Demokratisierungsprozess Erste freie Wahl in Libyen hat begonnen

Historischer Tag für die Libyer: Nach mehr als 40 Jahren Gaddafi-Diktatur dürfen sie erstmals in einer freien Wahl ihre Stimme abgeben. Während die einen jubeln und sich vor Wahllokalen fotografieren, versuchen einige Protestler die Abstimmung zu stören.

REUTERS

Tripolis/Bengasi - Knapp ein Jahr liegt der Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi zurück, jetzt hat in Libyen die erste freie Wahl begonnen. Bereits am frühen Morgen bildeten sich vor Wahllokalen in der Hauptstadt Tripolis Warteschlangen. Einige Wähler fotografierten nach der Stimmabgabe ihre mit Tinte aus dem Wahllokal gefärbten Finger und jubelten: "Erhebe deinen Finger, du bist ein freier Libyer!"

Rund 2,8 Millionen Menschen dürfen an diesem Samstag abstimmen. Während sie auf die Stimmabgabe warteten machten viele Libyer Siegeszeichen, einige hatten sich auch die libysche Flagge um die Schulter gelegt, andere sangen, verteilten Süßigkeiten oder hielten Fotos von Angehörigen hoch, die im Bürgerkrieg im vergangenen Jahr gestorben sind.

"Schau mal die Schlangen an", sagte ein 50-jähriger Beamter. Ein Zahnarzt sagte: "Endlich sind wir frei nach Jahren der Angst. Wir wussten, der Tag wird kommen, aber wir hatten Angst, es könnte noch lange dauern." Ein Wahlbeobachter sagte: "Sie wollen, dass der Tag ein Erfolg ist, und das wird er."

Die Libyer sollen eine 200 Mitglieder starke Versammlung bestimmen, die einen Ministerpräsidenten und ein Kabinett ernennen soll. Die Wahllokale schließen um 20 Uhr. Anschließend werden erste Teilergebnisse erwartet, mit dem vorläufigen Endergebnis wird aber nicht vor Montag gerechnet. Ursprünglich war die Wahl für den 19. Juni geplant, musste aber wegen Problemen bei der Vorbereitung verschoben werden.

Während in der Hauptstadt Tripolis Volksfeststimmung herrschte, gab es auch jetzt woanders vereinzelte Krawalle: Vor Beginn der Wahl war es rund um die östliche Metropole Bengasi zu einzelnen Protestaktionen und Angriffen von Föderalisten und Anhängern des alten Regimes gekommen. Das Nachrichtenportal "Qurayna" meldete, in Gaminis, 45 Kilometer westlich von Bengasi, seien drei Wahllokale verwüstet worden. Am Freitag wurde ebenfalls in der Nähe von Bengasi ein Hubschrauber mit Wahlunterlagen von einer Rakete getroffen und musste notlanden. Bei dem Vorfall wurde ein Mann getötet. Der stellvertretende Chef der Wahlleitung warf dem Innenministerium und der Armee vor, die Sicherheit nicht gewährleisten zu können. Insgesamt verläuft der gesamte Wahlprozess aber weitgehend friedlich und geregelt.

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fln/Reuters/dpa/dapd



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fussball11 07.07.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSHistorischer Tag für die Libyer: Nach mehr als 40 Jahren Gaddafi-Diktatur dürfen sie erstmals in einer freien Wahl ihre Stimme abgeben. Während die einen jubeln und sich vor Wahllokalen fotografieren, versuchen einige Protestler die Abstimmung zu stören. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843126,00.html
Von 6,5 Millionen Einwohnern sind 2,7 Millionen Wahlberechtigt? Ist das jetzt die neue Demokratie wo nur noch 40% der Bevölkerung ein Wahlrecht haben oder werden bestimmte Gruppen von vorn herein von der Wahl ausgeschlossen?
murock 07.07.2012
2. optional
Die 200 Sitze der verfassungsgebende Versammlung wurden nach Bevölkerungsdichte verteilt, so hat der Westen 102 bekommen, der Osten 60 und der Süden 38. Einige Ossis sind der Meinung das wäre zu wenig und sie hätten dabei keinen grossen Einfluss, deshalb machen sie Krawalle. Was soll man dazu sagen?. Ich finde es peinlich.
unmoderiert 07.07.2012
3.
Zitat von fussball11Von 6,5 Millionen Einwohnern sind 2,7 Millionen Wahlberechtigt? Ist das jetzt die neue Demokratie wo nur noch 40% der Bevölkerung ein Wahlrecht haben oder werden bestimmte Gruppen von vorn herein von der Wahl ausgeschlossen?
Wahlberechtigt sind nur die Erwachsenen. Google hätte geholfen.
lifeguard 07.07.2012
4.
Zitat von fussball11Von 6,5 Millionen Einwohnern sind 2,7 Millionen Wahlberechtigt? Ist das jetzt die neue Demokratie wo nur noch 40% der Bevölkerung ein Wahlrecht haben oder werden bestimmte Gruppen von vorn herein von der Wahl ausgeschlossen?
zur erinnerung: einwohnerzahl : 6,4 mio. wahlberechtige bevölkerung (ab 18 jahre): 3,5 mio registrierte wähler: 2,8 mio die registrierung mußte druchgeführte werden, da es unter gaddafi keine wähleregister gab
c59 07.07.2012
5. Das Kopftuch der Dame
Zitat von sysopREUTERSHistorischer Tag für die Libyer: Nach mehr als 40 Jahren Gaddafi-Diktatur dürfen sie erstmals in einer freien Wahl ihre Stimme abgeben. Während die einen jubeln und sich vor Wahllokalen fotografieren, versuchen einige Protestler die Abstimmung zu stören. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843126,00.html
Das Kopftuch der Dame mit dem blauen Finger beanwortet alle Fragen. Frei wird sie sicher nicht dem "Neuen Libyen" sein. Aber interssiert uns das. Hauptsache das Öl läuft wieder aus Libyen.
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