Wahlen in Schweden Rechte Bedrohung für Bullerbü

Die Rechtspopulisten gewinnen im liberalen Musterland Schweden an Boden - bei den Wahlen am Sonntag könnten sie Premier Reinfeldt eine zweite Amtszeit vermasseln. Der Konservative kämpft in einer historischen Abstimmung gegen ein Linksbündnis.

Von

dpa

Berlin - Eigentlich geht es im schwedischen Wahlkampf um handfeste Themen: Um die Zukunft der schwedischen Schule, die Senkung der Arbeitslosenquote, um Atomkraft zum Beispiel.

Aber der Endspurt zum Urnengang am Sonntag für die Kommunal- und Reichstagswahlen war auch durch allerlei Kuriositäten geprägt: Der Chef der Linken forderte Schwedens Mütter im Fernsehen dazu auf, für ihre Babys Milch abzupumpen statt zu stillen, damit sie schneller wieder arbeiten gehen könnten. Die Vorsitzende der Stockholmer Sozialdemokraten versprach, bei einem Wahlsieg die U-Bahn-Stationen in Servicezentren umzubauen - die Bürger sollen dort ihre Schmutzwäsche abgeben und Einkäufe erledigen lassen können, "Butler-artige Dienste" solle es geben.

Und schließlich schalteten sich Politiker der dänischen Regierungspartei in den Wahlkampf im Nachbarland ein und forderten, EU-Wahlbeobachter nach Stockholm zu entsenden. Denn die Zustände in Schweden seien "grotesker als in Osteuropa", legte die dänische Rechtspopulistin Pia Kjaersgaard noch nach. Der Grund für die Einmischung: Ein schwedischer Privatfernsehsender hatte die Ausstrahlung eines Wahlwerbespots der schwedischen Rechtspopulisten abgelehnt.

Zumindest diese Intervention hat einen ernsten Hintergrund: Die Rechtspopulisten der "Schwedendemokraten" haben sehr gute Chancen, am Sonntag deutlich mehr als die notwendigen vier Prozent der Wählerstimmen zu bekommen und so erstmals in den Reichstag einzuziehen.

Aufstieg der rechten "Schwedendemokraten"

Die Partei um den Vorsitzenden Jimmie Åkesson agitiert vor allem auf lokaler Ebene gegen Ausländer - hauptsächlich gegen Muslime. "Das sind nicht einfach Rechtspopulisten, sondern Männer aus dem Neonazi-Milieu", sagte der ehemalige Chefredakteur der Zeitung "Dagens Nyheter" und Staatswissenschaftler Anders Mellbourn SPIEGEL ONLINE. Dabei rekrutieren die "Schwedendemokraten" ihre Wähler nicht nur aus dem klassischem rechten Spektrum, sondern auch aus der enttäuschten sozialdemokratischen Anhängerschaft.

Tatsächlich scheint Schweden - einst Hort der Sozialdemokratie, Musterland in Sachen Liberalität, Gleichstellung und Bildung - den Nachbarländern Norwegen und Dänemark zu folgen. In Norwegen sind die Rechtspopulisten die zweitstärkste Partei im Parlament, in Dänemark tolerieren sie die Regierung.

Rechtspopulisten im Parlament würden die politische Rhetorik in Schweden von Grund auf ändern. "Wir haben bislang immer gedacht, wir lösen Probleme - Kriminalität, die wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft - besser als die anderen europäischen Länder. Es scheint nicht so zu sein", so Wissenschaftler Mellbourn.

Alle etablierten Parteien haben bislang erklärt, sie würden in keinem Fall mit den "Schwedendemokraten" zusammenarbeiten. Nicht mit der Kneifzange würde er sie anfassen, sagte Premier Fredrik Reinfeldt jüngst.

Politisch sind sie also isoliert - tatsächlich aber könnten die Rechtspopulisten indirekt über die künftige Regierung bestimmen. Derzeit liegen sie bei knapp acht Prozent. Halten sie diesen Wert, könnten Reinfeldt und sein bürgerliches Bündnis die Mehrheit im Parlament verfehlen.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Wattläufer 18.09.2010
1. Malmö
Zitat von sysopDie Rechtspopulisten gewinnen im liberalen Musterland Schweden an Boden - bei den Wahlen am Sonntag könnten sie Premier Reinfeldt eine zweite Amtszeit vermasseln. Der Konservative kämpft in einer historischen Abstimmung gegen ein Linksbündnis. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,717796,00.html
Fahren /fliegen Sie mal nach Malmö. Da ist nix mit "Bullerbü"-Romantik. Da ist Offenbach...
mm01 18.09.2010
2. ....
Zitat von sysopDie Rechtspopulisten gewinnen im liberalen Musterland Schweden an Boden - bei den Wahlen am Sonntag könnten sie Premier Reinfeldt eine zweite Amtszeit vermasseln. Der Konservative kämpft in einer historischen Abstimmung gegen ein Linksbündnis. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,717796,00.html
"Rechte Bedrohung" "Rechtspopulisten" "Das sind nicht einfach Rechtspopulisten, sondern Männer aus dem Neonazimilieu", sagte der ehemalige Chefredakteur der Zeitung "Dagens Nyheter" und Staatswissenschaftler Anders Mellbourn SPIEGEL ONLINE." Schön, dass der "Spiegel" in gewohnter einseitiger Linksmanier berichtet. "Wir haben bislang immer gedacht, wir lösen Probleme - Kriminalität, die wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft - besser als die anderen europäischen Länder. Es scheint nicht so zu sein", so Wissenschaftler Mellbourn." Tja, woran das wohl liegen mag? Evtl. daran, dass den Schweden die Einwanderung und das Benehmen bestimmter "Glaubensanhänger" ebanfalls sauer aufstößt? http://sverigesradio.se/cgi-bin/international/nyhetssidor/artikel.asp?ProgramID=2108&Format=1&artikel=3476484 http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/sweden/7278532/Jews-leave-Swedish-city-after-sharp-rise-in-anti-Semitic-hate-crimes.html
Arne11 18.09.2010
3.
Zitat von sysopDie Rechtspopulisten gewinnen im liberalen Musterland Schweden an Boden - bei den Wahlen am Sonntag könnten sie Premier Reinfeldt eine zweite Amtszeit vermasseln. Der Konservative kämpft in einer historischen Abstimmung gegen ein Linksbündnis. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,717796,00.html
Was ist denn mit der Bedrohung der Juden in Malmö? Und wieso ist jemand der gegen diese Fremdenfeindlichkeit vorgeht rechts? Sollte es nicht einen breiten Konsens in der Gesellschaft, insbesondere in den Medien geben dass jede Fremdenfeindlichkeit ohne unterscheidung bekämpft & thematisiert werden sollte?
hirn_einschalten 18.09.2010
4. Klassische linke Beissreflex
Zitat von sysopDie Rechtspopulisten gewinnen im liberalen Musterland Schweden an Boden - bei den Wahlen am Sonntag könnten sie Premier Reinfeldt eine zweite Amtszeit vermasseln. Der Konservative kämpft in einer historischen Abstimmung gegen ein Linksbündnis. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,717796,00.html
Die linken Medien dämonisieren die Schwedischen Demokraten mit allen Mitteln, die Regierung behindert rechtswidrig die Wahlkampfbemühungen der SD und verweigert den Repräsentanten der Partei Polizeischutz. Ein Kandidat der islamkritischen Schwedischen Demokraten, der 24-jähige David Arnold, wurde im Anschluss an die Wahlkampfveranstaltung vor seiner Wohnung überfallen, in diese hineingezogen, ausgeraubt und misshandelt. Dabei wurde ihm ein Hakenkreuz in die Stirn geritzt. Die beiden maskierten Täter sprachen Arabisch und das Schwedisch eines der Täter hatte einen arabischen Akzent. Der Ministerpräsident Schwedens, Frederik Reinfeldt, hat die Tat nicht verurteilt, sondern den Schwedischen Demokraten mitgeteilt, sie sollten sich nicht wundern. Hier die Quelle: http://www.aftonbladet.se/nyheter/article7764634.ab Das klingt für mich nicht nach Demokratie, sondern nach linker Gesinnungsdiktatur. Opfer von Straftaten werden verhöhnt, wenn sie nicht die richtige Gesinnung haben.
intenso1 18.09.2010
5. Auch in Deutschland
Zitat von sysopDie Rechtspopulisten gewinnen im liberalen Musterland Schweden an Boden - bei den Wahlen am Sonntag könnten sie Premier Reinfeldt eine zweite Amtszeit vermasseln. Der Konservative kämpft in einer historischen Abstimmung gegen ein Linksbündnis. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,717796,00.html
Auch in Deutschland fehlt eine Partei die die Sorgen der Bürger ernst nimmt. Leider bietet sich keine an. Eine charismatische Persönlichkeit könnte auch in Deutschland den Parteien das Fürchten lernen. Die Rechtspopulisten haben doch nur Zulauf weil die Anderen Parteien sich vom Volk Lichtjahre weit entfernt haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.