Sieg für Mark Rutte: Niederländer wählen pro Euro

Es ist ein Signal für Europa - und gegen die extreme Rechte: Der amtierende Regierungschef Mark Rutte von den Liberalen hat sich zum Sieger der Parlamentswahl in den Niederlanden erklärt. Er plant nun eine Koalition mit den Sozialdemokraten. Den Populisten Geert Wilders straften die Wähler ab.

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Niederländischer Ministerpräsident Rutte: Starkes Ergebnis bei Parlamentswahl

Den Haag - Die Niederländer haben bei der vorgezogenen Parlamentswahl für einen proeuropäischen Kurs gestimmt: Ministerpräsident Mark Rutte rief seine rechtsliberale Partei für Freiheit und Demokratie (VVD) in der Nacht zum Sieger aus. Rutte sagte am frühen Donnerstagmorgen, sein Herausforderer Diederik Samsom habe ihn angerufen und ihm zu seinem Wahlsieg gratuliert.

Nach Auszählung der Stimmen aus 92 Prozent der Wahlkreise kam die VVD auf 41 der 150 Sitze im Parlament. Samsoms sozialdemokratische Arbeiterpartei (PvdA) erzielte 39 Sitze. Beide großen Parteien konnten größere Zugewinne erzielen als in Umfragen erwartet.

"Lasst uns heute feiern und morgen gehen wir an die Arbeit, damit so schnell wie möglich ein stabiles Kabinett gebildet wird", sagte Rutte vor jubelnden Anhängern in Den Haag. Er werde helfen, die Niederlande aus der Krise zu führen.

Rutte bezeichnete den Wahlsieg der VVD als Bestätigung der Politik seiner Regierung. Das Ergebnis sei eine Aufforderung, die Arbeit fortzusetzen, sagte er. Die Rechtsliberalen sind Unterstützer der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und setzen auf eine drastische Sparpolitik.

Für die Niederländer ist vor allem eines entscheidend: Die Chance für eine stabile Regierung scheint nun groß. Und das ist neu. Zum fünften Mal in zehn Jahren waren die rund 12,7 Millionen Wähler zu den Urnen gerufen worden. Zuletzt war die Minderheitsregierung aus Rechtsliberalen und Christdemokraten im April gescheitert, nach nur 18 Monaten.

Koalition der Wahlsieger scheint wahrscheinlich

Jetzt werden die Sozialdemokraten und die Rechtsliberalen wohl eine Koalition bilden, mit einer stabilen Mehrheit. Sowohl Premier Rutte (45) als auch sein Herausforderer Samsom (41) hatten dies im Wahlkampf nicht ausgeschlossen - wenn es auch eher eine Muss-Ehe als eine Liebesheirat wird. "Wir sind bereit, eine stabile Regierung zu bilden", kündigte Samsom an.

Rutte erklärte, er wolle sich noch nicht zu einer möglichen Koalition äußern. Koalitionsverhandlungen können erst beginnen, wenn das offizielle Endergebnis am Montag bestätigt wird.

Herbe Verluste musste dagegen der Rechtspopulist Geert Wilders hinnehmen, der einen Wahlkampf gegen den Euro geführt hatte. Seine Partei für die Freiheit fiel von 24 auf 15 Sitze. "Eine sehr große Niederlage", nannte Wilders am Abend das vorläufige Ergebnis. "Aber wir geben nicht auf, wir kommen knallhart zurück." Die Sozialistische Partei blieb unverändert bei 15 Sitzen.

Der schwedische Außenminister Carl Bildt begrüßte das Wahlergebnis. "Es sieht so aus, als ob die populistischen Anti-Europäer in der niederländischen Wahl klar verlieren", twitterte er. "Das sind gute Nachrichten."

jok/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 52 Beiträge
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1.
homersimpson75 13.09.2012
Zitat von sysopREUTERSEs ist ein Signal für Europa - und gegen die extreme Rechte: Der amtierende Regierungschef Mark Rutte von den Liberalen hat sich zum Sieger der Parlamentswahl in den Niederlanden erklärt. Er plant nun eine Koalition mit den Sozialdemokraten. Populist Geert Wilders straften die Wähler ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855505,00.html
Im ganzen Artikel nur ein knapper Satz über die Partei, die von SPON und anderen deutschen Medien schon in den letzten Wochen vorauseilend zum Wahlsieger erklärt wurde.
2. Mir ist voellig schleierhaft ...
Worldwatch 13.09.2012
Zitat Spon: "Die Wahlbeteiligung lag bis 18.00 Uhr bei 48 Prozent und damit unter der der vorigen Wahlen. 2010 hatten insgesamt gut 75 Prozent ihre Stimme abgegeben." ... wie man bei einer Wahlbeteiligung von
3. Na so was...
Achmuth_I 13.09.2012
...die zahlen auch nicht weniger als die Deutschen üfr die Eurorettung (pro Kopf) und trotzdem wollen die das? Anscheinened müssen alle anderen verrückt sein - nur nicht die Deutschen. Oder könnte das auch eher umgekehrt sein?
4.
moppel1 13.09.2012
Die Grünen verlieren 2/3 ihrer Sitze. Die Christdemokraten verlieren 1/3 ihrer Sitze und * die Linken sind auf Platz 3 in NL und werden in den deutschen Medien totgeschwiegen.* *Auch in den Niederlanden sind die Linken die einzige ernstzunehmende demokratische Opposition.*
5.
mwroer 13.09.2012
Der schwedische Außenminister mag ja ein netter Kerl sein aber Ahnung hat er keine. Wilders und die VVD wurden nicht abgestraft weil sie Wahlkampf gegen den Euro gemacht haben, die VVD wurde abgestraft weil im letzten Jahr auch dem dümmsten klar wurde das die VVD eine 1 Mann Show ist, ohne Konzept und Wilders eben einfach nur ein Clown. SIe haben sich rechtzeitig selbst demontiert und zwar vor laufenden Fernsehkameras :) Das die VVD auf dem absteigenden Ast ist - ist die gute Nachricht. Was alles andere angeht, wird's jetzt zappenduster :(
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Fotostrecke
Stimmung vor der Wahl: Politischer Umbruch in den Niederlanden

Fläche: 41.528 km²

Bevölkerung: 16,730 Mio.

Hauptstadt: Amsterdam

Regierungssitz: Den Haag

Staatsoberhaupt: König Willem-Alexander

Regierungschef: Mark Rutte

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