Wahl im Kongo Heftige Feuergefechte in Kinshasa

Nach wenigen Stunden der Ruhe sind in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa unter dem Eindruck des Ergebnisses der Präsidentschaftswahlen erneut heftige Kämpfe aufgeflammt. Auch eine Residenz von Vize-Präsident Bemba geriet unter Beschuss. Die Bundeswehr blieb in ihrem Camp.


Kinshasa - Nachdem es heute zunächst ruhig geblieben war, lieferten sich rivalisierende Gruppen sich in Kinshasa seit dem frühen Abend heftige Feuergefechte. Dabei würden auch schwere Waffen eingesetzt, bestätigte der Sprecher der Uno-Truppen, Kemal Saiki, am späten Nachmittag. "Die Gefechte haben gegen 17 Uhr begonnen. Es sieht so aus, als ob auch Geschütze oder Granatwerfer eingesetzt werden." Die Uno-Soldaten seien in erhöhter Alarmbereitschaft.

Kämpfe in Kinshasa: Rauch steigt über einer Residenz von Vize-Präsident Bemba auf
REUTERS

Kämpfe in Kinshasa: Rauch steigt über einer Residenz von Vize-Präsident Bemba auf

Auch eine Residenz des kongolesischen Vize-Präsidenten Jean-Pierre Bemba geriet unter schweren Beschuss. Das Gebäude in Kinshasa wurde etwa zehn Minuten lang beschossen. Augenzeugen berichteten, Soldaten der Garde von Präsident Joseph Kabila hätten sich mit Bembas Leibwächtern Schusswechsel geliefert. Die Soldaten hätten mindestens einen Panzer und schwere Maschinengewehre eingesetzt. Nach Diplomatenangaben hielten sich zu dem Zeitpunkt Botschafter aus Mitgliedstaaten des Internationalen Komitees zur Begleitung des politischen Übergangs im Kongo in der Residenz auf. Angaben eines westlichen Diplomaten zufolge befanden sich die Uno-Vertreter in einem sicheren Raum des Gebäudes.

Der frühere Rebellenchef Bemba hatte bei den Wahlen am 30. Juli 20 Prozent der Stimmen errungen und wird daher Ende Oktober in einer Stichwahl gegen den amtierenden Präsidenten Joseph Kabila antreten müssen, der knapp 45 Prozent der Stimmen erreichte. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,5 Prozent. Ausgezählt waren 168 der 169 Wahlkreise in dem Land von der Größe Westeuropas. Die Ergebnisse müssen noch vom Obersten Gericht bestätigt werden

Die Bekanntgabe der Ergebnisse am frühen Morgen war um mehrere Stunden verschoben worden, weil es auch gestern Abend im Stadtzentrum zu Gefechten gekommen war. Der Sprecher der in Kinshasa stationierten EU-Truppe (Eufor), Oberstleutnant Peter Fuss, bestätigte ebenfalls die Gefechte. Die unter deutscher Leitung stehende EU-Truppe - der auch 780 Bundeswehr-Soldaten angehören - bleibe jedoch im Hauptquartier, um keine falschen Signale zu setzen.

Entsprechend sollen bei den Gefechten in Kinshasa bislang keine Bundeswehrsoldaten unter Beschuss geraten sein. "Nach unseren Informationen haben sich keine Bundeswehrsoldaten außerhalb des Camps befunden, und damit kam es auch zu keinen Beschüssen", sagte ein Sprecher des für die Bundeswehrmissionen im Ausland zuständigen Einsatzführungskommandos in Geltow bei Potsdam am Abend.

Kabila zeigte sich bei einem kurzen Auftritt im Fernsehen sicher, dass er im zweiten Wahlgang gewählt werde. "Ich habe keinen Zweifel, ich bin sicher, dass Sie diesen Sieg festigen werden", sagte er seinen Landsleuten. Er bescheinigte den Wählern politische Reife. Es seien "historische" Wahlen gewesen, die "frei, demokratisch und transparent" abgelaufen seien.

phw/reuters/AFP/dpa



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