neu eingeführten elektronischen Wahlsystems gekommen.

Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein 2003 wird die Macht im Irak nach einem Proporzsystem vergeben. Viele Politiker sehen darin die Ursache für die ausufernde Korruption. Die Minderheit der Sunniten klagt zudem, sie werde von der Mehrheit der Schiiten benachteiligt. Beobachter befürchten, dass der sunnitische IS wieder erstarken könnte, sollte die neue Regierung nicht für einen Ausgleich zwischen den beiden großen Konfessionen sorgen.

koe/AFP/dpa



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