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Parlamentswahl in Großbritannien 2015: Die Ergebnisse im Überblick

SPIEGEL ONLINE
Wie in Großbritannien gewählt wird und
warum die Wahlkreise entscheidend sind,
sehen Sie hier in der Grafik.

Die wichtigsten Parteien
Conservative Party (Con)
David Cameron ist seit 2005 Vorsitzender der konservativen Partei, umgangssprachlich Tories genannt. Die Konservativen bekennen sich zum privaten Unternehmertum, zur kapitalistischen Wirtschaftsform, zu Privatisierungen und zur Stärkung des britischen Einflusses im Ausland, insbesondere in der EU. Unter Margaret Thatcher (Premierministerin 1979 bis 1990) wurden die von Labour nach 1945 verstaatlichten Unternehmen reprivatisiert, private Bereiche im Bildungswesens gefördert, die Gewerkschaften geschwächt und die Einwanderung nach Großbritannien gebremst. Die Conservative Party konnte 2005 und 2010 vom Niedergang der Labour Party profitieren. Cameron führt seit 2010 die liberalkonservative Regierungskoalition an.
Labour Party (Lab)
1900 gegründet, war die Labour Partei ("Arbeitspartei") traditionell gewerkschaftsnah ausgerichtet. Sie trat unter anderem für den Klassenkampf und die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien ein. Tony Blair, der die Labour 1995 bis 2007 führte, modernisierte die Partei und machte sie mit seiner pragmatischeren Politik auch für die Mittelschicht attraktiv. Labour befürwortet eine Marktwirtschaft, die Wohlstand und soziale Sicherung durch Wirtschaftswachstum versucht zu erreichen. Zu massiver Kritik und schlechten Wahlergebnissen führte Blairs Unterstützung für die US-Invasion im Irak 2003. Seit 2010 ist Ed Milibrand Vorsitzender, er setzte sich gegen seinen Bruder David Miliband durch.
Liberal Democrats (Lib)
Die Liberaldemokraten werden von Nick Clegg geführt. Seit 2010 ist der Parteichef Vizepremier in einer Koalition mit den Konservativen. Erstmals beteiligen sich die Liberalen damit an einer Regierung. Die Liberal Democrats sind die proeuropäischste der drei großen britischen Parteien. Sie fordern mehr Investitionen im Bildungsbereich und eine Stärkung von Parlament und Regionen. Um die Leistungen im öffentlichen Dienst zu verbessern, ziehen sie - anders als die Tories und Labour - Steuererhöhungen in Betracht.
Democratic Unionist Party (DUP)
Die DUP tritt für die Einheit Nordirlands mit Großbritannien ein. Gründer der radikal-protestantischen Partei war 1971 der Pfarrer Ian Paisley. Die DUP unterzeichnete 1988 das Karfreitagsabkommen nicht, das den Weg zum offiziellen Frieden in Nordirland geebnet hat.
Sinn Fein (SF)
Die irisch-republikanische Partei Sinn Fein ("Wir selbst") ist die wichtigste gesamtirische Partei. Sie will die unter britischer Herrschaft stehenden Grafschaften Nordirlands in das Staatsgebiet der Republik Irland eingliedern. Sinn Fein strebt laut Parteiprogramm eine "vereinigte, demokratische und sozialistische Republik Irland" an. In Nordirland ist Sinn Fein seit 2005 die unter den katholischen Einwohnern stärkste Partei. Bei den britischen Unterhauswahlen bekam sie 2010 erneut fünf Sitze. Die Abgeordneten nahmen ihre Mandate aber nicht ein - sie wollten so verhindern, einen Eid auf Königin Elizabeth II. schwören zu müssen.
Plaid Cymru (PC)
Plaid Cymru, Kurzform Plaid, wurde 1925 gegründet und ist eine Mitte-Links-Partei in Wales. Sie bezeichnet sich selbst als sozialdemokratisch und walisisch-national. Plaid setzt sich für mehr Föderalismus ein. Geführt wird die Partei durch die Gewerkschafterin und Sozialistin Leanne Wood.
Alliance Party (APNI)
Die Alliance Party of Northern Ireland wurde 1970 gegründet und ist eine überkonfessionelle Partei der Mitte. Sie unterstützt die Union Nordirlands mit Großbritannien, solange die Mehrheit der Bevölkerung dieser zustimmt. Zugleich steht die API aber für formale Verflechtungen Nordirlands mit der Republik Irland.
Social Democratic & Labour Party (SDLP)
Die SDLP, gegründet 1970, ist eine Partei der linken Mitte. Sie setzt sich für eine Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland mit friedlichen Mitteln ein.
Scottish National Party (SNP)
Die Partei der schottischen Nationalisten verlor das Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands im September 2014 knapp 45 zu 55 Prozent. Seitdem laufen enttäuschte Labour-Wähler aus der Arbeiterschaft zur sozialdemokratischen SNP über. Geführt wird die Partei von der Ersten Ministerin der Schotten, Nicola Sturgeon. Eine der Hauptforderungen der SNP neben der Unabhängigkeit Schottlands war auch die Wiedereinführung des Schottischen Parlaments. Diese Forderung wurde 1999 erfüllt. Die SNP regiert seit 2007 in Schottland. Der Schauspieler Sean Connery ist einer ihrer größten finanziellen Förderer.
UK Independence Party (Ukip)
Ziel der rechtspopulistischen Ukip ist der Austritt Großbritanniens aus der EU. Parteichef ist Nigel Farage. Unter ihm hat sich die Ukip von einer Ansammlung von Außenseitern, Abgehängten, und Exzentrikern zu einer echten Partei entwickelt, die die Regierung unter Druck setzt. Die Ukip macht nicht nur Stimmung gegen die Bürokratie in Brüssel, sondern auch gegen Einwanderer. Bei der Europawahl 2014 bewies die Partei, dass sie viele Protestwähler mobilisieren kann – sie wurde mit 28 Prozent stärkste Kraft im Vereinigten Königreich.
Green Party (Grn)
Die Partei wurde 1990 gegründet, um nach eigenen Angaben Umweltbedrohungen zu bekämpfen. Die Grünen sehen sich zudem als Verfechter der Bürgerrechte und -freiheiten. Die Green Party ist mit einem Mandat im Unterhaus vertreten. 2010 wurde Caroline Lucas im Wahlkreis Brighton Pavilion mit 31,3 Prozent zum ersten grünen Mitglied des britischen Parlaments gewählt.

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