Griechenland vor der Wahl Europas hysterische Erpressungsversuche

Nie sind die Griechen vom Ausland derart unter Druck gesetzt worden wie bei dieser Wahl. Die linke Athener Tageszeitung "To Ethnos" zeigt sich entrüstet. Athens Partner hätten ihren Lieblingskandidaten schon gekürt: den Konservativen Antonis Samaras.

Arbeiter vor Wahlslogan der Nea Dimokratia: "Lösung für Griechenland in Europa"
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Arbeiter vor Wahlslogan der Nea Dimokratia: "Lösung für Griechenland in Europa"

Ein Gastbeitrag von Georgios Delastik, Athen


So etwas ist im modernen Griechenland noch nie vorgekommen. Seit mehr als 30 Jahren beschäftige ich mich mit politischen und internationalen Entwicklungen, aber eine derartige Orgie an groben öffentlichen Interventionen führender ausländischer Politiker bei griechischen Wahlen hat es noch nicht gegeben.

Auch das ist ein weiteres klägliches Beispiel für die internationale Herabsetzung des Ansehens unseres Landes. Der letzte kleine Chef jedes noch so unbedeutenden europäischen Landes meint, er hätte nunmehr das Recht, die Griechen darauf hinzuweisen, welche Partei sie wählen sollen. - Früher wäre das undenkbar gewesen, vor der verhängnisvollen Überführung des Landes in den Status der Unterwerfung unter das Memorandum durch Giorgos Papandreou und seine Mitstreiter.

Man traut seinen Augen und Ohren nicht, wenn man die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und ihren Minister für Finanzen, Wolfgang Schäuble, liest oder hört, wie sie fast täglich vom griechischen Volk verlangen, Samaras und nicht Tsipras zu wählen! Dasselbe fordern auch der sozialistische Präsident Frankreichs, François Hollande, der eingesetzte italienische Ministerpräsident Mario Monti, die gesamte Spitze der Pyramide der Brüsseler Bürokratie und aller Institutionen der Europäischen Union - der Kommission, der EZB, des Europäischen Parlaments, der Euro-Zone und so fort.

Sie alle sind in einen Zustand der politischen Hysterie verfallen, nachdem bei den vorgezogenen Wahlen vom 6. Mai die Pro-Memorandum-Parteien von 80 Prozent auf 30 Prozent einbrachen, die Nea Dimokratia nicht einmal 19 Prozent erreichte und sich die Syriza als größte Oppositionspartei mit nur zwei Prozentpunkten weniger behauptete.

Der - nach diesen Ergebnissen - objektive Anspruch der Syriza auf den ersten Platz bei den Juni-Wahlen, und zwar mit Erfolgschancen, hat die Deutschen aus der Fassung gebracht. Ihr Hauptanliegen und ihre Sorge ist nicht etwa, was Tsipras mit dem Spar-Memorandum machen wird, wenn er zum Ministerpräsidenten gewählt wird. Das Hauptanliegen Berlins ist, dass sich im Falle eines Wahlsieges der Syriza zum ersten Mal nach 1950 in Westeuropa eine linke Regierung bilden wird!

Deutschen wollen linke Regierung verhindern

Die Linke wird also wieder in den Vordergrund treten - und zwar in Zeiten finanzieller Krise - in einem Moment, wo die Deutschen und die anderen europäischen Staatsoberhäupter geglaubt hatten, sie wären nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 und der Auflösung des Blocks des "realen Sozialismus" 1989 die Linke endgültig und unwiderruflich losgeworden.

Die Deutschen wollen um jeden Preis die Bildung einer linken Regierung in Griechenland verhindern, unabhängig von der Politik, die diese verfolgen wird. Deswegen lassen sie nun jeglichen Vorwand beiseite und erpressen die Griechen ganz unverhohlen, Samaras zu wählen.

Vor diesem Hintergrund hat Berlin seine Einwilligung gegeben, dass nun auch US-Präsident Barack Obama öffentlich für die Nea Dimokratia interveniert!

Nicht einmal in seinen paranoidesten süßen Träumen hätte Antonis Samaras sich vorstellen können, dass er in seinem Wahlkampf von der deutschen Kanzlerin, dem französischen Präsidenten, dem italienischen Ministerpräsidenten, den Brüsseler Bürokraten und dem US-Präsidenten unterstützt werden würde!

Wenn aber, trotz der unfassbaren internationalen Hilfe, es Antonis Samaras mit Mühe und Not schafft, wieder das schlechteste - abgesehen von seiner eigenen 19-Prozent-"Leistung" vom 6. Mai - Ergebnis in der Geschichte der Nea Dimokratia einzufahren, darf er nicht stolz auf seine politischen Fähigkeiten sein.

Wenn das Ergebnis für die Nea Dimokratia wieder mager ausfällt, also um die 30 Prozent, dann lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen nicht ausschließen, dass es ihn die Ministerpräsidentschaft kosten wird, trotz eines möglichen Vorsprungs seiner Partei. Aber das ist eine Annahme, die für das griechische Volk nicht von Bedeutung ist, zumindest für den Moment.

Viel schwerwiegender für die Griechen ist da die Äußerung Schäubles, dass an der realen Situation Griechenlands, das durch Fehlwirtschaft in einer schmerzhaften Krise ist, "ein wie auch immer geartetes Wahlergebnis nichts ändern" wird.

Aus dem Griechischen von Maria-Theresia Kaltenmaier und Alexandra Pavlou



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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
Ben Major 15.06.2012
1. Selbständig
Zitat von sysopDPANie sind die Griechen vom Ausland derart unter Druck gesetzt worden wie bei dieser Wahl. Die linke Athener Tageszeitung "To Ethnos" zeigt sich entrüstet. Athens Partner hätten ihren Lieblingskandidaten schon gekürt: den Konservativen Antonis Samaras. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839155,00.html
Griechenland ist politisch selbständig, aber wirtschaftlich abhängig. Tritt Griechenland aus dem Euro aus, ist das Land pleite, könnte sich aber mit einer eigenen Währung binnen 10 Jahren wieder sanieren. Bleibt Griechenland im Euro, ist das Land auch pleite, aber eine Sanierung unwahrscheinlich. In beiden Fällen wird es einen großen Brain- Drain geben, aber eins kann man sagen, Griechenland hat sich die Suppe selbst eingebrockt, die es jetzt auslöffeln muss.
tq35 15.06.2012
2. Oje,
ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Ich kann nur hoffen, dass es sich um eine verwirrte Einzelmeinung handelt. Wenn die Mehrzahl der Griechen so denkt, irrt Herr Schäuble... denn dann ist der Realitätsverlust und nicht die marode Wirtschaft das griechische Hauptproblem.
quadraturdeskreises 15.06.2012
3.
Gibt es eigentlich auch Griechen, die die Entwicklung im eigenen Land kritisch sehen?
gbk666 15.06.2012
4.
Interessant wie schnell der Artikel in die unteren Schlagzeilen verfrachtet wurde.
Hintersinnig 15.06.2012
5. Vollkommen absurdes Theater.
Anders kann man den Beitrag wohl nicht mehr bezeichnen. Lügen, betrügen, krakeelen. Etwas können die Einwohner Griechenlands nicht. Andere Staaten (etwa die baltischen Staaten) haben längst größere Opfer gebracht als man sie den Griechen abverlangt. Ich hoffe nur, dass diese Farce bald ein Ende hat und die Griechen schnellstmöglich aus der EU ausgeschlossen werden. Schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen war noch nie eine gute Idee. Oder anders gesagt: bei ganz schlimmen Abszessen (oder Exzessen) muss man eben amputieren.
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