Wahlen in Ostafrika Mehrere Tote bei Angriffen in Kenia

Kenia wählt - und wird von blutigen Anschlägen erschüttert. Polizisten, die für Ordnung sorgen sollten, wurden mit Macheten attackiert. Laut Nachrichtenagentur Reuters wurden 17 Menschen getötet. Anderen Berichten zufolge starben insgesamt mindestens zwölf Menschen.


Nairobi - Der Auftakt der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Kenia ist von Gewalt überschattet worden. Mindestens zwölf Menschen sind getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur AFP. Unter den Toten sind laut Polizei sechs Polizisten und sechs Angreifer. Die Anschläge ereigneten sich in der Küstenregion des Landes kurz vor Öffnung der Wahllokale.

Sechs Polizisten seien bei zwei Anschlägen in der Küstenstadt Mombasa getötet worden, sagte Polizeichef David Kimaiyo. Bei einem Angriff habe es sich um einen Hinterhalt von rund 200 Jugendlichen gehandelt, die mit Schusswaffen, Pfeilen und Bogen bewaffnet gewesen seien. Der Anschlag ereignete sich vor Öffnung der Wahllokale am frühen Morgen. Auch sechs Angreifer wurden getötet. 400 Beamte wurden entsandt, um für Sicherheit zu sorgen.

Laut Polizeichef Kimaiyo wird vermutet, dass die Angreifer Mitglieder des Republikanischen Rats von Mombasa (MRC) waren - einer Gruppe, die für die Abspaltung der Küstenregion eintritt. Die Nationale Menschenrechtskommission erklärte, die Anschläge hätten darauf abgezielt, den Urnengang zu verhindern. In der Ortschaft Kilifi seien Wahllokale daraufhin geschlossen geblieben. Wahlhelfer fürchteten um ihr Leben.

Im nordöstlichen Mandera an der Grenze zu Somalia wurde ein Wahllokal laut Polizei Ziel eines Attentats mit einem selbstgebauten Sprengsatz. Opfer gab es nicht. Die Abstimmung musste wegen des Vorfalls kurzzeitig unterbrochen werden.

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Wahl in Kenia: Kopf-an-Kopf-Rennen ums höchste Staatsamt

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete insgesamt 17 Tote in der Küstenregion. Unter den Opfern seien neun Polizisten, die auf Streife oder an Kontrollstellen mit Macheten umgebracht wurden. In Chumani im Kilifi-Distrikt sollen allein fünf Menschen, darunter zwei Polizisten, ums Leben gekommen seien. "Unsere Männer wurden von einer Gruppe Jugendlicher mit Macheten angegriffen. Es war ein Hinterhalt", sagte Clement Wangai, Polizeichef des Kilifi-Distrikts. Bei dem Angriff seien zudem zwei Zivilisten und ein Mitarbeiter des Kenya Wildlife Service getötet worden, einer staatlichen Organisation, zu deren Aufgaben der Erhalt der kenianischen Nationalparks gehört.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete von einem Angriff auf eine Polizeiwache in Mombasa in der Nacht zum Montag. Dabei seien vier Sicherheitskräfte ums Leben gekommen, sagte der örtliche Polizeichef Aggrey Adoli. Die Behörden machten die separatistische Gruppe Mombasa Republican Council für den Anschlag auf die Changamwe Police Station verantwortlich. Die Gruppe hatte im Vorfeld damit gedroht, die Wahlen in dem ostafrikanischen Land zu behindern.

Kilometerlange Schlangen vor den Wahllokalen

Rund 14,3 Millionen Bürger sind in Kenia aufgerufen, einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament zu bestimmen. Zugleich entscheiden sie über die künftigen Gouverneure und Regionalparlamente. Rund 99.000 Polizisten sollen für Sicherheit sorgen. Zudem wurden 23.000 Beobachter, darunter 2600 aus dem Ausland, entsandt.

Vor den Wahllokalen in der Hauptstadt Nairobi, der Küstenstadt Mombasa und in Kisumu im Westen des Landes bildeten sich am Montagmorgen lange Schlangen, meldete AFP. Viele Menschen versammelten sich schon in der Nacht vor den Wahllokalen, um möglichst früh ihre Stimmen abzugeben, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. In der Hauptstadt Nairobi seien die Schlangen am Morgen bereits mehrere Kilometer lang gewesen.

Bei der Abstimmung gab es Kritik an zahlreichen technischen Pannen. Probleme gab es vor allem mit den biometrischen Überprüfungssystemen, mit denen Wähler identifiziert werden sollten. In mehreren Bezirken der Unruheregion Tana River konnten Wähler zudem teils nicht abstimmen, weil ihr Name nicht auf den Listen auftauchte.

Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Es ist die erste Abstimmung seit den blutigen Unruhen nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2007, in deren Verlauf mehr als tausend Menschen bei Kämpfen zwischen den Stämmen getötet und Hunderttausende vertrieben wurden. Präsident Mwai Kibaki, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidieren durfte, und weitere Politiker appellierten an die Bevölkerung, eine Wiederholung der Gewaltexzesse zu verhindern.

Aussichtsreichste Bewerber für das Präsidentenamt sind Regierungschef Raila Odinga und sein Stellvertreter Uhuru Kenyatta - ein Sohn des Vaters der Unabhängigkeit Kenias von Großbritannien, Jomo Kenyatta. Umfragen zufolge ist mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Kandidaten zu rechnen.

Das Wahlergebnis soll bis zum 11. März bekanntgegeben werden. Erreicht kein Politiker die absolute Mehrheit, wird es am 11. April eine Stichwahl geben.

heb/dpa/AFP/Reuters

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Koda 04.03.2013
1. Das sieht nicht wirklich gut aus
vor über zehn Jahren wurde die Partei des langjährigen Präsidenten (und Kalenjin) Moi noch relativ friedlich abgewählt. Seit dem Absturz der KANU und den sich neu formierenden Koalitionen zeigt sich, dass die aufstrebende Wirschaft in Kenia noch nicht auf die Zivigesellschaft durchgeschlagen hat. Auch 50 Jahre nach der Unabhängigkeit sehen sich viele Kenianer erst mal als Teil ihrer Völker, die sich vor der erzwungenen Knechtschaft unter dem Kolonialismus auch nicht grün aber dafür wenigstens räumlich getrennt waren. Aber vielen der Armen wurden Versprechungen auf Geld oder wenigstens auf ein Stück eigenes Land -wichtig in vielen Teilen Afrikas, wenn man überhaupt ein Familie gründen will- gemacht die nnur durch REchtsbrechung verwiklricht werden konnten. Im Ergebnis hat man nun kriselnde Nahtstellen in einigen Landschaften Kenias.
Centurio X 04.03.2013
2. Das sind Stammeskriege,...
Zitat von Kodavor über zehn Jahren wurde die Partei des langjährigen Präsidenten (und Kalenjin) Moi noch relativ friedlich abgewählt. Seit dem Absturz der KANU und den sich neu formierenden Koalitionen zeigt sich, dass die aufstrebende Wirschaft in Kenia noch nicht auf die Zivigesellschaft durchgeschlagen hat. Auch 50 Jahre nach der Unabhängigkeit sehen sich viele Kenianer erst mal als Teil ihrer Völker, die sich vor der erzwungenen Knechtschaft unter dem Kolonialismus auch nicht grün aber dafür wenigstens räumlich getrennt waren. Aber vielen der Armen wurden Versprechungen auf Geld oder wenigstens auf ein Stück eigenes Land -wichtig in vielen Teilen Afrikas, wenn man überhaupt ein Familie gründen will- gemacht die nnur durch REchtsbrechung verwiklricht werden konnten. Im Ergebnis hat man nun kriselnde Nahtstellen in einigen Landschaften Kenias.
...und die gab es zu Genüge auch in der praekolonialen Zeit in viel größerem Ausmaß trotz der angeblich räumlichen Trennung. Das große Problem Schwarzafrikas ist die nach wie vor stattfindende Bevölkerungsexplosion, die die Entwicklung zu einem besseren Leben der Leute dort verhindert.
Cosmopol 04.03.2013
3.
"stammeskriege wie zur praekolonialischen zeit" na ja da machen sie es aber degutant einfach mit der erklaerung wie "schwarzafrika" so funktioniert.... Ja kenia ist vom so genannten 'tribalism' stark gepraegt - menschen waehlen eher nach ethnischer identiaet statt nach einer politischen farbpallette - aber was bei Ihnen klingt das nach irgendwas bestialischem was untermaueren soll dass ziviliziertes leben in afrika schier unmoeglich ist. Die Kolonialisten haben Kenia nach ihrem gefallen aufgeteilt und anders als bei Tanzania - auch so ein Konstrukt - ist es den Kenianern nie gelungen eine Kenianische identitaet zu schaffen. Tanzania auf der anderen seite hat durch einem sozialistischen mega-projekt a la sovietunion eine nationale identitaet geschaffen die ethnische zugehoerigkeiten groesstenteils ausgerottet hat. Ob das eine besser ist als das andere weiss ich nicht...
oyiboafrica 04.03.2013
4. Wahlen sind friedlich
Hallo, Ich lebe in Mombasa und die Wahlen sind friedlich bis jetzt !!
drachenschmied 04.03.2013
5. jain
Zitat von Centurio X...und die gab es zu Genüge auch in der praekolonialen Zeit in viel größerem Ausmaß trotz der angeblich räumlichen Trennung. Das große Problem Schwarzafrikas ist die nach wie vor stattfindende Bevölkerungsexplosion, die die Entwicklung zu einem besseren Leben der Leute dort verhindert.
natürlich gibt es eine bevölkerungsexplosion- überall in afrika, und "immer". aber das ist nicht der grund der plötzlichen gewalt; bei wahlen. 2003 war ich in kenia. zur "wahl" arap moi. ich habe gesehen wie wahlhelfer(aufputsch-helfer) die bürger angestachelt haben. kolonnen von kleinlaster voll mit "wahlhelfern" sind in kleine dörfer gefahren. wie beim karneval ging es zu; nur mit gegenteiliger wirkung. dann- erst dann- werden aus sonst friedlichen/freundlichen menschen ....(darf ich nicht aussprechen, wegen der zensur), die dann auch weisse angreifen. und erst dann werden stammesfehden "aufgefrischt".
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