Wahlen in Island Linksparteien stehen vor historischem Triumph

Erfolg für Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir: Nach Auszählung eines Großteils der Stimmen liegen bei den Wahlen in Island die Linksparteien deutlich vorn - ein solches Ergebnis hatte es seit der Staatsgründung nicht gegeben.


Reykjavík - In Island haben die Linksparteien erstmals seit der Staatsgründung vor 65 Jahren die absolute Mehrheit im Parlament. Bei den Wahlen am Samstag erreichte die sozialdemokratische Partei von Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir zusammen mit den Linksgrünen 52,7 Prozent und damit 34 von 63 Sitzen im Althing in Reykjavík. Beide Parteien haben Anfang des Jahres eine Minderheitsregierung gebildet. Sigurdardóttir kündigte eine schnelle Initiative an, um ihr Land mit seinen 320.000 Bürgern möglichst bald in die EU zu führen.

Premierministerin Sigurdardóttir (rechts, mit der früheren Wissenschaftsministerin Gunnarsdottir): Historischer Wahlsieg in Island
DPA

Premierministerin Sigurdardóttir (rechts, mit der früheren Wissenschaftsministerin Gunnarsdottir): Historischer Wahlsieg in Island

Nach Auszählung von 82 Prozent der Stimmen sind die traditionell dominierenden Konservativen klare Wahlverlierer mit 23,9 statt bisher 36,1 Prozent. Als Hintergrund gelten die katastrophalen Auswirkungen der Finanzkrise. Die Selbständigkeitspartei hatte bis zum Rücktritt ihres Ex-Parteichefs Geir Haarde als Ministerpräsident im Januar 18 Jahre ununterbrochen regiert.

Sigurdardóttir sagte zu dem sich abzeichnenden Ergebnis: "Die Nation hat ihre Rechnung mit dem Neoliberalismus und der Unabhängigkeitspartei beglichen, die zu lange regiert hat. Die Leute wollen eine andere Moral. Deswegen haben sie für uns gestimmt." Bei dem Urnengang waren 228.000 Wahlberechtigte des Inselstaates aufgerufen, über die 63 Sitze im Althing genannten Parlament abzustimmen.

Die drei wichtigsten Banken des Landes waren im Oktober nur Wochen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen, der Staat musste einspringen. Die Regierung unter Ministerpräsident Geir Haarde wurde von Protesten aus dem Amt gejagt, die linke Minderheitsregierung unter Sigurdardóttir übernahm die Regierungsgeschäfte.

Der Staat ist hochverschuldet, und die Landeswährung, die isländische Krone, ist zusammengebrochen. Nur mit einem IWF-geführten Notkredit von zehn Milliarden Dollar konnte die Lage stabilisiert werden.

sto/dpa/AP/AFP



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