Wahl in Griechenland Große Parteien hoffen auf Koalition

Prügel für die Großen: Die beiden Volksparteien in Griechenland haben im Vergleich zur letzten Parlamentswahl nur noch rund die Hälfte der Stimmen. Dennoch könnte es für Konservative und Sozialisten knapp für eine eigene Mehrheit in der Volksversammlung reichen.


Athen - Nachdem etwa die Hälfte der Wahlbezirke ausgezählt wurden, kommt die konservative Nea Dimokratia (ND) bei der Parlamentswahl in Griechenland auf 20 Prozent der Stimmen, die sozialistische Pasok erreicht 14 Prozent. Bei der letzten Wahl vor drei Jahren hatten beide Parteien noch 33 beziehungsweise 44 Prozent der Wähler hinter sich gebracht.

Trotz der erdrutschartigen Verluste können beide Partien mit einer knappen Mehrheit der 300 Mandate rechnen. Hochrechnungen, die griechische Medien am späten Sonntagabend veröffentlichten, prognostizierten den beiden Fraktionen zusammen zwischen 155 und 160 Sitze. Die ND profitiert dabei von einer Besonderheit des griechischen Wahlsystems: Die stärkste Partei erhält einen Bonus von 50 Mandaten. Die übrigen 250 Sitze werden nach dem jeweiligen Stimmenanteil an die Parteien und Listen vergeben.

ND-Chef Antonis Samaras hat nun drei Tage Zeit für die Regierungsbildung. Er hat bereits angekündigt, eine Regierung der nationalen Einheit mit der Pasok und nach Möglichkeit mit weiteren Partnern zu bilden. Der Pasok-Vorsitzende Evangelos Venizelos, schlug in die gleiche Kerbe. Seine Partei habe eine schmerzhafte Niederlage erlebt. Die Krise sei aber noch da. "Griechenland muss in der Eurozone bleiben", sagte Venizelos.

Zehn Parteien sitzen im Parlament

Koalitionsregierungen sind eine Seltenheit in Griechenland. Bis zum Beginn der Finanzkrise hatten Wahlen zumeist stabile Mehrheiten für jeweils eine der Volksparteien hervorgebracht.

Sollten sich die beiden großen Parteien nicht auf eine gemeinsame Koalition eingen könne, erhält der Chef des linken Syriza-Bündnisses, Alexis Tsipras, den Regierungsauftrag. Seine Bewegung, die den Euro-Rettungspakt strikt ablehnt, erreichte 16 Prozent der Stimmen und landete damit auf dem zweiten Platz. Doch er dürfte kaum eine tragfähige Mehrheit hinter sich scharen können. Die Kommunisten, die ebenfalls dazugewannen, haben ihm bereits eine Absage erteilt.

Auf die drittplatzierte Pasok folgen die konservativen Unabhängigen Griechen mit zehn Prozent, die als möglicher Koalitionspartner gehandelt werden.

Hinter den Kommunisten schaffte erstmals die faschistische Goldene Morgenröte den Sprung ins Parlament. Die Demokratische Linke ein weiterer potenzieller Koalitionspartner, kommt auf 6 Prozent. Im Parlament zeichnet sich damit eine starke Zersplitterung mit bis zu zehn Parteien ab.

syd/dpa/AP/Reuters



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