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25. Februar 2013, 16:44 Uhr

Parlamentswahl in Italien

Bersani führt, Berlusconi hofft

Noch läuft die Stimmauszählung, aber zumindest im italienischen Senat kann Ex-Regierungschef Berlusconi auf eine Mehrheit hoffen. Im Abgeordnetenhaus dagegen hat der Sozialdemokrat Bersani sicher gewonnen.

Rom - Italien droht nach den Parlamentswahlen die politische Lähmung. Zwar sehen Prognosen das Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani im Abgeordnetenhaus vorn. Er könnte damit als stärkste Kraft nach dem italienischen Wahlgesetz mit mehr als 50 Prozent der Sitze rechnen. Doch Hochrechnungen lassen vermuten, dass in der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, das Mitte-Rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi triumphieren könnte. Der Medienmogul wäre dann in der Lage, wichtige Entscheidungen der neuen Regierung zu blockieren.

Wie der Sender Sky Italia nach Schließung der Wahllokale am Montag meldete, erreichte Bersanis Bündnis im Abgeordnetenhaus Prognosen zufolge 35,5 Prozent der Stimmen. Dahinter rangiert der Rechtspopulist Silvio Berlusconi mit 29 Prozent. Der Komiker Beppe Grillo erreichte mit seiner Fünf-Sterne-Bewegung demnach 19 Prozent. Der bisherige Ministerpräsident Mario Monti brachte dagegen mit seinem Wahlbündnis lediglich 9,5 Prozent der Stimmen hinter sich. Die Prognose beruht auf Nachwahlbefragungen. Die Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 2,5 Prozent.

Für den Senat ergibt sich nach Auszählung von zwei Dritteln der Stimmen zwar ein ähnliches Bild. Demnach kommt Bersanis Bündnis auf 32 Prozent, Berlusconi auf 30,5 Prozent. Doch die landesweiten Zahlen sind angesichts des komplizierten italienischen Wahlrechts wenig aussagekräftig. Die Mehrheit im Senat entscheidet sich letztlich am Abschneiden in bestimmten Regionen, die besonders stark ins Gewicht fallen. Danach hat Berlusconi trotz einer geringeren Prozentzahl mehr Sitze als Bersani gewonnen, nämlich 112 Sitze, Bersani kommt lediglich auf 105 Sitze. Grillo kommt demnach mit seinen "Fünf Sternen" auf 64 Sitze im Senat.

Die Wahlbeteiligung lag bei unter 75 Prozent, die niedrigste seit Gründung der Republik nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein geringes Wählerinteresse schadet Experten zufolge generell den etablierten Parteien und nutzt populistischen Gruppierungen.

Die Ersten Ergebnisse verheißen nichts Gutes für den eingeschlagenen Reformkurs Italiens. Der Urnengang galt als historische Richtungswahl, die über den Reformkurs Italiens und die Stabilisierung des Euros entscheiden würde.

hen/AP

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