Wahlkampagne Schwarzenegger dementiert Hitler-Bewunderung

Der Wahlkampf von Arnold Schwarzenegger sollte mit einem "Triumph-Zug" enden. In den letzten Tagen vor der Wahl zum Gouverneur von Kalifornien wollte er mit einem Bus durchs Land fahren und sich bejubeln lassen. Die Bus-Tour läuft - der Triumphzug nur partiell: Schwarzenegger sieht sich täglich mit neuen Vorwürfen konfrontiert.


Schwarzenegger auf Wahlkampftour in Kalifornien
DPA

Schwarzenegger auf Wahlkampftour in Kalifornien

Los Angeles - Die jüngsten Vorwürfe lauten, Arnold Schwarzenegger habe vor 25 Jahren Adolf Hitler bewundert. Der US-Fernsehsender ABC News und die "New York Times" berichteten, Schwarzenegger habe Bewunderung für Hitler geäußert, weil dieser es "als kleiner Mann fast ohne Ausbildung an die Macht geschafft" habe. Schwarzenegger wies den Vorwurf zurück: Er könne sich an keinen dieser Kommentare erinnern. "Ich verachte alles, was die Nazis oder Hitler repräsentieren."

Die US-Medien berufen sich auf ein Buch-Exposé von George Butler, einem Freund von Schwarzenegger, der den Bodybuilder mit dem Dokumentarfilm "Pumping Iron" in den siebziger Jahren einem größeren Publikum bekannt gemacht hatte. Dem mehr als sechs Jahre alten Manuskript zufolge soll Schwarzenegger 1975 gesagt haben: "Ich habe Hitler beispielsweise bewundert, weil er es als kleiner Mann fast ohne Ausbildung an die Macht geschafft hatte. Und ich bewundere ihn, weil er so ein guter öffentlicher Redner war und für das, was er damit gemacht hat."

Butler beschreibt der Zeitung zufolge, wie Schwarzenegger Marschlieder der Nazis gespielt und so getan habe, als sei er ein SS-Offizier. Der Filmproduzent habe erklärt, in den Siebzigern habe er Schwarzenegger für einen "unverhohlenen, unverblümten Bewunderer Hitlers" gehalten. Die "Los Angeles Times" berichtet dagegen, zwei Monate zuvor habe Butler in einem Interview bestritten, dass Schwarzenegger sich bewundernd über Hitler geäußert habe.

Spenden für Simon-Wiesenthal-Zentrum

Der Neu-Politiker sagte am Donnerstagabend auf die Frage, ob es möglich sei, dass er diese Dinge über Hitler gesagt haben könnte: "Ich kann mir das nicht vorstellen, denn seit meinen Kindheitstagen habe ich immer alles verabscheut, wofür sein Regime stand." Er wies auf seine Zusammenarbeit mit dem Simon-Wiesenthal-Zentrum hin, das Antisemitismus bekämpft. Schwarzenegger unterstützt das Zentrum seit 1984 und hat Millionenbeträge für seine Arbeit gesammelt. Eine von ihm 1990 angestoßene Untersuchung des Zentrums kam zu dem Ergebnis, dass Schwarzeneggers Vater nach der Annexion Österreichs im Jahr 1938 Mitglied der Nationalsozialistischen Partei geworden war.

Schwarzenegger hatte sich zuvor für sein früheres Verhalten gegenüber Frauen entschuldigt, nachdem die "Los Angeles Times" auf ihrem Titelblatt von Vorwürfen berichtet hatte, er habe mehrere Frauen sexuell belästigt. "Ich habe mich daneben benommen", sagte er. Die Einstellung in Hollywood habe sich in den vergangenen Jahren in diesem Punkt verändert.

Er sei gewarnt worden, dass er in der Endphase des Wahlkampfs persönliche Angriffe erwarten müsse, sagte Schwarzenegger. "Anfang der Woche sind viele führende Politiker auf mich zugekommen und haben gesagt, 'Arnold, pass' auf, in dieser Woche werden sie alles auf dich abladen ... das passiert jedem Politiker'", sagte er dem Sender MSNBC. Journalisten sagte er später: "Ich werde nicht zulassen, dass sie meinen Wahlkampf zum Scheitern bringen."



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