Umfrage in Frankreich Macron überholt Fillon, Le Pen bei knapp 27 Prozent

Der unabhängige Kandidat Macron ist plötzlich Favorit bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich. Laut einer Umfrage käme er statt des Konservativen Fillon in die Stichwahl - hinter Rechtspopulistin Le Pen.

Emmanuel Macron
AFP

Emmanuel Macron


Kann der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron einen Erfolg der Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich verhindern? Laut einer Umfrage im Auftrag der Zeitung "Les Échos" und des Senders Radio Classique käme er statt des Konservativen François Fillon hinter Le Pen in die Stichwahl.

Der massiv unter Druck stehende konservative Kandidat Fillon erhielte demnach derzeit im ersten Wahlgang 19 bis 20 Prozent der Stimmen und würde damit nicht in die Stichwahl einziehen, so die am Mittwoch veröffentlichte Studie des Instituts Elabe. Fillon habe damit innerhalb von vier Wochen 5 bis 6 Prozentpunkte verloren.

Die französische Justiz prüft seit vergangener Woche Vorwürfe der Scheinbeschäftigung im Zusammenhang mit der Tätigkeit von Fillons Frau als parlamentarische Mitarbeiterin und bei einer Zeitschrift, die einem Vertrauten Fillons gehört.

Laut der Umfrage kommen Le Pen vom rechtsgerichteten Front National (FN) (26-27 Prozent) und Macron (22-23 Prozent) in die Stichwahl. Bislang hatten Umfragen mit einer Stichwahl zwischen Fillon und Le Pen gerechnet - in der Fillon dann klar vorne gelegen hätte.

Fillon bezeichnete die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als organisierten Angriff der Linken. Der Konservative habe bei einem Treffen mit Abgeordneten seiner Republikaner-Partei von einem "institutionellen Staatsstreich" gesprochen, hinter dem die Linke stehe, erklärte sein Sprecher. Man versuche, seine Kandidatur zu verhindern: "Man will die Franzosen daran hindern, diese demokratische Wahl zu treffen."

Für die Umfrage wurden am Montag und Dienstag 1053 Menschen online befragt, die repräsentativ für die französische Bevölkerung ab 18 Jahren sind. Für die Auswertung der Stimmanteile wurden die Angaben der 993 Befragten berücksichtigt, die im Wählerregister eingetragen sind.

als/dpa

insgesamt 104 Beiträge
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loud_olph 01.02.2017
1. Dann hoffe ich mal...
dass dann auch Macron in der Stichwahl vorn liegt... und bis dahin ein plausibles Programm vorgelegt hat.
Beat Adler 01.02.2017
2. Macron ist der Einzige mit einem vernuenftigen Programm.
Macron ist der Einzige mit einem vernuenftigen Programm. Von ganz Links Jean-Luc Mélanchon ueber fast ganz Links Benoît Hamon bis Rechts François Fillon und extrem Rechts Marine Le Pen hat Macron die Chance mit seinem ausgewogenen Programm der Mitte die Waehler von den Les Republicains bis und mit den Sozialisten zu ueberzeugen. Selbstverstaendlich wird er gegen Marine Le Pen im 2. Duchgang gewinnen, mindestens 65 zu 35. mfG Beat
sb411 01.02.2017
3. Solche Typen zerstören die Demokratie
Schlimm genug ist es, dass diese Art Vetternwirtschaft das Vertrauen in die Politik zerstört und radikalen Kräften Argumente liefert, mit denen sie ihre Saat des Hasses gießen können, dann aber nicht einmal einsichtig zu sein und das Feld für einen anderen zu räumen, sondern die Kandidatur der Konservativen zu blockieren, ist doppelt schlimm. Als ob nicht schon genug auf dem Spiel stehen würde.
christophe007 01.02.2017
4. Verschwörungstheorie
Wenn Fillon hinter der Affäre eine linke Verschwörung vermutet, suggeriert das, dass die satirische Zeitung "Canard enchaîné" als Handlanger der sozialistischen Partei. Wer diese Zeitung kennt, weiß, wie lächerlich eine solche Verschwörungstheorie ist. Es gilt zwar noch die Unschuldsvermutung - noch ist nicht bewiesen, dass diese Jobs seiner Frau und seiner Kinder fiktiv waren - aber seine Selbstdarstellung als Opfer einer Verschwörung dient ihm nicht. Damit begibt er sich auf das Niveau eines Berlusconi, der hinter jedem Richterspruch eine kommunistische Verschwörung sah. Abgesehen davon, ob die Jobs fiktiv waren oder nicht: Studentenjobs für 4.000 Brutto an die eigenen Kinder zu vergeben - beide waren noch Studenten - besagt schon einiges über das Weltbild dieses Mannes. Ich jedenfalls werde ihn nicht wählen.
HighFrequency 01.02.2017
5.
Zitat von Beat AdlerMacron ist der Einzige mit einem vernuenftigen Programm. Von ganz Links Jean-Luc Mélanchon ueber fast ganz Links Benoît Hamon bis Rechts François Fillon und extrem Rechts Marine Le Pen hat Macron die Chance mit seinem ausgewogenen Programm der Mitte die Waehler von den Les Republicains bis und mit den Sozialisten zu ueberzeugen. Selbstverstaendlich wird er gegen Marine Le Pen im 2. Duchgang gewinnen, mindestens 65 zu 35. mfG Beat
Na, das ist wohl eher eine Wunschvorstellung ihrerseits, lieber Beat. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass die politischen Ansichten Macrons auf sehr viel Gegenliebe stoßen werden. Gegen Le Pen hätte er sicherlich schlechte Karten...
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