Rohanis Triumph Iraner bejubeln ihren neuen Präsidenten

Ausgelassen feiern die Iraner in den Straßen von Teheran, das Ausland gratuliert: Auf dem neuen Präsidenten, dem moderaten Hassan Rohani, ruhen große Hoffnungen. Das Wahlergebnis ist eine klare Absage an die Erzkonservativen im Land.

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Teheran - Männer und Frauen tanzen ausgelassen auf der Straße zu iranischer Popmusik, zusammen, mitten auf der Straße. Eigentlich ist das in der Islamischen Republik verboten. Doch in dieser Samstagnacht kennt der Jubel kein Halten. Zehntausende Iraner feiern in der Hauptstadt ihren neuen Präsidenten.

"Es lebe Rohani", skandieren sie. "Meine Stimme hat gezählt!", riefen andere in Anspielung an die Wahlen 2009 und "Mussawi, wir haben deine Stimmen zurückgeholt!"

Bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2009 hatten viele den Reformer Hossein Mussawi unterstützt. Doch dann gewann Mahmud Ahmadinedschad haushoch. Viele Iraner witterten massiven Wahlbetrug. Hunderttausende gingen auf die Straße. Ihre Demonstrationen wurden blutig vom Sicherheitsapparat niedergeschlagen.

Die Wahlen 2013 sind nun das exakte Gegenstück. Trotz der bitteren Erfahrung 2009 haben sich viele Iraner nicht entmutigen lassen und haben dennoch ihre Stimme abgegeben.

Der moderate Hassan Rohani gewann die Wahl im ersten Durchgang mit 50,7 Prozent, gefolgt von Mohammed-Bagher Ghalibaf mit 16,6 Prozent. Damit kommen zwei eher moderate Kandidaten auf zwei Drittel aller abgegebenen Stimmen. Said Dschalili, ein Erzkonservativer und aktueller Chefunterhändler des Iran im Atomstreit, bekam nur 11 Prozent.

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Wahlen in Iran: Feierstimmung in Teheran
Für die erzkonservativen Kandidaten aus dem Sicherheitsapparat ist das Ergebnis eine schallende Ohrfeige. Das Ergebnis unterstreicht, dass Präsident Mahmud Ahmadinedschad nicht nur auf der internationalen Bühne Teheran in die Isolation geführt hat. Auch in der Bevölkerung hatte sein Kurs offenbar nur noch wenig Rückhalt.

"Gott sei gedankt, dass wieder Rationalität und Mäßigung über Iran scheinen", sagte Hassan Rohani nach seinem Wahlsieg im Staatsfernsehen. "Dies ist ein Sieg der Weisheit, Mäßigung und des Engagements über Extremismus."

Glückwünsche an die Iraner kamen auch aus dem Ausland. "Wir gratulieren den Iranern für ihre Teilnahme an dem politischen Prozess und für den Mut, ihren Stimmen Gehör zu verschaffen", hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses.

"Wir hoffen, dass die iranische Regierung dem Willen des iranischen Volkes folgt und verantwortliche Entscheidungen trifft, die eine bessere Zukunft für alle Iraner schaffen", sagte US-Außenminister John Kerry.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er hoffe, Iran werde regional und international eine "konstruktive Rolle" spielen. Über die hohe Beteiligung bei der Wahl - nach offiziellen Angaben lag sie bei 72,7 Prozent - zeigte er sich "zufrieden".

Die Iraner hoffen, dass Rohani ihnen mehr Freiheiten zugesteht

Die Erwartungen an Hassan Rohani sind hoch. Zwar kann der Präsident in Iran keine grundlegenden Veränderungen durchsetzen. Im politischen System hat er eine untergeordnete Rolle. Der wichtigste Mann im Staat ist und bleibt Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei. Doch das klare Volksmandat, das Rohani bekommen hat, gibt ihm eine starke Position.

Innenpolitisch erhoffen sich die Iraner, dass Rohani ihnen mehr Freiheiten und Spielraum zugesteht wie etwa vor Mahmud Ahmadinedschad unter dem Präsidenten Mohammed Chatami, dem Rohani nahesteht.

Unter der achtjährigen Präsidentschaft von Mahmud Ahmadinedschad war das politische Klima in Iran immer repressiver geworden. Die unter Chatami aufblühende Zivilgesellschaft wurde zurückgestutzt, viele Nichtregierungsorganisationen, Zeitschriften und Zeitungen geschlossen. Auf der Straße hielten Sittenwächter junge Iraner und Iranerinnen an und überprüften, ob sie sich ordnungsgemäß kleideten.

Im Wahlkampf hatte Rohani angekündigt, die Spaltung Irans zwischen den Unterstützern der Proteste 2009 und dem Establishment überwinden zu wollen. Er sprach sich dafür aus, dass die seit 2009 verhafteten politischen Gefangenen freigelassen würden.

Auch außenpolitisch will Rohani versöhnlichere Töne anstimmen. Er könnte die Atmosphäre verändern, in der die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm stattfinden.

Unter Ahmadinedschad war Iran auf Konfrontationskurs gerückt. Dialog war mit seinem Unterhändler Said Dschalili kaum möglich. Westliche Diplomaten spotteten, Dschalili referiere lieber stundenlang über seine Doktorarbeit zur islamischen Außenpolitik und über seine Erfahrungen als Soldat im Irak-Iran-Krieg als über das Nukleardossier.

Rohani hält zwar fest an dem Prinzip, dass Iran ein Recht auf ein ziviles Atomprogramm habe, erklärt sich aber verhandlungsbereit, um eine Lockerung der harschen Wirtschaftssanktionen zu erreichen.

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rolandjulius 16.06.2013
1. Die Perser feiern einen neuen Präsidenten.
Der Westen hat jetzt ein Neues Problem, denn wie kann man nun Iran fertig machen? Oder glaubt hier jemand dass Ruhani nach unserer Pfeife tanzen wird? Wie schon oben erwähnt ist das Tanzen auf deren Strassen verboten, da wird sich Ruhani auf dem Internationalem Parkett noch viel weniger erwischen lassen wollen.
derandersdenkende 16.06.2013
2. Wunschdenken ?
Zitat von sysopAusgelassen feiern die Iraner in den Straßen von Teheran, das Ausland gratuliert: Auf dem neuen Präsidenten, dem Moderaten Hassan Rohani, ruhen große Hoffnungen. Das Wahlergebnis ist eine klare Absage an die Erzkonservativen im Land. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahl-in-iran-neuer-praesident-ist-hassan-rohani-a-905974.html
Ist es nicht so, daß die Feierstimmung, als ein gewisser Ajatollah Chomeini nach langem Exil im Iran einzog, ungleich größer war? Entscheidend ist, daß der Präsident, das erfüllt, was seine Wähler von ihm erwarten. Und dies muß nicht mit dem identisch sein, was der Westen erwartet. Eine Annäherung wäre für alle wünschenswert, aber diese müßte von beiden Seiten erfolgen und nicht das Interessen aller Beteiligten in Machtgelüsten einfach untergehen.
pharcyde 16.06.2013
3. Zuckerbrot und Peitsche
"Wie manipuliere ich mein Volk? Zuerst jahrelang Schrecken und Angst verbreiten, dann ein bisschen Hoffnung streuen, 3-6 Monate warten und wieder auf 100% Despotismus umstellen - fertig! Diese Aktion wiederholen so oft wie nötig." Sarkasmus off Wie kann man so verblendet sein? Es muss schon ziemlich schlimm in Iran sein, wenn die Menschen dort in Rohani den Heilsbringer sehen, denn dieser wurde vom Ajatollah gestellt. Es ist wirklich beängstigend, wie leicht die Masse zu manipulieren ist...
delponte 16.06.2013
4. Jetzt
ist wieder Zeit für die Naivchens des Westens, die mit Tränen vor Rührung den ach so moderaten Präsidenten begrüßen. Daß das ganze vielleicht nur ein taktischer Rückzug von Khamenei ist, um neuen Massenprotesten aus dem Wege zu gehen, ist für Hardcoreappeaser kein Gedanke wert. Der Mann ist vielleicht nur etwas pragmatischer aber evtl. kein bißchen weniger Hardcore als die sogenannten Konservativen.
sonkaioshin 16.06.2013
5. Man sollte das nicht überbewerten,
Wie manche bein ''arabischen Frühling'' schon von einer utopischen Welt geträumt haben...und wie es in der Realität gekommen ist. So oder so, ist er wohl ''besser'' bzw ''angenehmer'' als ein Ahmadinedschad. Soweit kann man also froh sein.
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