Wahl in Großbritannien Mays Konservative verlieren absolute Mehrheit

Fast alle Wahlkreise sind ausgezählt - und es sieht nicht gut aus für Premierministerin Theresa May: Mehreren Hochrechnungen zufolge hat ihre konservative Partei die absolute Mehrheit im britischen Unterhaus verloren.


Die Tories von Premierministerin Theresa May sind bei der britischen Unterhauswahl zwar stärkste Partei geworden - die absolute Mehrheit hat die konservative Partei jedoch verpasst. Nach Auszählung von fast allen 650 Wahlkreisen haben die Tories dem britischen Sender BBC und der Nachrichtenagentur Reuters zufolge keine Chance mehr, die Marke von 326 Sitzen zu knacken.

Auf Großbritannien könnten damit komplizierte Koalitionsverhandlungen zukommen. Die Liberaldemokraten schlossen die Möglichkeit einer Koalition bereits aus. "Es gibt keine Koalition, es gibt keine Deals", sagte die außenpolitische Sprecherin der Labour-Fraktion, Emily Thornberry. Es werde entweder eine Minderheitsregierung der Tories oder der Labour-Partei geben.

Regulär hätte in Großbritannien erst 2020 gewählt werden müssen. Mit der vorgezogenen Wahl wollte sich May ein starkes Mandat für die Brexit-Verhandlungen verschaffen, die bereits am 19. Juni beginnen sollen. Sie hatte den Urnengang im April angekündigt, als ihre Partei in den Umfragen klar vorn lag. Nach einem verheerenden Wahlkampf sank die Zustimmung zu ihrer Partei in der Bevölkerung in den letzten Vorwahlumfragen aber bereits deutlich.

Noch ist unklar, was das für die politische Zukunft der Premierministerin bedeutet. Labour-Chef JeremyCorbyn forderte sie am Freitagmorgen zum Rücktritt auf. May habe "Wählerstimmen, Unterstützung und Vertrauen verloren", sagte er. Sie müsse abtreten und Platz machen für eine "wirklich repräsentative Regierung".

Die Regierungschefin erklärte hingegen, Großbritannien brauche "eine Phase der Stabilität". Sollten sich die Prognosen bestätigten, sei es Aufgabe der Tories, "sicherzustellen, dass wir diese Phase der Stabilität haben".

vks/mkl/dpa/reuters

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