Von Anna Reimann
Denn die Umfragen prognostizieren einen spannenden Wahlabend. Zum ersten Mal treten in Schweden im Wahlkampf zwei klare Bündnisse gegeneinander an - Reinfeldts Vier-Parteien-Allianz aus konservativen "Moderaten", Zentrumspartei, Volkspartei und Christdemokraten gegen das Bündnis aus Sozialdemokraten, grüner "Umweltpartei" und den Linken.
Zwar liegt Reinfeldts Allianz derzeit mit etwa acht Prozent Abstand vor dem linken Block - "aber die schwedischen Wähler sind traditionell sehr wechselwählerisch", sagt Bernd Henningsen, Professor für Skandinavistik von der Humboldt-Universität in Berlin.
Und die Abstimmung ist aus verschiedenen Gründen historisch - bei den Wahlen am Sonntag geht es gleich um mehrere mögliche Premieren
Der Abstieg der Sozialdemokraten begann bereits vor vier Jahren - bis dahin haben sie bis auf neun Jahre in Schweden seit 1932 immer regiert. Aber Reinfeldts bürgerliche Regierung führte das Land gut durch die weltweite Finanzkrise, Schweden kam ohne größere Blessuren davon. "Das liegt auch daran, dass Schweden in den neunziger Jahren schon einmal eine heftige Bankenkrise erlebt hat und die damaligen Rezepte auch jetzt wieder benutzt werden konnten", sagt Wissenschaftler Henningsen.
Sahlin kommt bei den Bürgern nicht an
Reinfeldts moderate Konservative inszenieren sich zudem als "die wahre Arbeiterpartei". Zwar senkte seine Regierung die Einkommenssteuer, kürzte staatliche Leistungen und schaffte die Vermögenssteuer ab. Aber den Sozialdemokraten ist es bislang nicht gelungen, daraus Kapital zu schlagen. "Das Bündnis von Reinfeldt hat sich als sehr regierungsfähig profiliert - sie waren erfolgreich. Und das ist in Schweden für eine bürgerliche Regierung durchaus ein Novum", sagt Mellbourn.
Bei den persönlichen Beliebtheitswerten liegt die 53-jährige Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten, Mona Sahlin, weit abgeschlagen hinter Reinfeldt. Nur knapp zwanzig Prozent der Schweden wünschen sich Sahlin als Regierungschefin, Reinfeldt kommt auf über 60 Prozent.
Sahlin kommt bei den Bürgern nicht an - immer noch wird sie mit einer eigentlich verjährten Affäre aus den neunziger Jahren in Verbindung gebracht . Dabei ging es um Lebensmittel, die sie sich vom Staat bezahlen ließ. Bei den eigenen Parteifreunden trifft sie auf Skepsis, eine Versöhnung der unterschiedlichen sozialdemokratischen Lager scheint ihr nicht zu gelingen. Den Gewerkschaftlern gilt sie als zu reformistisch, die Traditionalisten der sozialdemokratischen Mitte nehmen ihr übel, dass sie mit den "Neo-Kommunisten" der Linken zusammengegangen ist. "Außerdem hat sie sich im Wahlkampf nicht als wirkliche Führerin der Opposition profiliert, sondern den Linken zu viel Aufmerksamkeit überlassen", sagt Mellbourn.
Was passiert, wenn keiner der Blöcke eine Mehrheit im Parlament bekommt?
Die Parteistrategen beraten bereits über künftige Bündnisse. So hat die Partei von Premier Reinfeldt durchblicken lassen, die Grünen aus dem Linksbündnis herauszulocken zu wollen. Die Sozialdemokraten indes setzen auf die bürgerliche Zentrumspartei als Mehrheitsbeschaffer.
"Aber noch kann auch niemand sicher sein, dass sich der bürgerliche Block nicht doch auf die Rechtspopulisten stützen wird", sagt Professor Henningsen.
In den schwedischen Kommentarspalten gibt es deshalb derzeit schon einen anderen Aufruf: Reinfeldt und Sahlin sollten doch eine Große Koalition bilden.
Für Schweden - ein Land, in dem Minderheitsregierungen große Tradition haben - wäre das ein absoluter Tabubruch.
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