Wahlen in Australien: Der "verrückte Mönch" greift nach der Macht

Seine Gegner verdammen ihn als Frauenhasser und Klimakiller, er selbst wirkt den fünfziger Jahren entstiegen: Trotzdem könnte der konservative Tony Abbott schon bald in Australien regieren. Für die Wahl am Samstag kann er sich auf einen milliardenschweren Unterstützer verlassen.

Die Australier sind vernarrt in Spitznamen - alles und jeder wird verkürzt, verknappt, verniedlicht. Auch für Tony Abbott war rasch einer gefunden: "Mad Monk", verrückter Mönch, wird der 55-Jährige nicht nur hinter vorgehaltener Hand genannt. Eine Anspielung auf sein oft übertrieben aggressives Auftreten und die Tatsache, dass sich Abbott einmal als Priesteranwärter versucht hatte.

Eben dieser "verrückte Mönch" steht nun kurz davor, nach sechs Jahren die Sozialdemokraten an der Regierung abzulösen. Am Samstag sind rund 14,7 Millionen Australier aufgefordert, ihr Kreuzchen zu machen. Viele dürften sich laut den jüngsten Umfragen für Abbott entscheiden. Bis zu 87 Sitze verheißen diese Abbotts Liberal Party, Premierminister Kevin Rudd kam mit seiner Labor Party zuletzt nur auf 60 der insgesamt 150 Mandate.

Fünf Wochen dauerte die heiße Phase im australischen Wahlkampf, und der politische Gegner um Premier Rudd hat wenig unversucht gelassen, um Abbott als Hassfigur darzustellen. Dieser stehe in seinen Überzeugungen gegen Frauen, Homosexuelle, Abtreibung und den Klimaschutz. Überhaupt, so das sozialdemokratische Lager, bewege sich Australien unter einem Premier Abbott auf schnellstem Weg zurück in die fünfziger Jahre.

Fotostrecke

7  Bilder
Australien vor der Wahl: Frag das Krokodil-Orakel
Tatsächlich tat Abbott lange wenig, um sein Image als erzkonservativer Hardliner zu korrigieren. Er sinnierte offen über den Sex-Appeal von Parteikolleginnen, sprach der kinderlosen ehemaligen Premierministerin Julia Gillard die Expertise in Familienangelegenheiten ab und fragte in einem TV-Duell mit Rudd giftig, ob dieser "denn auch mal die Klappe halten" könne.

Vielen Australiern scheint die Vorstellung eines Regierungschefs Abbott indes wenig Bauchschmerzen zu bereiten. Zu genervt sind viele von dem Hin und Her an der Spitze der Labor Party. Zur Erinnerung: Im Juni 2010 stürzte Ministerin Julia Gillard den damaligen Premier Rudd und trat als erste Frau an die Regierungsspitze. Drei Jahre und einen hässlichen Führungsstreit später setzte Labor wieder auf Rudd. Im Juli 2013 musste Gillard ihren Posten räumen.

Im Wahlkampf ließ Abbott keine Gelegenheit aus, das Chaos an der Spitze als Symptom für die mangelnde Führungskraft der Regierung zu deuten. "Wir haben schlechte Überraschungen satt. Deshalb werden wir eine Regierung ohne Entschuldigungen und Ausreden bilden", sagte Abbott laut dem britischen "Telegraph".

Wo er mit Kritik am Gegner nicht weiterkommt, setzt der Konservative auf teils abenteuerliche Wahlversprechen. Besonderes Highlight ist ein Programm, das Frauen je nach Einkommen bis zu 75.000 australische Dollar (das entspricht rund 52.000 Euro) für sechs Monate Elternzeit verheißt. Mehr als fünf Milliarden Dollar dürfte das die Staatskasse im Jahr kosten, selbst in der eigenen Partei ist man skeptisch.

Streitpunkt CO2-Steuer

Für die meisten Australier ist jedoch entscheidend: Abbott hat die Wahl zum Referendum über die CO2-Steuer erklärt. Seit Juli 2012 kassiert Australien die Abgabe von den größten Erzeugern des Treibhausgases Kohlendioxid. Dazu gehören unter anderem Kraftwerke und große Fabriken, die die Belastung auf die Verbraucher umlegen. In der Bevölkerung brodelt seitdem der Unmut über die vermeintlich unangemessene Belastung und horrende Stromrechnungen. Für Abbott ein willkommener Angriffspunkt. Noch am Tag des Wahlsiegs, so der Politiker auf seiner Webseite, werde er erste Schritte zur Abschaffung der Steuer einleiten.

Im Kampf um Wählerstimmen weiß Abbott außerdem einen mächtigen Verbündeten hinter sich: Medien-Tycoon Rupert Murdoch hat dem konservativen Kandidaten seinen Segen und seinen Redaktionen einen eindeutigen Marschbefehl erteilt. Am Tag nach Bekanntgabe titelte Murdochs Boulevard-Blatt "Daily Telegraph" über die Labor-Führung: "Schmeißt sie endlich raus".

Für "Big Wendell" ist die Wahl schon entschieden

Der Abbott-Unterstützer kontrolliert rund 70 Prozent der australischen Medienlandschaft. Eine Woche vor der Wahl legte sein "Sunday Telegraph" noch einmal nach: "Australien braucht Tony" lautete die Überschrift am vergangenen Sonntag. Glaubt man den Prognosen, sehen das viele Australier offenbar ähnlich.

Mindestens so stolz wie auf ihre Fähigkeit zur Spitznamenfindung sind die Australier übrigens auf die bisweilen tödliche Fauna ihres Kontinents. Da wundert es kaum, dass für die Vorhersage des Wahlausgangs ein mehr als fünf Meter langes Salzwasserkrokodil bemüht wurde. Die gute Nachricht für die Opposition: Der hellseherisch begabte "Big Wendell" verbiss sich am Donnerstag in ein Foto Abbotts. Der Wahlsieg scheint ihm kaum noch zu nehmen.

jok

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Meine Meinung.
holyfetzer86 07.09.2013
Sehr gut. Wünsche Tony Abbott alles Gute und hoffe er lässt sich nicht von den Medien schlechtreden. Schon gar nicht von denen auf der anderen Seite der Welt. Aber die Australier sind Gott sei Dank vernunftbegabtere Menschen als die Ideologen in Europa ...
2. Da sieht man mal wieder...
gyandromedae 07.09.2013
wie einfach eine Demokratie zu zerstören ist, danke Rupert! Wie dumm muss ein Volk sein, sich von einem solchen Subjekt beeinflussen zu lassen? Ich schätze es ist übrigens kein Zufall, dass es wieder ein Mal Konservative sind, die hier die demokratische Kultur zerstören. Warum fährt der Rupert eigentlich nicht mal öfter Cabrio?
3. Mal ganz ehrlich ...
chickenkiller 07.09.2013
Zitat von sysopDPASeine Gegner verdammen ihn als Frauenhasser und Klimakiller, er selbst wirkt den fünfziger Jahren entstiegen: Trotzdem könnte der konservative Tony Abbott schon bald in Australien regieren. Für die Wahl am Samstag kann er sich auf einen milliardenschweren Unterstützer verlassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahlen-in-australien-toyn-abbott-greift-nach-der-macht-a-920763.html
So schlecht waren die Fünfziger nun auch nicht! Wunderschöne Heckflossen an den Autos, saubere Straßen mit Schirmchenlaternen, Petticoats und Heels, man konnte überall rauchen und besoffen mit dem Auto fahren, Frauen haben sich noch anständig benommen ... also ich kann die Australier verstehen!
4. voll optional
Scheidungskind 07.09.2013
Der Mad Monk schaut einfach gut aus - seine Gegner sollten es lieber nicht mit "weichen" Themen versuchen - viele Damen wissen längst, wo sie ihr Kreuzchen machen werden. Und ein Rauhbein ist er auch noch!
5. Globale Entwicklung
mps58 07.09.2013
Rund um die Welt scheinen die Menschen die Nase von den grünen Verbotsideologen voll zu haben. Schnauze voll von Verboten und zusätzlichen Abgaben, und Du?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Australien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 53 Kommentare