Chávez-Sieg in Venezuela: Triumph stimmt den Caudillo milde

Von Jens Glüsing, Rio de Janeiro

Er weckte seine Wähler per Feuerwerk und verteufelte den Gegner. Hugo Chávez zog in Venezuelas Wahlkampf noch einmal alle Tricks. Mit Erfolg: Der Präsident regiert weiter. Nach dem Sieg zeigte er sich jedoch milde. Das Land rätselt über die Gesundheit des Caudillo.

Venezuela: Chávez jubelt Fotos
REUTERS

Der Verlierer schickte eine klare Botschaft an den frisch wiedergewählten Präsidenten: Er hoffe, dass Hugo Chávez das Wahlergebnis richtig zu lesen wisse, sagte Oppositionskandidat Henrique Capriles. Zuvor hatte er seine Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela eingeräumt. Über 44 Prozent hat die Opposition erreicht, so viel wie noch nie gegen den übermächtigen Caudillo. Fast die Hälfte des Wahlvolks hat für ein Ende der "bolivarischen Revolution" gestimmt. Das ist keine kleine "Oligarchie" oder Bourgeoisie, wie Chávez seine Gegner gern tituliert. Doch wahr ist auch: Dieser politische Goliath ist an den Urnen nicht zu schlagen.

Als die Wahlbeteiligung über 80 Prozent stieg und immer noch lange Schlangen vor den Wahllokalen warteten, war abzusehen, dass Chávez sein Ziel erreichen würde: Er hatte es geschafft, auch jene Wähler zu mobilisieren, die seine Politik nicht zu hundert Prozent mittragen und bei einer weniger wichtigen Entscheidung zu Hause geblieben wären. Mit einem Feuerwerk in den Armenvierteln von Caracas hatte die Regierung ihre Anhänger morgens um sechs Uhr geweckt, damit niemand die Wahl verschlafen würde.

Seine Töchter und alte Kampfgefährten begleiteten Chávez, als er nach seinem Sieg auf den Balkon des Präsidentenpalasts trat, um zu seinen Anhängern zu sprechen. Es scheint, als ob er Capriles' Verweis auf die 44 Prozent seiner Gegner verstanden hat: Er lobte die Opposition, dass sie das Wahlergebnis so schnell anerkannt habe und erklärte, dass er den Dialog suche.

Im Wahlkampf hatte er zwar einen Kübel voller Beleidigungen über seinen Gegner ausgeschüttet, doch in Wirklichkeit ist der Caudillo längst nicht mehr so aggressiv und radikal wie in seinen ersten Amtsjahren. Seine Krebserkrankung hat ihn milder gestimmt, außenpolitisch sucht er den Kontakt zu einstigen Gegnern: Er unterstützt den Friedensdialog der kolumbianischen Regierung mit der Guerilla Farc, auch gegenüber Washington schlug er zuletzt freundlichere Töne an.

Seine bolivarische Revolution hat den Glanz der frühen Jahre verloren; das brasilianische Entwicklungsmodell einer gemäßigten Linksregierung scheint den meisten seiner lateinamerikanischen Amtskollegen attraktiver als Chávez' "Sozialismus des 21. Jahrhunderts". Ein Platz in der Geschichte ist Chávez trotzdem sicher, er hat den Millionen Armen und Ausgeschlossenen in ganz Lateinamerika eine Stimme verliehen.

Die Frauen lieben Chávez

Seine Sozialprogramme haben vielen Venezolanern echte Verbesserungen gebracht, trotz Korruption und Verschwendung. Vor allem die Frauen in den Armenvierteln lieben und vergöttern ihn: Ohne ihre Hingabe wäre die Revolution längst versandet.

Wenn Chávez seine sechsjährige Amtszeit bis zum Ende durchsteht, war er insgesamt 20 Jahre an der Macht, so lange wie kein gewählter Präsident vor ihm. Nur der Caudillo Juan Domingo Perón in Argentinien hat sein Land so nachhaltig geprägt wie Chávez die Ölnation Venezuela. Doch wird er den Regierungsmarathon auch gesundheitlich überstehen?

Wie krank ist der Präsident? Diese Frage überschattet seinen Sieg. Bei jedem Auftritt wird sein physischer Zustand mit Argusaugen begutachtet, wenn er für einige Tage von der Bildfläche verschwindet, brodelt sofort die Gerüchteküche. Andererseits hat ihm sein Triumph Aufschub verschafft: Er hat jetzt Zeit und Ruhe, um seine Nachfolge zu regeln.

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Warum ist es,
hdudeck 08.10.2012
Zitat von sysopEr weckte seine Wähler per Feuerwerk und verteufelte den Gegner. Hugo Chávez zog in Venezuelas Wahlkampf noch einmal alle Tricks. Mit Erfolg: Der Präsident regiert weiter. Nach dem Sieg zeigte er sich jedoch milde. Das Land rätselt über die Gesundheit des Caudillo. Wahl in Venezuela: Chávez bleibt an der Macht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahl-in-venezuela-chavez-bleibt-an-der-macht-a-860128.html)
das Artikel im SPON ueber Chávez immer einen negativen Unterton haben? Es gipfelte sogar darin, das Autoren des SPON ihn in frueheren Artikeln als Diktator verunglimpften. Der Mann tat im Wahlkampf genau das Gleiche, was wir nun (und extremer) im US Wahlkampf erleben und wir in Deutschland naechstes Jahr erleben werden. Zitat: Über 44 Prozent hat die Opposition erreicht, soviel wie noch nie gegen den übermächtigen Caudillo. Fast die Hälfte des Wahlvolkes hat für ein Ende der "bolivarischen Revolution" gestimmt. Zitat Ende. Was fuer ein Quatsch, 44% sind nicht die Haelfte und das diese das Ende der "bolivarischen Revolution" wollen ist Interpretation des Autoren. Und was ist diese "bolivarische Revolution"? Beziehen sich die Autoren auf Bolivar oder auf das Land Bolivien oder eine Epoche in der Geschichte Suedarmericas? Sieht so aus das der Artikel wieder einmal ohne Sinn und Verstand vom Original uebersetzt wurde.
2. Anscheinend
gandhiforever 08.10.2012
Zitat von sysopEr weckte seine Wähler per Feuerwerk und verteufelte den Gegner. Hugo Chávez zog in Venezuelas Wahlkampf noch einmal alle Tricks. Mit Erfolg: Der Präsident regiert weiter. Nach dem Sieg zeigte er sich jedoch milde. Das Land rätselt über die Gesundheit des Caudillo. Wahl in Venezuela: Chávez bleibt an der Macht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahl-in-venezuela-chavez-bleibt-an-der-macht-a-860128.html)
hat die Verteuflung von Chavez in westlichen Medien nicht den gewuenschten Effekt in Venezuela. dort scheint das Volk eher erfreut darueber, dass der Profit aus dem Erdoel im eignen Land bleibt, dem Volk zugute kommt.
3.
Xangod 08.10.2012
Zitat von hdudeck...Der Mann tat im Wahlkampf genau das Gleiche, was ... wir in Deutschland naechstes Jahr erleben werden. ...
Drohen unser Regierungparteien für den Fall eine Abwahl mit einem Bürgerkrieg und verteilen an die Jugendorganisationen Kalaschnikovs (oder meinetwegen G3s)??? Parallen gibt es aber schon. Wie unsere Politiker das Geld der Menschen an Banken und PIGS-Staaten veruntreuen, so versenkt Chavez das Volksvermögen in Kuba.
4.
grana 08.10.2012
Zitat von sysopEr weckte seine Wähler per Feuerwerk und verteufelte den Gegner. Hugo Chávez zog in Venezuelas Wahlkampf noch einmal alle Tricks. Mit Erfolg: Der Präsident regiert weiter. Nach dem Sieg zeigte er sich jedoch milde. Das Land rätselt über die Gesundheit des Caudillo. Wahl in Venezuela: Chávez bleibt an der Macht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahl-in-venezuela-chavez-bleibt-an-der-macht-a-860128.html)
Wer die Oberschicht vor Chavez erlebt hat, der empfindet Chavez eher als ein notwendiges Übel. Das was man unserer Oberschicht vorwirft war und ist die normale Realität in Venezuela. Ich wünsche Herrn Chavez ein langes Leben und hoffe, dass trotz Embargo, Krebsleiden und weltweiter Propaganda er noch einiges für die arme Bevölkerung tun kann.
5. Blödsinn
wolla2 08.10.2012
"so versenkt Chavez das Volksvermögen in Kuba" Beispiel Benzin: Chavez hat keine Ölindustrie verstaatlicht. Er hat lediglich angekündigt, bei Neuverhandlungen der Verträge, sie günstiger für das Volk ausfallen zu lassen. Kolumbien bezieht für den Eigenbedarf rd. 13% zum Foörderpreis von 1 US$ pro Barrel. 87% des Eigenbedarfs muss die Bevölkerung das eigene Öl für rd. 100 US$ Weltmarktpreis kaufen. So einen Quatsch hat Chavez abgeschafft. Klar, dem neo Liberalismus ist das nicht recht. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, dass das Modell Marktwirtschaft an der Wand landet. Die Venuzuelaner haben dann immer noch ihr Öl. Chavez ist derzeit das Beste, was ihnen passieren kann. Warum kann ein Medium wie SPON eine Wahl so akzeptieren, wie sie ist. Warum können Journalisten Situationen immer besser beurteilen, als die Menschen, die Jahrzehnte damit umgehen und warum werden solche Artikel immer von Journalisten verfasst, die fast 10.000 km davon entfernt sitzen und nicht mitten drin?
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