Parlamentswahl in Griechenland: Konservative erklären sich zum Wahlsieger

Die Anhänger des Euro können aufatmen: Nach Auszählung fast aller Stimmen hat die gemäßigte Nea Dimokratia die Parlamentswahlen in Griechenland gewonnen. Die Konservativen riefen sich zum Wahlsieger aus - eine proeuropäische Koalition scheint möglich. Die radikalen Linken räumten ihre Niederlage ein.

Athen - Mit Hochspannung schaute Europa in der Nacht nach Athen - am Montagmorgen wurde immer sicherer: Die Euro-Befürworter haben bei der Parlamentswahl in Griechenland eine Mehrheit erzielt. Nach Auszählung fast aller Stimmen liegt die konservative Nea Dimokratia (ND) laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis vorn: Sie wird mit 29,66 Prozent stärkste politische Kraft. Das Linksbündnis Syriza kommt demnach auf 26,89 Prozent der Stimmen, die sozialistische Pasok auf 12,28 Prozent - Pasok und Nea Democratia kommen demnach auf eine Mehrheit im Parlament.

Die Konservativen erklärten sich am Abend zum Wahlsieger. "Ich bin erleichtert, ich bin erleichtert für Griechenland und Europa", sagte der Chef der griechischen Konservativen, Antonis Samaras. "Das griechische Volk hat heute dafür gestimmt, auf dem europäischen Weg und in der Euro-Zone zu bleiben." Es werde keine weiteren Abenteuer geben, sagte er, und die Opfer der Griechen würden Früchte tragen.

Er werde so schnell wie möglich eine Regierung bilden, kündigte Samaras an. Er lud alle politischen Kräfte ein, sich an einer Regierung der nationalen Rettung zu beteiligen.


Der Parteichef der Sozialisten, Evangelos Venizelos, schlug die Bildung einer möglichst breiten Allparteien-Regierung aus Konservativen, Sozialisten, radikalen sowie gemäßigten Linken vor. Dies bezeichnete der Syriza-Sprecher als lächerlich. Parteichef Alexis Tsipras sagte, die Linksallianz werde nun eine "starke Opposition" bilden.

Das radikale Linksbündnis räumte seine Wahlniederlage ein. Dies habe Tsipras dem Vorsitzenden der ND, Antonis Samaras, in einem Telefonat mitgeteilt, sagte ein Syriza-Sprecher am Sonntagabend.

Vor der zweiten Parlamentswahl in Griechenland binnen sechs Wochen hatten internationale Beobachter einen ähnlichen Ausgang befürchtet wie beim ersten Urnengang Anfang Mai. Damals hatte es keinen klaren Sieger gegeben. Die Koalitionsverhandlungen scheiterten nach tagelangen Verhandlungen, zu groß war der Streit über die Fortsetzung des vereinbarten Sparkurses für das hoch verschuldete Land.

Konservative und Sozialisten wollen Sparpakt nachverhandeln

Der erste Platz bei der Parlamentswahl ist ein wesentlicher Vorteil bei der Regierungsbildung: Er bringt der vorne liegenden Partei 50 Bonusmandate im insgesamt 300-köpfigen Parlament. Die konservative ND kann nun mit der Pasok eine proeuropäische Koalitionsregierung bilden. Gemeinsam hätten beide eine klare absolute Mehrheit - nach Auszählung fast aller Stimmen kämen beide Parteien auf 162 Mandate.

Konfliktfrei wäre dieser Pakt wohl nicht: ND und Pasok waren über Jahrzehnte direkte Konkurrenten. Konservativen-Chef Samaras lehnte außerdem die Sparpakete zunächst vehement ab und änderte erst unter internationalem Druck seine Meinung.

Seit Mai 2010 ist das hoch verschuldete Griechenland auf internationale Hilfszahlungen angewiesen. Konservative und Sozialisten hatten das umstrittene Sparprogramm der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) durchgesetzt. Die harten Auflagen sind Bedingung für die finanzielle Unterstützung des Landes.

Konservative und Sozialisten bekennen sich grundsätzlich zu dem vereinbarten Sparkurs, wollen ihn aber nachverhandeln. Nach den Vorstellungen der ND sollen die Sparauflagen um einige Jahre gestreckt werden, um Griechenland Zeit zu verschaffen. Die EU hatte bereits deutlich gemacht, Kompromissbereit zu sein.

Griechenland befindet sich im fünften Jahr in Folge in einer Rezession, die Arbeitslosenquote liegt bei mittlerweile mehr als 22 Prozent, Zehntausende Unternehmen sind in den vergangenen Jahren pleitegegangen.

Erbitterter Gegner des Sparprogramms

Syriza-Chef Tsipras hatten dagegen angekündigt, die Auflagen des Rettungsprogramms aufkündigen zu wollen - für Athen könnte das den Austritt aus der Euro-Zone und die Rückkehr zur Drachme bedeuten. Die radikalen Linken sind der Meinung, dass das drastische Sparprogramms ihr Land zermürbt. Tsipras will das Kunststück fertigbringen, das Rettungspaket zu kippen und gleichzeitig das Mutterland der Demokratie in der Euro-Zone zu halten.

Dementsprechend groß war die Nervosität in der EU und an den Finanzmärkten vor der Griechenland-Wahl. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ihre Abreise zum G-20-Gipfel nach Mexiko auf Mitternacht verschoben. Politik und Wirtschaft reagierten in Deutschland und der Welt am Sonntagabend vorsichtig in ersten Reaktionen erleichtert.

Bei der Parlamentswahl schnitt auch die faschistische Partei Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi) wieder gut ab: Sie verbesserte ihr Ergebnis von der letzten Wahl am 6. Mai sogar noch geringfügig auf knapp sieben Prozent. Die rechtskonservativen Unabhängigen Griechen erhalten laut vorläufigem amtlichen Endergebnis 7,51 Prozent und die gemäßigte Demokratische Linke 6,26 Prozent. Die Kommunisten kommen demnach auf 4,5 Prozent.

heb/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 78 Beiträge
GerwinZwo 17.06.2012
Wer der Sprache mächtig ist oder einfach mal in so einen Wahlabend und die Berichterstattung in Griechenland reinschnuppern möchte Zougla Live Radio (http://www.zougla.gr/page.ashx?pid=85&type=&mid=110)
Zitat von sysopEs wird ein langer Abend in Athen: Nach ersten Prognosen liefern sich die konservative Nea Dimokratia und das Linksbündnis Syriza ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Erste aussagekräftige Ergebnisse der Parlamentswahl werden erst gegen 19.30 Uhr erwartet. Wahl in Griechenland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839378,00.html)
Wer der Sprache mächtig ist oder einfach mal in so einen Wahlabend und die Berichterstattung in Griechenland reinschnuppern möchte Zougla Live Radio (http://www.zougla.gr/page.ashx?pid=85&type=&mid=110)
WhereIsMyMoney 17.06.2012
Man kann sich sicher sein, dass die Banken da ihre Leute schon eingesetzt haben. Sie sind die einzigen Verlierer falls die Linken gewinnen, alle anderen gewinnen. Sie werden auch nicht vor Wahlmanipulation abschrecken. Die sind [...]
Man kann sich sicher sein, dass die Banken da ihre Leute schon eingesetzt haben. Sie sind die einzigen Verlierer falls die Linken gewinnen, alle anderen gewinnen. Sie werden auch nicht vor Wahlmanipulation abschrecken. Die sind gerade dabei den "Deal"(besser gesagt Raub) ihres Lebens zu machen. Den lassen sie sich durch ein paar demokratische Wahlen nicht kapput machen.
bleifuß 17.06.2012
Perfekter Ablauf für einen Technokraten. Man darf gespannt sein, wer dieses mal installiert wird.
Zitat von sysopEs wird ein langer Abend in Athen: Nach ersten Prognosen liefern sich die konservative Nea Dimokratia und das Linksbündnis Syriza ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Erste aussagekräftige Ergebnisse der Parlamentswahl werden erst gegen 19.30 Uhr erwartet. Wahl in Griechenland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,839378,00.html)
Perfekter Ablauf für einen Technokraten. Man darf gespannt sein, wer dieses mal installiert wird.
Dio_genes 17.06.2012
Die Regelung, dass die stärkste Partei (wohl ND, da ein Parteibündnis diesen Vorteil nicht bekommt) 50 Sitze "über Durst" bekommt ist höchst undemokratisch und wäre hier verfassungswidrig!
Die Regelung, dass die stärkste Partei (wohl ND, da ein Parteibündnis diesen Vorteil nicht bekommt) 50 Sitze "über Durst" bekommt ist höchst undemokratisch und wäre hier verfassungswidrig!
bert_marco 17.06.2012
Für das - für die Realität völlig irrelevante - Fußball gibts nen Liveticker. Für die wirklich wichtige GR-Wahl - bisher Pustekuchen. Sorry, ich muss SPON hier leider das Armutszeugnis ausstellen.
Für das - für die Realität völlig irrelevante - Fußball gibts nen Liveticker. Für die wirklich wichtige GR-Wahl - bisher Pustekuchen. Sorry, ich muss SPON hier leider das Armutszeugnis ausstellen.
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  • Sonntag, 17.06.2012 – 18:05 Uhr
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Die wichtigsten Parteien in Griechenland
Die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok) schaffte bei der vergangenen Parlamentswahl 2009 mit 43,9 Prozent einen Erdrutschsieg - und wurde bei der Wahl am 6. Mai dieses Jahres brutal abgestraft (13,2). Die Partei um den Vorsitzenden Evangelos Venizelos hat vor allem wegen der harten Sparmaßnahmen der Regierung deutlich an Unterstützung verloren. Pasok ist für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Dafür müsse das Sparprogramm konsequent befolgt werden, fordern sie. Auch bei der Neuauflage der Wahl wird der Partei ein schwaches Ergebnis vorhergesagt.
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:




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