Verblüffende Zwischenetappe einer historischen Wahl: Die Tschechen haben zum ersten Mal direkt über ihren künftigen Präsidenten abgestimmt und neben Milos Zeman einen Außenseiter in die Stichwahl Ende Januar geschickt. Neben dem linken Ex-Regierungschef kämpft in zwei Wochen der konservative Außenminister Karel Schwarzenberg um den Einzug in die Prager Burg. Der bis vor kurzem als aussichtsreichster Kandidat gehandelte frühere Ministerpräsident Jan Fischer landete bei der Abstimmung unter neun Kandidaten hingegen nur auf Platz drei.
Nach Auszählung nahezu aller in den 15.000 Wahlbüros abgegebenen Stimmzettel ergab sich ein klares Bild: Zeman konnte gut 24 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, Schwarzenberg lag mit etwas über 23 Prozent knapp dahinter. Für Fischer entschieden sich nur gut 16 Prozent der Wähler. Weil kein Kandidat im ersten zweitägigen Wahlgang eine eigene Mehrheit erreichte, folgt nun am 25. und 26. Januar eine zweite Runde.
Der konservative Adelige Karel Fürst zu Schwarzenberg hatte offenbar mit einem starken Kampagnen-Endspurt viele Wähler für sich gewinnen können. Bei einer Kundgebung in Prag konnte er 10.000 Anhänger um sich scharen.
Die zweite und letzte Amtszeit des scheidenden Präsidenten Vaclav Klaus endet am 7. März. Er durfte sich nicht um eine weitere Amtsperiode bewerben. Die im vergangenen Februar verabschiedete Verfassungsänderung, die erstmals eine Direktwahl des Staatsoberhauptes ermöglicht, hat Klaus inzwischen als "fatalen Fehler" bezeichnet. Seit der Spaltung der ehemaligen Tschechoslowakei im Jahre 1993 wurde Tschechien von zwei parlamentarisch gewählten Präsidenten geführt. Vor Klaus hatte der 2011 gestorbene Dichter und Dissident Vaclav Havel das höchste Staatsamt inne.
Linker Polit-Exzentriker und konservativer Fürst
Im zweiten Wahlgang treffen nun zwei denkbar gegensätzliche Politiker aufeinander. Milos Zeman gehört zu den schillerndsten Figuren der Prager Politszene. Zwischen 1998 und 2002 war er Chef einer linksliberalen Minderheitsregierung. Später zerstritt er sich mit seiner sozialdemokratischen Partei CSSD und gründete 2009 die Bürgerrechtspartei SPOZ. Zeman hegt für Tschechien "die Vision eines Sozialstaats nach skandinavischem Vorbild". Zugleich aber kündigte er an, sich "durch regelmäßige Auftritte in Kabinett und Parlament" aktiv in die Regierungspolitik einmischen zu wollen.
Der 75jährige Schwarzenberg hingegen gehört seit Jahren zum Polit-Establishment Tschechiens. Er ist Parteichef der konservativen Partei TOP 09 und Mitglied der regierenden Mitte-Rechts-Koalition. Während der Kommunistenherrschaft lebte er im österreichischen und deutschen Exil. Nach der Revolution wurde er Havels Kanzler und von 2007 bis 2009 Außenminister - ein Amt, das er nach den Wahlen 2010 wieder übernehmen durfte.
ric/afp/dapd
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