Kolumbien Rechter Duque und Linker Petro gehen in die Stichwahl

Der Ausgang der Präsidentschaftswahl dürfte entscheidend sein für den Friedensprozess in Kolumbien: Nach der ersten Runde müssen nun ein Gegner und ein Fürsprecher des Farc-Abkommens in die Stichwahl.

Wahlkabinen in Kolumbien
AFP

Wahlkabinen in Kolumbien


Der konservative Kandidat Iván Duque hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien gewonnen. Der Bewerber der rechten Partei Centro Democrático kam auf 39,12 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt am Sonntag nach Auszählung von fast allen Stimmen mitteilte. An zweiter Stelle lag demnach mit 25,09 Prozent Gustavo Petro von der linken Bewegung Colombia Humana. Die beiden Bestplatzierten treten bei der Stichwahl am 17. Juni gegeneinander an.

Auf dem dritten Platz landete der Ex-Bürgermeister von Medellín, Sergio Fajardo, mit 23,80 Prozent. Der frühere Vizepräsident Germán Vargas Lleras kam auf 7,22 Prozent, für den ehemaligen Friedensunterhändler Humberto de la Calle stimmten 2,06 Prozent.

Bei der Abstimmung ging es vor allem um die Zukunft des historischen Friedensabkommens mit der linken Guerillabewegung Farc. Der international bejubelte Friedensprozess ist in dem südamerikanischen Land selbst äußerst umstritten. Duque will den Vertrag in wesentlichen Punkten ändern und könnte die Ex-Rebellen damit zurück in den Untergrund treiben. Petro hingegen will an dem Abkommen festhalten.

Die Regierung und die Farc hatten den Bürgerkrieg im Herbst 2016 mit einem Friedensvertrag beigelegt. In dem mehr als 50 Jahre andauernden Konflikt waren mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen und Millionen vertrieben worden. Die Farc haben nun die Waffen niedergelegt und wollen künftig als politische Partei für ihre Ziele eintreten. Für ihre schweren Verbrechen haben sie laut Vertrag nur mit relativ milden Strafen zu rechnen. Zudem erhalten die Ex-Rebellen für zwei Legislaturperioden zehn Sitze im Kongress.

Zwar hat die Gewalt in Kolumbien seit dem Friedensvertrag deutlich nachgelassen, Experten erwarten in den kommenden Jahren ein solides Wirtschaftswachstum. Trotzdem sind viele Menschen mit dem Abkommen unzufrieden. Nach Ansicht der Rechten machte der Staat den Rebellen zu viele Zugeständnisse, nach Ansicht der Linken erfüllt die Regierung ihre Zusagen nicht.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, der für das Abkommen den Friedensnobelpreis erhielt, scheidet am 7. August aus dem Amt. Zum Ende des Wahlkampfes hatte er an die Wähler appelliert, die "enorme Bedeutung" der Wahlen für Kolumbien zu bedenken und dazu aufgerufen, den Friedensprozess fortzuführen.

aar/dpa/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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alfredov 28.05.2018
1. Duque ist als erster in den Wahlen hervor gegangen
Petro ist zweiter geworden. Die absolute Mehrheit hat keiner erreicht. Die beiden treten jetzt am 17 Juni wieder in einer Stichwahl an. Aus meiner Sicht könnte dann aber auch Petro gewinnen, den der dritte bei dieser Wahl, Sergio Fajardo, wird seine Stimmen wahrscheinlich dann an Petro abgeben. Fajardo und Duque verstehen sich nämlich überhaupt nicht, was dann Petro zugute kommen könnte.
makopp5 28.05.2018
2. Glückwunsch Kolumbien
Glückwunsch Duque, Glückwunsch Kolumbien. Die Kolumbianer haben gezeigt, dass sie nicht den dummen populistischen Sprüchen von Petro gefolgt sind. Die vielen Venezolaner, geflohen vor dem Hunger waren bestimmt "gute" Wahlkampfhelfer, dass Petro nicht mehr Stimmen erhalten hat.
albatross507 28.05.2018
3. Fajardo nicht vergessen
Im letzten und fast auch in diesem Artikel wurde Fajardo als moderater Kandidat nicht erwähnt, dabei hätte er fast die Stichwahl erreicht. Das letzte, was Kolumbien derzeit verkraften kann, ist ein Handlanger von Busfahrer-Diktator Maduro (Petro). Das Thema FARC ist zwar wichtig, in Kolumbien wird allerdings aktuell auch viel über die Einwanderungswelle aus Venezuela und die schlechte Wirtschaftslage gesprochen. Daher ist Santos auch im eigenen Land nicht so beliebt wie im Ausland.
ruebke 28.05.2018
4. Ihre Meinung in allen Ehren...
Zitat von makopp5Glückwunsch Duque, Glückwunsch Kolumbien. Die Kolumbianer haben gezeigt, dass sie nicht den dummen populistischen Sprüchen von Petro gefolgt sind. Die vielen Venezolaner, geflohen vor dem Hunger waren bestimmt "gute" Wahlkampfhelfer, dass Petro nicht mehr Stimmen erhalten hat.
wer aber andere, ihnen unbekannte Menschen derartig betitelt, muß sich nicht wundern, sonderlich ernst genommen zu werden. Allen anderen empfehle ich einige Hintergrundinformationen: https://www.nachdenkseiten.de/?p=44138. Hier wird deutlich, dass mal wieder Stimmung gemacht wird gegen Petro, aus alzu bekanten Gründen. Auch Petro hat sich gegen Maduro ausgesprochen, es wird nur mal wieder nicht erwähnt.
schorri 28.05.2018
5. Duque - ein Desaster für Kolumbien
Gerade hat sich Kolumbien aus der Pest des Bürgerkriegs und des gegenseitigen Hasses befreit. Und da erreicht einer (Duque) der den Friedesnprozess torpedieren will und die altgen reaktionären Mächte repräsentiert, die Mehrheit der Stimmen im erstgen Wahlgang. Der beste Präsident wäre sicher Fajardo gewesen, aber der ist knapp gescheitert. Nun geht's also im zwieten Wahlgang um das kleinere Übel. Und das ist eindeutig Petro. Die Hoffnung auf seinen Sieg ist berechtigt, weil Fajardo, der weitsichtigste von allen, erkannt hat hat: Duque wäre ein Desaster für Kolumbien. Und deshalb werden seine Anhänger voraussichtlich Petro unterstützen. Hoffentlich.
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