Wahl Schwedens Parlament rückt nach rechts

In Schweden wirbelt die Wahl die politischen Verhältnisse durcheinander: Die Sozialdemokraten holen das schlechteste Ergebnis seit Jahrzehnten - und die Rechtspopulisten das beste seit Gründung.

Schwedisches Parlament
AP

Schwedisches Parlament


Die Sozialdemokraten sind bei der Parlamentswahl in Schweden wieder mit Abstand stärkste politische Kraft. Die Partei von Regierungschef Stefan Löfven muss aber um ihre Macht bangen. Das Mitte-Links-Lager kommt nach der Auszählung von etwa 60 Prozent der Wahlkreise auf etwa 40 Prozent der Stimmen - ebenso wie die Mitte-Rechts-Allianz unter dem Oppositionschef Ulf Kristersson.

Die einwanderungskritischen Schwedendemokraten holten das beste Ergebnis ihrer Geschichte und werden zweit- oder drittstärkste Partei. Sie könnten gemeinsam mit der Mitte-Rechts-Allianz den Premier Löfven stürzen. Allerdings ist fraglich, ob sich die bürgerlich-konservativen Parteien darauf einlassen.

Rechtsruck in Schweden

Damit setzt sich auch in Schweden der Rechtsruck fort, wenn auch etwas geringer, als vorher angenommen. Erneut verloren haben die Sozialdemokraten, ähnlich wie vor einem Jahr in Deutschland und wie in Italien und Österreich.

Die Sozialdemokraten holen nach den bisherigen Auszählungen auf etwa 28 Prozent. Das sind drei Prozentpunkte weniger als bei der vergangenen Reichstagswahl 2014 - und das schlechteste Ergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings schnitt die Arbeiterpartei deutlich stärker ab, als ihr in den Umfragen vorhergesagt wurde.

In nur noch sechs der 28 EU-Staaten führten zuletzt klassische Mitte-links-Parteien die Regierung: in Rumänien, in Portugal, in der Slowakei, in Malta, in Spanien - und eben in Schweden. Nun muss die Partei, die Westeuropa geprägt hat wie kaum eine andere, auch in ihrem Vorzeigeland Verluste einstecken.

Auf Rang zwei liegen Kristerssons konservative Moderate mit gut 19 Prozent. Ihre Verluste sind ähnlich hoch wie bei den Sozialdemokraten. Die rechten Schwedendemokraten liegen bei knapp 18 Prozent - ein Plus von etwa fünf Prozentpunkten gegenüber 2014. In Meinungsumfragen des Sommers waren ihnen allerdings bis zu 28 Prozent vorher gesagt worden.

Minderheitsregierung ist wahrscheinlich

Mitentscheidend für die Machtarithmetik in Stockholm wird sein, ob Löfvens Koalitionspartner, die grüne Umweltpartei, den Einzug ins Parlament schafft. Nach den bisherigen Auszählungen sieht es eher danach aus. Mit 4,5 Prozent liegt die Partei knapp über der Vierprozenthürde. Insgesamt werden sieben oder acht Fraktionen im Parlament vertreten sein.

Beobachter halten nach dem Wahlausgang eine Minderheitsregierung für wahrscheinlich. Schon in der abgelaufenen Wahlperiode hatte Löfven keine Mehrheit der Abgeordneten hinter sich. In Schweden gab es seit den 1970er-Jahren mehr Minderheits- als Mehrheitsregierungen.

tin/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 134 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Paul Max 09.09.2018
1. ....
und das, obwohl Schweden keine Bundeskanzlerin Merkel hat. Ist das Ganze vielleicht ein trauriges Ergebnis von etwas anderem als der Flüchtlingskrise? Es passt denjenigen, die zur allgemeinen Verunsicherung beitragen, und das sind weder Flüchtlinge, noch willkommenheißende Bürger, oder Politiker, sind sehr froh, um diesen Umstand. Wie heißt es doch so schön bei Macky Messer: Und der Haifisch der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht .....
jpphdec 09.09.2018
2. Es sind nicht die Schwedendemokraten,
die eine Regierungsbildung "schwierig" machen. Es sind "etablierte" Parteien, die immer noch Realitäten nicht wahrhaben wollen, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf.
trex#1 09.09.2018
3.
Schweden liegt im europäischen Trend. Keine Überraschung. Vermutlich werden die SD einen der beiden Blöcke dulden
Neandiausdemtal 09.09.2018
4. Halb so wild
Auch in Schweden haben 80 % der Wähler Anstand bewiesen und erbärmliche 20% nicht. Das sollte keine allzu großen Probleme geben.
seneca55 09.09.2018
5. Skol!!
Wat nu Sweden? Die Schweden Demokraten wie erwartet bei 20% und jetzt 2t-stärkste Kraft und damit voll im Trend wie der Rest in der EU. Aber abwarten und Tee trinken!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.